Meine Beine zitterten gewaltig. Ich wusste, wenn ich das jetzt verkackte, dann werde ich Ewigkeiten brauchen, um wieder einen guten Eindruck zu machen. Ich meine, erster Eindruck und so. Nervös rieb ich meine Hände aneinander und merkte, dass sie ein wenig schwitzig waren. Ach du Scheiße, wenn ich denen die Hand geben soll, dann fassen sie in ein Meer.

Es war schon lange her, dass ich so nervös gewesen war. Wobei, so lang jetzt auch nicht. Als ich Jordan gesagt hatte, dass ich ihn liebte, war ich auch sehr nervös gewesen. Aber das schlug alles!

Mir wurde schon fast übel und alles um mich herum war zu intensiv für mich. Das Auto schien zu schrumpfen und ich fühlte mich unwohl und panisch. Ich spürte eine beruhigende Hand auf meinem Oberschenkel. Schnell sah ich zu Jordan, welcher mich freundlich und aufmunternd ansah.

"Entspann dich. Sie werden es schon gut aufnehmen. Ich bin mir sicher, mach dir bitte keine Sorgen, sonst fang ich auch noch an mit zweifeln", beruhigte mich Jordan mehr oder weniger.

Ich seufzte und sah wieder aus dem Auto, welches Jordan gerade zu sich fuhr. Den ganzen Samstag war ich schon hibbelig und aufgeregt gewesen, bis Jordan mich abgeholt hatte. Ab genau diesem Augenblick war mir fast schlecht geworden, wegen der Aufregung. Ich wünschte, meine Mutter wäre hier um mich zu beruhigen.

"Hey, das wird schon. Denk nicht so viel nach"

Aber was wenn sie mich nicht mögen? Oder wenn sie Jordans Sexualität nicht akzeptieren? Ich meine, ich habe viel von Obdachlosen oder rausgeworfenen Teenagern und Jugendlichen gehört, die wegen ihrer Homosexualität verstoßen wurden. Falls Jordan das passiert, dann würde ich mich selbst aufhängen, ich würde mich so schlecht fühlen. Jordan liebt seine Eltern, auch wenn er sie kaum sieht, das hat er mir mal gesagt.

Oder was, wenn seine Eltern sich dazu entschlossen haben, ihn zu verheiraten mit einer Frau? Oder wenn-

"Patty, alles wird schon hin hauen. Ich bin mir sicher, sie nehmen es gut auf. Du kannst dich entspannen, sie wissen, dass es etwas für mich wichtiges ist und ich habe sie gebeten, mir bis zum Ende zu zuhören. Sie werden das verstehen"

Ich nickte immer noch entmutigt und streckte die Beine aus. Langsam ließ ich meine Muskeln entspannen und lehnte mich in den Sessel. Es tat gut, sich zu entspannen, doch so wirklich relaxt war ich nicht.

"Du denkst zu viel nach, Patty", sagte ich mir selbst und hörte Jordan leise zustimmen. Dann schwiegen wir wieder, ich weil mir schwindelig war und Jordan, weil er sich auf die Straße konzentrieren musste.

Wir bogen in die Zielgerade ein und kurz darauf kam der Wagen vor dem mir bekannten Haus zum stehen. Jordan parkte auf dem Bürgersteig und drehte den Schlüssel in der Zündung. Der Motor schaltete sich ab und es war still.

"Warum parkst du nicht in der Garage?", fragte ich, um mich etwas von meiner Nervosität abzulenken.

"Mein Dad hat sie besetzt. Sein Firmenwagen ist wichtiger, als mein Auto. Ist okay für mich, der Wagen ist eh sau dreckig", erklärte er mir und wischte über das staubige Armaturenbrett. "Komm, lass uns rein gehen"

Ich nickte und schluckte. Jetzt wurde es ernst.

Ich wollte gerade die Tür öffnen und aussteigen, als Jordan mich zurückzog und schnell küsste. "Das wird schon, keine Angst" Und wieder küsste er mich, dieses mal länger und mit viel Ermutigung.

Beruhigt stieg ich aus dem Fahrzeug und schloss die Tür hinter mir. Dann folgte ich meinem Freund die Auffahrt hoch. Er zog einen glänzenden Schlüssel aus seiner Hosentasche und schloss die Haustür auf. Er ließ mich als erstes das Haus betreten, dann drückte er die Tür zu und schloss das helle Sonnenlicht aus dem Raum.

Ich zog meine Schuhe aus und Jordan folgte meinem Beispiel. Er streichelte mir über den Rücken, bevor wir weiter gingen. "Sie werden das verstehen", flüsterte er in mein Ohr.

Im Wohnzimmer saßen eine junge, braunhaarige Frau mit vollen Lippen und heller Haut und ein Mann mit braunem Haare, dass schon langsam gräulicher wurde. Er hatte eine dunklere Haut und blaue Augen.

"Hallo, Schatz. Wen hast du uns denn da mitgebracht?", fragte die Frau freundlich und stand auf um mir die Hand zu geben. Ich erwiderte ihren festen Händedruck und lächelte sie an.

"Ich bin Patty Brown, Jordan und ich kennen uns von der Schule", stellte ich mich knapp vor. Zum Glück stotterte ich nicht!

"Das ist ja schön! Ich bin Angelina MacAthur und das ist mein Mann Brad. Du kannst ruhig du zu mir sagen, sonst fühle ich mich so alt. Schön dich kennen zu lernen", meinte die Frau und strich über das dunkelbraune Kleid. Brad trug eine normale Jeans und ein Hemd.

"Und du bist dann der Neue, von dem alle am Anfang der Schule gesprochen haben? Es freut mich, dich kennen zu lernen", begrüßte mich der lächelnde Mann und reichte mir ebenfalls die Hand. Seine Hand war warm und sanft. Sie erinnerten mich an Jordans.

"Okay, dann... Wollt ihr was trinken oder so?", fragte Jordan, langsam auch nervös.

Ich schüttelte den Kopf, doch Angelina bat um ein Wasser. Jordan ging los und ließ mich alleine. Angelina und Brad setzten sich und baten mich ebenfalls, Platz zu nehmen. Das Leder der Couch war weich und ich erinnerte mich, das war die Couch, auf der Jordan und ich zusammen gekuschelt hatten, nachdem er mich gefragt hatte, ob ich mit ihm zusammen sein wollte.

"Und, hast du mit der Sache zu tun, die uns Jordan sagen wollte?", fragte der Mann, doch Angelina schlug ihm sanft gegen die Schulter.

"Das ist doch jetzt egal!", schimpfte sie ihn liebevoll. Er sah sie verliebt an und lächelte. Das ist das Ziel einer Beziehung.

Jordan kam in das Zimmer und gab das Glas seiner Mutter. Dann setzte er sich neben mich und es war für einen Augenblick still. Keiner sagte was, Angelina und Brad sahen Jordan und mich erwartend an. Jordan sah auf den Boden und ich sah ihn an.

"Und, was wolltest du uns sagen, Jordan?", fragte Angelina und man hörte die Neugierde sehr deutlich.

Ach du Scheiße, jetzt gibt's kein Zurück mehr!

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