Meine Hand zitterte so sehr, dass ich wirklich Angst hatte den Wagen in den nächsten Baum zu fahren. Elina redete fröhlich vor sich hin und lenkte mich etwas von meiner Nervosität ab, wofür ich ihr so dankbar war.

Die ganze Zeit dachte ich darüber nach, wie ich ihm sagen sollte, dass ich ihn liebte. Einfach so sagen, was ich dachte oder erzählen wie? Ich wusste es nicht.

Die Fahrt kam mir so lange vor, aber als ich vor dem Haus parkte, wünschte ich mir, dass der Weg länger war. Meine Kehle war trocken wie eine Wüste und mein Kopf wie leer gefegt. Nicht mal ein einzelnes Körnchen war da oben drinnen.

"Elina, was soll ich sagen?", fragte ich schon fast panisch, weil ich einfach nicht mehr denken konnte.

"Sag ihm, was du fühlst, du packst das schon. Jetzt geh schon", munterte mich die Blonde auf und schnallte mich ab. Ich schluckte und fragte: "Bleibst du hier?"

Sie lächelte mich an, aber schüttelte dann den Kopf. "Ich bin mir sicher, dass du heute bei ihm bleibst"

Wie kann man nur so zuversichtlich sein? Beruhigend atmete ich ein und aus, dass öffnete ich die Fahrertür. Elina stieg ebenfalls aus und kam zu mir rüber.

Fest umarmte sie mich und nickte. "Du packst das", wiederholte sie und ließ mich los. "Jetzt geh schon"

Ich machte mich mit wackeligen Beinen auf den Weg zu der Haustür. Mein Finger zitterte ungewöhnlich stark, als ich die Klingel drückte. Ich sah zurück zu Elina, die sich winkend in Auto setzte und den Wagen startete. Dann gab sie Gas und fuhr die Straße entlang, bis ich sie nicht mehr sehen konnte.

Vor mir öffnete sich plötzlich die Tür und ich zuckte erschrocken zusammen. Mein Herz raste auf einmal. "Patty?", raunte Jordan. Sein Gesicht war bleich, er war unrasiert und seine Haare standen in alle Richtungen ab. Er trug einen zu weiten Pullover und eine Jogginghose.

Jordan hatte tiefe Augenringe und einen müden Ausdruck. Mein Herz zog sich schmerzhaft zusammen.

"Jordan, ich... ehm..." Mein Kopf war leer. Kein Gedanke, kein Wort, einfach leer. Verzweifelt suchte ich nach einem zusammenhängendem Satz, doch mein Gehirn konnte keine gescheite Wortfolge finden.

"Alles okay?", fragte Jordan und stieß die Tür auf. Ich nickte und betrat das Haus. Mein Herz schlug schnell, als ich an ihm vorbei ging. Sein Duft stieg mir in die Nase und ich beruhigte mich etwas.

"Jordan, ich muss dir was sagen" Ein richtiger Satz, stolz auf mich.

"Wenn du die Freundschaft kündigen willst, dann sag mir das jetzt bitte, damit ich dich gleich wieder raus werfen kann", meinte er kalt.

Autsch, das tat weh.

"Jordan, ich will die Freundschaft beenden. Aber nicht aus dem Grund, aus dem du denkst. Ich bin nicht mehr mit Elina zusammen, weil ich etwas realisiert habe. Und ich kündige die Freundschaft zwischen uns, weil ich es nicht mehr kann. Ich sehe dich und weiß, du bist nicht meines bist. Ich umarme dich und weiß, dass du jede und jeden haben kannst. Ich möchte dich aber nicht abgeben. Ich liebe dich, Jordan. Schon seit der Klassenfahrt. Ich möchte nicht mit dir befreundet sein. Ich möchte dich als meinen Freund haben. Verstehst du? Ich liebe dich. Liebe dich so sehr...", flüsterte ich verzweifelt.

Jordans Gesicht veränderte sich kaum. Seine Augen blinzelten kurz, dann füllten sie sich mit Tränen. Keinen Wimpernschlag später fand ich mich in einer festen Umarmung wieder. Ich war erst überrascht, doch dann erwiderte ich den Kontakt genau so fest. Es tat so gut, dass ich ihn endlich wieder berühren konnte.

Erst jetzt bemerkte ich, wie sehr Jordan mir gefehlt hatte. Widerwillig löste ich mich von ihm und sah ihm in die Augen. Sie tränten. "Patty, ich..."

"Sch, sch, sch. Nicht weinen. Ich bin doch da", hauchte ich und umarmte ihn wieder.

"Patty, ich liebe dich auch", schluchzte er in meinen Hals. Ich bekam eine Gänsehaut. An dieser Stelle war ich immer noch so empfindlich, wie früher.

"Willst du Meins sein?", fragte Jordan leise an meinem Ohr. Ich nickte und nahm sein Gesicht in meine Hände. "Ich will und würde es immer wollen", antwortete ich und näherte mich seinen Lippen.

Der Kuss fing sanft, schüchtern, zurückgehalten an, als würden wir uns neu erkunden. Doch schnell nahm er an Leidenschaft und Liebe zu. Ich legte all meine Sehnsucht, meine Liebe und meine Erleichterung in den Kuss.

Seine Hände fuhren mir über die Schultern zu den Händen und er hielt sie locker in seinen eigenen großen Warmen. Mein Körper pulsierte und mein Herz schlug schnell in meiner Brust. Mein Beine fühlten sich wackelig und unsicher an, meine Haut brannte. Ich konnte nicht fassen, dass ich Jordans Freund war. Es war so unreal.

"Sag mir, woran ich bin, Jordan", bat ich, als ich den Kuss kurz unterbrach.

"Du bist mein Freund, Patty Brown", raunte er gegen meine Lippen, bevor er mich wieder in das Land der Liebe und Freiheit zog. Sein Mund bewegte sich synchron mit meinem.

Ich fülte mich so frei und glücklich. Mein Körper zitterte vor Spannung. Jordan hob mich hoch und ich klammerte mich mit meinen Beinen um seine Hüfte. Keine Sekunde lösten wir unsere Lippen von einander. Es steckten so viele Emotionen und Gefühle in diesen Berührungen.

Erst nach einer Ewigkeit fanden wir uns auf der Couch wieder. Wir kuschelten, ich lag zwischen seinen Beinen, mit dem Gesicht zu Seinem. Er streichelte mir in verschlungenen Mustern über den Rücken. Wäre ich ein Kater, dann hätte ich geschnurrt.

Ich genoss die Zeit mit meinem Freund in vollen Zügen. Seinen warmen Körper an meinem zu spüren machte mich so glücklich. Nach all der Zeit konnte ich Jordan endlich wieder küssen.

Langsam merkte ich, wie sich die Müdigkeit in meine Knochen nieder setzte. Ich legte meine Kopf auf seine Brust und lauschte seinem kräftigen, gleichmäßigem Herzschlag. Meine Augenlider fielen zu und ich entspannte mich vollkommen.

Mom und Elina waren vergessen. Connor und John waren vergessen. Alles war vergessen. Nur noch Jordan und ich waren da.

Mein Freund und ich.

Mit einem Schmunzeln schlief ich schließlich in tiefen Schlaf.

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