Ich war auf dem Weg zu John. Ganz spontan hatte ich einen kleinen Spaziergang durch die Stadt gemacht um den Kopf frei zu bekommen, dann bin ich in die Gegend gekommen, in der er, soweit er es mir gesagt hatte, wohnte und besuchten ihn einfach mal so. Konnte ja nicht schaden.

Ich bog in die genannte Straße ein und schlenderte die Häuser entlang.

"Das letzte Haus der Straße. Das ist ein großes weißes Haus, mit großem Balkon über der Tür un so. Man kann es nicht wirklich übersehen.", erklang Johns Stimme in meinem Kopf nach.

Ich fand das Haus recht schnell und klingelte. Nach einer Weile öffnete keiner und ich klingelte noch mal. Wieder öffnete niemand. Ich hätte Bescheid sagen sollen, vielleicht war John nicht da. Ich lehnte mich gegen die Haustür. Sie bewegte sich und schwang nach innen auf.

Ich stutzte. Weshalb war die Tür offen?

Nervös schob ich die Tür komplett auf und meine Stimme versagte. Meine Atmung war tot. Ich schnappte nach Luft.

John lag auf dem Boden, blutend aus der Nase, eine dicke blaue Beule am Kopf, die Gläser seiner Brille waren zersplittert und lagen neben seinem Kopf. Seine Augen waren geschlossen.

"Was zur..?", hauchte ich, besann mich und suchte nach dem Haustelefon. Ich fand es nach kurzem Stöbern. Mit zittrigen Fingern wählte ich die Nummer der Notaufnahme.

"Ja bitte, Notaufnahme...", begann eine Dame, doch ich unterbrach sie.

"Ja, hier ist ein Verletzter. Er blutet und wurde anscheinend verprügelt. Er ist bewusstlos.", ratterte ich schnell herunter. Ich hechtete zurück zu John. "Seine Atmung wird immer schwächer und unregelmäßiger!"

"Wo sind Sie und der Verletzte? Straße und..."

Noch bevor sie zu ende geredet hatte, nannte ich ihr die Adresse und meinte anschließend, dass John nicht auf Schütteln und Rufe reagiert.

"Gut, ich schicke einen Krankenwagen zu Ihnen, machen Sie sich keine Sorgen."

Dann legte ich ohne ein Tschüss auf.

Ich legte das Telefon weg und nahm Johns Kopf in den Arm. Ich streichelte ihm über die Stirn, darauf bedacht, nicht die Beule zu berühren. Vielleicht hatte ich überreagiert, vielleicht nicht, ich hatte keine Ahnung.

"John, der Krankenwagen ist schon unterwegs, ich hab ihn schon gerufen. Bis dahin musst du aber noch durchhalten.", flüsterte ich mit zitternder Stimme. John konnte mich weder hören noch sehen, aber sein Unterbewusstsein würde vielleicht mitbekommen, dass ich mit ihm redete.

Ich weiß nicht mehr, wie lange ich da saß, doch bald hörte ich die Sirenen des Krankenwagen lauter werden.

Ein Krankenwagen parkte vor dem Haus und drei Männer stiegen aus. Sie holten eine Trage aus dem Auto und kam zu mir herüber.

"Sind Sie Mister Patrick Brown?", fragte mich einer der drei Männer und ich nickte.

"Und das ist Mister John Adams?" Der Mann zeigte auf den Jungen, der mir zu Füßen lag.

Wieder nickte ich.

Ein weiteres Auto näherte sich und eine Frau und ein Mann stiegen aus.

"Oh mein Gott, John!", rief die Frau und stürmte auf John zu.

"Madam Adams, wir müssen ihren Sohn ins Krankenhaus bringen, er ist bewusstlos. Sie können gerne mit Mister Brown hinter her kommen, aber wir müssen jetzt wirklich los, da wir nicht wissen, was mit ihrem Sohn passiert ist."

Die Frau nickte, Tränen liefen ihr über die Wange.

Der Mann, wahrscheinlich Ehemann, kam hinter sie und streichelte ihre Schulter.

Die Männer von der Notaufnahme nahm John mit und ließen Johns Eltern und mich sprachlos zurück.

Wer zum Teufel hat John das angetan?

Die Frau blickte auf. Ihr Gesicht war tränenüberströmt. Hatte ich meine Frage laut ausgesprochen?

"Ich weiß es nicht. Mein Mann und ich sehen John kaum, weil wir so viel arbeiten. Hätten wir mehr Zeit mit ihm verbracht, dann hätte er uns gesagt, wenn er Probleme hätte. Ich weiß nicht, was passiert ist."

"Ich bin auch erst hier her gekommen, als er schon bewusstlos war."

Der Mann schaltete sich ein. "Ich bin Alan Adams. Johns Vater. Das ist meine Frau, Maggie Adams. Und wer bist du eigentlich?"

Ich nahm die entgegen gestreckte Hand und schüttelte sie. "Patrick Brown, ein Freund ihres Sohnes. Ich bin neu auf seiner Schule. Wir kennen uns seit heute.", erklärte ich wahrheitsgemäß.

"Bist du neu hier her gezogen?"

Ich verneinte und Alan beließ es dabei. Zum Glück.

Noch eine Weile standen wir vor der Haustüre und warteten einfach. Die Stille wurde nur von Maggies schluchzen unterbrochen.

"Patrick, willst du mit uns ins Krankenhaus, du hast John schließlich gefunden."

"Nein, tut mir Leid, aber ich muss nach Hause. Es wird schon dunkel.", begründete ich.

"Dann bringen wir dich zu dir. Das ist das Mindeste, was wir für dich tun können."

Erst wollte ich ablehnen, aber dann bemerkte ich, dass ich am ganz anderen Ende der Stadt wohnte und nahm das Angebot dankend an.

Die Fahrt war still, Maggie hatte sich beruhigt und jeder ging seinen Gedanken nach.

Warum wurde John verprügelt? Und wer war es?

John hatte soweit ich es heute gesehen hatte, keine großen Feinde.

Doch, einen. Jordan. John hatte mich vor ihm gewarnt, weil er ein schlechter Umgang war. Vielleicht hatte Jordan ihn ja verprügelt.

So ein Mistkerl!

Ich ballte die Hände zur Faust. Der konnte morgen was erleben. Aber nicht mit Taten. Mit Worten.

Das Auto hielt und ich stieg aus. "Danke fürs Bringen"

Das Auto fuhr weg und ließ mich gedankenverloren zurück. Hoffentlich wurde John bald gesund.

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Das Bild zeigt Madam Windsy. Die Mathelehrerin

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