Das Frühstück schwiegen wir. Jordan und ich hatten beide keine Lust, den anderen anzusprechen. Aber ich wollte es wissen.

"Was?", fauchte Jordan mich an, als ich ihn eine Zeit lang beobachtet hatte.

Ohne zu zögern stellte ich meine Frage: "Warum hast du mich an dem Tag, an dem wir Nachsitzen mussten, geküsst?"

Jordan verschluckte sich und hustete. Ich sah ihm abwartend an, bis er sich endlich beruhigt hatte.

"Was?", presste er schließlich hervor.

"Du hast mich schon verstanden. Warum hast du mich geküsst?", fragte ich leicht genervt und verschränkte meine Arme.

Jordan schwieg kurz, dann meinte er: "Ich wollte einfach, dass du mich in Ruhe lässt"

Ich lachte laut und hysterisch auf. "Ich sollte dich in Ruhe lassen? Wer war es denn, der mich die ganze Zeit verfolgt und geschlagen hat? Ich? Nein, das warst du! Die ganze scheiß Aktion war einfach nur unnötig!"

Jordan erwiderte nichts darauf. Schweigend aß er zu Ende.

Ich beobachtete ihn dabei. Jordan's dunkelbraune Augen starrten nervös durch den Raum. Er fühlte sich genau so unwohl, wie ich mich.

Nur dass ich es nicht so auffällig zeigte.

"Liebe Schülerinnen und Schüler, würden Sie bitte alle mal kurz leise sein? Das ist eine Klassenfahrt, also werden wir als Klasse etwas unternehmen. Heute habe ich mir gedacht, gehen wir zusammen in eine Stadt, um dort ein Museum zu besichtigen. Um 8:30 Uhr möchte ich, dass Sie alle mit ihren Zimmergenossen am Bus warten. Bis dann"

Ein Murren ging durch die Klasse und alle standen auf um sich fertig zu machen.

Ich ging zu unserem Zimmer und packte meinen Rucksack mit Proviant, Getränken und anderem Zeug voll, das ich eventuell brauchen könnte.

Als ich fertig war, kam Jordan in das Zimmer und packte sein Zeug ebenfalls in einen Rucksack.

Wir redeten nicht, das war zwischen uns zum Standard geworden. Und ich war nicht wirklich traurig darüber.

Ich sah auf die Uhr und bemerkte, dass wir nur noch fünf Minuten hatten.

"Beeil dich, Jordan. Wir haben kaum noch Zeit", murmelte ich und verließ ohne seine Antwort das Zimmer und ging zum Bus runter.

Die Klasse war schon versammelt und hörten Mister Smith zu, der etwas ankündigte: "Dass wir uns nicht verlieren gehen Sie bitte mit Ihrem Zimmerpartner in der Stadt herum"

Ganz ehrlich, das machte er mit Absicht. Er wollte, dass Jordan und ich zusammen waren. Durchgehend. Das war nicht fair!

Hinter mir kam Jordan aus dem Hotel gestolpert und blieb neben mir stehen. Ich machte einen Schritt von ihm weg und ignorierte ihn.

"Was hat er gesagt?", fragte Jordan mich plötzlich.

Ich seufzte, das mit dem Ignorieren würde wohl nichts werden.

"Wir müssen zusammen in die Stadt. Alle in einem Zimmer müssen eine Gruppe bilden", erklärte ich und verschränkte die Arme.

Jordan nickte und fluchte. "Man, das ist nicht der Ernst oder?"

"Doch", erwiderte ich kalt und betrat ohne ein weiteres Wort den Bus. Ich setzte mich neben John, der mir freundlicherweise einen Platz frei gehalten hatte und begrüßte meinen Kumpel.

Wir unterhielten uns ein bisschen über die Unterkunft und über die Zimmer. Ich hatte wohl Glück, das Zimmer von Jordan und mir hatte eine eigene Toilette.

Als wir nach kurzen dreißig Minuten in der Stadt ankamen, war meine Stimmung wieder am Boden.

Das Museum war über Flugzeuge, Etwas, was mich nicht interessierte.

