42. Chapter - Erinnerungen und Veränderungen (Jordan's Sicht)

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Es war mittlerweile Abend geworden. Der Arzt war gerade bei uns. Patty war eben aufgewachte, deshalb hatte ich seine Mutter angerufen, die gerade in das Zimmer rauschte.

"Und, wie sieht's aus?", fragte sie keuchend.

Der Arzt drehte sich zu Mary um und lächelte sie traurig an.

"Madam Brown, schön, dass sie da sind. Ich habe hier die Ergebnisse, wie es um ihren Sohn steht. Es tut mir Leid, dass sie das hören müssen, aber ihr Sohn hat seine Erinnerung teilweise verloren. Patrick weiß ein Teil seines Lebens nicht mehr, es kann sein, dass er nie wieder an die letzte Zeit denken kann."

Mary nickte beherrscht und fuhr sich kurz über die Augen. Sie schluckte schwer und fragte dann: "Von welchem Zeitraum reden wir?"

"Etwa drei bis vier Stunden", war die Antwort. Ich blinzelte.

Das war die zeit, in der ich ihm gesagt hatte, dass ich ihn liebte.

"Okay, danke, dass Sie mir Bescheid gegeben haben. Wann darf ich ihn denn mit nach Hause nehmen?"

"Er muss noch die Nacht bei uns bleiben, dass wir uns sicher sein können, dass ihr Sohn keine inneren Blutungen hat. Morgen gegen zwölf könnten Sie sich bei mir melden"

"Gut, mach ich"

"So, aber jetzt muss ich Sie beide bitten, das Zimmer zu verlassen. Patrick ist noch nicht ganz wach und er braucht seine Ruhe. Morgen können Sie gerne vorbei kommen"

Ich nickte und verabschiedete mich nach Mary bei dem Arzt. Dann verließen wir beide das Zimmer. Schweigend liefen wir neben einander her. Das gleichmäßige Klicken der Schuhe waren das einzige Geräusch im ganzen Gang.

Ich sah auf meine Uhr und stutzte. Es war kurz vor halb neun. So lange war ich schon hier?

Mary blieb vor dem Aufzug stehen und drückte den Knopf. Dann drehte sich sich zu mir um und fragte mich: "Danke, dass du die ganze Zeit bei Patty warst und mich angerufen hast. Sag mal, soll ich dich nach Hause bringen? Das wäre das einzige, was ich für dich tun kann"

Ich nickte leicht. "Das wäre nett"

Der Schalter sprang auf die Farbe rot und es ertönte ein "Bing", anschließend öffnete sich der Aufzug und wir betraten den Fahrstuhl.

Schweigend fuhren wir ins Erdgeschoss, überquerten die Eingangshalle und suchten den silbernen Mercedes.

Mary stieg in das Auto und ich setzte mich auf den Beifahrersitz. Wärend der Fahrt spürte ich all die Erschöpfung und Müdigkeit über mich herein brechen. Ich schloss die brennenden Augen und lehnte mich an das Fenster. Die kühle Scheibe war angenehm an meiner heißen Haut.

Langsam ließ ich meine Gedanken frei und verdaute den Tag. Es war ein bitterer Geschmack und viel zu versalzen.

Jetzt hatte ich ihm schon meine Liebe gestanden und er könnte sich höchst wahrscheinlich nicht daran erinnern. Toll!

Ich seufzte und öffnete die Augen wieder. Gerade bog Mary in die Straße ein, in der ich wohnte. Und in der er angefahren wurde.

"Welche Hausnummer noch mal?", fragte Marys Stimme. Sie klang nach der Stille so unglaublich laut.

"Siebzehn", antwortete ich leise.

Die Frau nickte und suchte die Hausnummern nach meiner ab.

"Da vorne ist es", murmelte ich und zeigte auf das Haus mit dem Panoramafenster.

"Schön sieht es aus", meinte Mary und ich nickte leicht.

Schön war es, aber zu groß für uns. Ich meine, meine Eltern waren so gut wie immer unterwegs und meine Schwester wohnte eh nicht mehr wirklich hier. Ich lebte ja so gut wie alleine.

Das Auto hielt vor dem Bordstein und ich schnallte mich ab.

"Danke für's Fahren. Das ist echt nett von Ihnen", meinte ich und lächelte leicht.

"Sag doch 'du' zu mir. Und das mit dem Fahren hab ich gern gemacht. Grüß deine Eltern von mir, okay?"

Ich schluckte und nickte: "Ja, mach ich"

"Möchtest du Patty mit mir abholen? Dann hab ich ein bisschen Hilfe, falls er was blödes anstellen will."

Ich nickte wider leicht. "Wenn ich darf bin ich gerne dabei."

"Gut, dann bis morgen"

"Ja, bis dann"

Anschließend drückte ich die Tür zu und der Mercedes fuhr weiter.

Seufzend drehte ich mich zu dem großen Haus um und schlurfte über den Kiesweg zu der Haustür. Ich zog meinen Schlüssel aus der Hosentasche und schloss auf. Ich trat in das kühle Gebäude und schloss die Tür hinter mir.

Müde zog ich mir die Schuhe aus und hing meine Jacke auf.

"Sophy?", fragte ich, da ich sie nicht hören oder sehen konnte.

Ich ging durch die Gänge und suchte meine Schwester. "SOPHY?"

Keine Antwort.

Verwundert schlurfte ich in die Küche. Alles unverändert. Ich sah mich genauer um. Doch, da lag ein Zettel. Mit sauberer Handschrift war etwas notiert.

"Hallo, kleiner Bruder.

Es tut mir Leid, aber ich musste schon wieder gehen. Du weißt ja, Kelly und ihr Baby brauchen mich. Hoffe, du kommst auch so zurecht. Stell nichts blödes an!

Bis dann - S"

Ich laß mir den Zettel wieder und wieder durch, einfach um abgelenkt von allem zu sein. Doch das half nicht wirklich. Also legte ich den Zettel wieder fein säuberlich vor mich hin und schleppte mich hoch in mein Zimmer. Ich öffnete die Tür und sah in den Raum.

So viel Erinnerungen waren hier geschehen.

Ich könnte das Zimmer nicht betreten. Mein Körper wollte nicht. Ohne dass ich es kontrollieren konnte, fiel mir eine Träne aus dem Augenwinkel.

Ich wischte sie weg und schloss die Tür wieder energisch.

Es knallte laut und ich zuckte zusammen.

In dem Zimmer konnte ich nicht schlafen.

Ich fuhr mir über das Gesicht und suchte den Weg in das ehemalige Zimmer meiner Schwester. Dort war jetzt ein Gästezimmer. Ein einfaches neutrales Gästezimmer. Ohne Erinnerungen.

Perfekt.

Ich holte mir ein Kissen, eine Decke und ein Bettbezug aus dem Schrank, der neben dem Fenster stand und machte meinen Schlafbereich fertig.

Anschließend ging ich rüber in das Bad, duschte mich in der Regendusche heiß ab. Dann machte ich mich bettfertig. Heute war alles so still. Ich hasste es, alleine zu wohnen.

Missmutig putzte ich meine Zähne und dann ging ich rüber in das Gästezimmer. Ich legte mich auf die weiche Matratze und schloss die Augen. Schlafen könnte ich aber erst nach gefühlten Jahren.

Love me, Boy!Lies diese Geschichte KOSTENLOS!