"Kannst du dich noch daran erinnern, als ich dreizehn war? Ich hab dich da gefragt, was Liebe ist", fing ich an und knetete meine Hände. "Du hast mir gesagt, dass, wenn man jemanden richtig liebt, dass man nicht aufhören kann, an ihn zu denken und immer lächelt, wenn die Person bei einem ist. Dass man kaum essen kann, weil man Schmetterling im Bauch hat. Weißt du noch?"

"Natürlich kann ich das. Warum erinnerst du mich daran?", erwiderte meine Mom und sah mich neugierig an. Ich fühlte Pattys Blick auf mir, aber ich richtete Meinen nicht vom Boden.

"Ich fühle das gerade. Und zwar extrem stark. Es ist schon länger da, etwa vier fünf Monate", gab ich zu und schluckte. Was werden sie sagen? Was werden sie von Patty denken? Mein Kopf arbeitete. Meine Kehle wurde trocken. Meine Finger zitterten leicht.

Nein, ich musste Patty zeigen, dass er sich keine Sorgen zu machen brauchte!

"Das freut mich für dich, mein Sohn. Aber warum bist du so nervös?", fragte mein Dad und verlagerte sein Gewicht auf die Knie.

"Also, es ist so... Ich habe mich sehr stark verliebt. In jemanden. Und ich weiß auch dass diese Person mich sehr gerne mag... Um ehrlich zu sein, wir sind schon zusammen", stammelte ich.

"Das ist doch toll, wie heißt sie denn?", fragte meine Mom ganz normal. Okay, Augen zu und durch. Du schaffst das!

"Das ist ja die Sache. Es ist keine Frau..."

Ich sah nach oben. Meine Mutter sah verwirrt aus, ebenso wie mein Dad.

"Wie meinst du das?", kam die Frage von meiner Mutter.

"Ich liebe einen Mann. Um genau zu sein, diesen neben mir. Ich weiß das schon seit Monaten und wir sind seit ein paar Tagen zusammen", presste ich heraus und mir stiegen auf einmal Tränen in die Augen.

Ich biss auf meine Lippe, um das Wasser zurück zu halten. Alles prasselte auf mich nieder, Hoffnung, Angst, Unwissenheit. Meine Gefühle fuhren Achterbahn ins Dunkle. Was kam jetzt?

Werden sie mich akzeptieren? Oder raus schicken? Was mach ich, wenn sie mich rauswerfen? Was wird Patty machen? Bleiben wir zusammen? Trennen wir uns? Man, ich dachte zu viel nach. Sicherlich wurde alles gut.

"Du stehst auf... Typen?", fragte mein Dad vorsichtig nach und ich nickte schluckend. Blinzelnd sah ich nach oben und plötzlich fühlte ich eine kalte Hand an meiner. Ich sah zu Patty rüber. Er blickte mich beruhigend an und streichelte über meinen Handrücken. Ich liebte ihn dafür, dass er in solchen Situationen für mich da war.

"Okay, zum mitkommen: Du hast herausgefunden, dass du schwul bist und du hast dich in Patty verliebt. Jordan, kommst du bitte mal mit nach draußen?", fragte meine Mom und stand auf. Mit einem Schlag fühlte ich mich so, als hätte man mir den Boden unter den Füßen weggezogen.

Ach du Scheiße!

Ich fühlte, wie mein Herz aufhörte zu schlagen. Gerade hat es noch so fröhlich geschlagen und gesprungen und jetzt. Nichts. Leere in meiner Brust. Sie akzeptierte es nicht. Ich würde nicht mit Patty zusammen sein können. Ich würde verstoßen werden. Ich würde meine Familie verlieren. Ich würde alles verlieren.

Trotzdem stand ich auf und ließ schwerfällig die kalte, rettende Hand von Patty los. Ich fühlte mich sofort einsam und der Boden drehte sich unter meinen Füßen. Alles um mich herum verschwamm wegen der Tränen in meinen Augen. Ich sah kurz zurück zu Patty. In seinem Gesicht stand Erschöpfung, Trauer, Verzweiflung. Es schmerzte, ihn so zu sehen. Am liebsten würde ich ihn in den Arm nehmen und mit ihm weinen. Aber das ging nicht.

"Jordan, kommst du bitte?", drang die Stimme meiner Mutter an mein Ohr.

Schwankend folgte ich meiner Mom durch das Wohnzimmer in die Küche und dann durch das Fliegengitter in den großen Garten. Normalerweise liebte ich den Garten, alles war natürlich, grün, duftend und rein. Es war mein Platz der Ruhe. Aber jetzt in dem Moment war ich alles andere als ruhig. Ich explodierte fast vor Spannung.

Dort drehte sie sich um und sah mich streng an.

Was denkt sie? Ich konnte nichts in ihrem Blick sehen. Sag doch was, dann weiß ich endlich, was du denkst!

"Jordan, ich bin enttäuscht von dir", kam von ihr und meine Welt brach ein.

Meine schlimmsten Albträume wurden wahr.

"Mom, bitte lass mich das erklären-", fing ich an, wurde aber von ihr unterbrochen.

"Nein, du hörst mir jetzt mal zu! Ich bin sehr enttäuscht von dir" Mein Leben wurde gerade zerstört. Ich konnte es nicht glauben. Ich wollte nur noch weg von hier. Weit weg. Mit Patty allein. Irgendwo hin, wo wir uns keine Gedanken über Geschlechter und Regeln machen mussten. 

"So, wie niemals davor. Ich kann nicht glauben, dass du das erst jetzt sagst! Meinst du, ich hab in den letzten fünf Jahren nicht bemerkt, dass du den Männern heimlich hinterher schaust? Ich wusste früher als du, dass du schwul bist. Und es macht überhaupt nichts aus, okay? Gut, die Enkelkinder werden weniger, aber ich habe mich damit abgefunden. Ich will nur, dass du glücklich bist, mein Baby. Und wenn du das mit Patty bist, dann ist das gut. Wenn es mit einem anderen ist, dann ist das auch gut. Oder mit einem Mädchen. Es ist egal. Solange du mein Sohn bist, und das bist du dein Leben lang, kannst du mit jedem Geschlecht zusammen sein. Ich wünsche mir nur, dass du uns das nächste mal früher sagst, dass du einen Freund hast. Übrigens, Patty ist ein echt netter Kerl. Ich kenne seine Mutter, sie ist mit Lucy, einer Mitarbeiterin von mir, verwandt. Patrick scheint ein guter Junge zu sein. Und ach ja, vergess das atmen nicht"

Ich holte tief Luft. In der ganzen Spannung hatte ich das atmen ganz vergessen. Mein Herz pochte. Meine Augen blinzelten.

"Warte, das ist okay für dich?", fragte ich ganz perplex.

"Natürlich, du bist doch mein Baby! Ich würde es nicht ertragen, dich unglücklich zu sehen. Auch wenn wir uns durch die Arbeit wenig sehen, ich liebe dich trotzdem. Komm her", meinte sie und zog mich in eine lange feste Mutter-Sohn-Umarmung.

Da brachen meine Wände und ich fing an aus Erleichterung zu weinen.

Love me, Boy!Lies diese Geschichte KOSTENLOS!