Unter Protest der ganzen Klasse sahen wir uns die alten Flieger und dergleichen an und man konnte sehen, dass niemand Bock auf Flieger hatte.

Alle beschwerten sich und schließlich gab der Lehrer nach und erlaubte uns, frühzeitig zu gehen.

"Ihr dürft hier bleiben und euch das Museum ansehen oder ihr geht mit eurem Zimmerpartner zusammen in die Stadt."

Alle jubelten. Mister Smith schärfte uns noch ein, keine Drogen, Alkohol, Rasierklingen oder dergleichen zu kaufen und dass wir wieder in drei Stunden am Bus sein mussten.

Ich hatte nicht wirklich zu gehört und schreckte zusammen, als Jordan mich anstubste und fragte: "Willst du jetzt in die Stadt oder nicht?"

Ich nickte genervt und verließ gefolgt von Jordan das Museum.

"Wohin willst du?", fragte ich ihn und holte mir einen kleinen Stadtplan bei unserem Lehrer.

"Weiß nicht, einfach nur weg von dem Museum.", gab er mir als Antwort.

Ich seufzte und schlenderte neben Jordan die gepflasterten Straßen entlang. Die Stadt war klein und hatte kaum Geschäfte. Es war eine alte Stadt, aus dem Mittelalter, bei der es sogar echte Fachwerkhäuser gab.

Schweigend gingen wir durch die Stadt und trafen bedauerlicherweise keinen anderen Schüler, der die angespannte Stimmung zwischen Jordan und mir etwas lockern konnte.

Nach einer Weile machten wir uns auf den Weg zurück zum Bus. Schweigend, versteht sich.

Wir waren die letzten Beiden, die am Bus ankamen. Der Lehrer empfing uns ungeduldig und wieß uns auf eine Sitzbank, da alle anderen Plätze voll waren.

Ich setzte mich ans Fenster und Jordan sich neben mich.

Und wir redeten wieder kein Wort.

Plötzlich kam Mister Smith zu uns und meinte: "Ich habe Sie beide nicht zusammen gesetzt, dass Sie sich an schweigen. So klärt man keinen Streit. Reden Sie miteinander!"

Dann ging er wieder.

Etwas perplex starrte ich dem Mann hinterher und wand mich dann an Jordan.

"Was hat der nur für ein Problem?", murmelte ich.

"Keine Ahnung, er meint wohl, dass sich jeder in der Klasse lieben muss"

Wir lachten beide auf, obwohl es eigentlich nicht lustig war. "Na ja, dann reden wir halt. Frag mich was", meinte ich und knetete meine Finger. Weiß nicht, aber ich wurde nervös.

"Hast du Geschwister?"

"Ne, leider nicht. Du?"

"Ja, eine große Schwester, aber die ist schon ausgezogen"

"Ach so"

Und den Rest der Fahrt verlief ungefähr genau so. Wir fragte uns unwichtige Sachen und schließlich kamen wir an.

Alle verließen den Bus und wir gingen auf unser Zimmer.

Jetzt schwiegen wir wieder.

Die Zeit war verdammt weit voran geschritten und es wurde bald zum Abendessen gerufen.

Nach dem Essen kündigte der Lehrer noch an, dass wir Morgen zu einem See gehen würden. Dann durften wir gehen.

Da ich müde war ging ich gleich auf unser Zimmer und putzte meine Zähne. Anschließend zog ich mir meine Klamotten bis auf die schwarze Boxer aus und im selben Moment kam Jordan rein.

Ich setzte mich im Schneidersitz auf das Bett und wartete auf meinen Zimmerpartner. Nach einer kurzen Zeit kam er aus der Toilette raus, ebenfalls nur mit einer Boxer bekleidet.

Ich konnte seinen Sixpack sehen, seine Brustmuskeln und das zeigte mir, dass er viel Sport trieb.

Jordan lief zu dem Bett rüber und legte sich darauf.

"Jetzt doch nicht auf dem Boden schlafen oder was?", fragte ich.

"Ne, zu hart", antwortete Jordan und wir legten uns beide hin. Ich knipste das Licht aus und schlief bald darauf ein.

Love me, Boy!Lies diese Geschichte KOSTENLOS!