Die Fahrt war langweilig. Ich war richtig froh, als wir endlich an dem Hotel ankamen. Mister Smith teilte die Klasse in die verschiedenen Zimmer ein und sofort war meine Laune wieder am Boden. Ich musste ja mit Patty Brown in ein Zimmer.

Seit dem Nachsitzen hatten wir nicht mehr miteinander gesprochen. Genau das, was ich erreichen wollte. Patty ignorierte mich und ich ignorierte Patty.

Das mit dem Zimmer würde schon hin hauen, wir mussten ja nur in ein und dem selben Raum schlafen, mehr nicht. Hoffentlich.

Als wir nach der Zimmereinteilung mit unseren Koffern zu den jeweiligen Räumen stolperten, rannte ich fast, da ich Erstens Hunger hatte und Zweitens nicht auf Patty treffen wollte.

Doch letzter Wunsch wurde mir nicht gewährt.

Patty öffnete gerade die Zimmertür um den Raum zu betreten.

Ich fluchte leise und zerrte meinen überfüllten Koffer hinter mir her in das Appartement. Es war ein Kleines mit einer Toilette und einem kleinen Schlafzimmer. Nicht mal ein Wohnzimmer oder so.

Ich seufzte und ging weiter. Als ich das Bett sah, stutze ich. Ein Doppelbett. Nicht zwei einzelne, ein Doppelbett! So wie ein Ehebett!

"Oh, nein! Ich schlaf da nicht mit dir drauf!", kommentierte ich und wich einen Schritt zurück. Patty, der auf dem Bett saß und sein Zeug sortierte, blickte von seiner Arbeit auf und sah mich mit einem genervten Blick an.

"Dann schlaf auf dem Boden. Ich werde in dem Bett schlafen.", zischte er mich an.

Warum musste der Typ immer so verdammt schlagfertig und kontrollierter sein als ich.

Ich knurrte und legte meinen Koffer auf dem Bett ab. "Weshalb sollte ich auf dem Boden schlafen?"

"Weil du nicht in dem Bett schlafen willst. Außerdem kannst du nicht alles bekommen.", meinte Patty gleichgültig und legte eine Hose zusammen.

Diese verdammte Gleichgültigkeit machte mich wütend. Er fühlte sich besser als ich.

Bevor ich denken konnte, hatte ich das Bett umrundet und ihn gegen die Wand gepresst.

Im ersten Moment war Patty verwirrt, doch die Emotion wechselte zu schnell einer angepissten Visage.

"Lass mich sofort los", fauchte er mir hasserfüllt ins Gesicht.

"Hör endlich auf, dich besser zu fühlen!", brüllte ich ihn an. Meine Ader pochten an meiner Schläfe und ich drückte Patty's Handgelenke fester gegen die Wand.

"Hör du auf mit dieser Schieße! Wenn du mich noch ein mal anfassen solltest, werde ich dem Lehrer Bescheid sagen", knurrte Patty und sah mir von unten in meine Augen. Seine blaugrauen Augen. Fast silberfarben.

"Und hör auf mich anzuglotzen!"

Ich schreckte zusammen und ließ den Blondschopf los.

"Beherrsche dich", riet Patty mir und ich war mir sicher, eine gewaltige Ladung Abschätzung und Geringweitung war dabei.

Wie ich ihn hasste.

Ich schnaubte und verließ wütend das Zimmer. Mein Hunger war vollkommen vergangen und ich brauchte einfach nur frische Luft. Meine Kehle fühlte sich wie zugeschnürt an.

Ich stolperte die Treppe runter und an John vorbei aus dem Hotel. Die kühle Nachtluft umfing mich.

Ich atmete tief ein und schloss entspannt die Augen. Wie wundervoll die Natur im Frühjahr doch war.

Ich setzte mich auf die Bank vor dem Hotel und lehnte meinen Kopf an. Meine Wut verrauchte langsam und ließ platz für den Hunger. Mein Magen knurrte laut. Ich setzte mich auf und bemerkte, dass es komplett finster war.

Das Licht im Hotel war nur noch ganz dunkel und ich fror.

Schnell stand ich auf und schlenderte die Gänge und Treppen zu meinem Hotelzimmer entlang. Vor der Tür blieb ich stehen. Meine Beine waren plötzlich so unendlich schwer und meine Augenlider fielen fast zu, so müde war ich.

Ich schleppte mich in das Zimmer.

Patty lag schon auf der einen Seite des Bettes und schlief ganz am Rande.

Ich schluckte und nahm einen kleinen Teller auf der anderen Seite wahr. Darauf lagen ein kleines Brötchen und ein Apfel. Ich lächelte und setzte mich auf das Bett. Wahrscheinlich hatte Sam an mich gedacht.

Müde wie ich war, konnte ich mein Abendessen kaum noch runter schlucken und umziehen dauerte bei mir dieses Mal auch um das dreifache länger.

Als ich schließlich doch noch bettfertig war, sah ich auf mein Handy. 1:24 Uhr.

Ich sperrte das Telefon und legte meine Decke auf den Boden. Müde wickelte ich mich ein, doch schlafen konnte ich trotzdem erst nach gefühlten Jahren.

Ich wurde äußerst unsanft geweckt. Jemand stolperte über mich und rammte mir seinen Fuß in den Bauch. Ich verzog das Gesicht und hielt mir den Rumpf.

"Ah!", presste ich hervor und krümmte mich zusammen wie eine Katze.

"Sorry. Das passiert halt, wenn man auf dem Boden schlaft", kommentierte jemand meine Schmerzen.

Ich drehte mich und sah in das genervte Gesicht Patty's. Was wollte der denn hier.

Und auf ein Mal war alles wieder da. Die Klassenfahrt.

Ich stöhnte und setzte mich auf. Patty war schon fertig mit umziehen, aber ich war nur mit einer Boxershorts bekleidet. Ich legte die Decke auf das Bett und machte daran, mich umzuziehen.

Auf Duschen hatte ich gerade keine Lust. Dann putzte ich mir die Zähne und ging schweigend neben Patty zum Frühstück runter.

Er setzte sich an einen leeren Tisch und wartete auf mich. Doch ich machte keine Anstalten, mich neben den zu setzten und mit ihm alleine zu frühstücken. Nein danke.

Ich ging weiter und entdeckte Samuel mit John an einem Tisch sitzen. Beide lachten und aßen ihr Frühstück ziemlich heiter.

Ich ging zu ihnen rüber und fragte mit müder Stimmer: "Kann ich mich zu euch setzten?"

Sam's Lachen ebbte ab und er meinte: "Nein, sorry. Mister Smith hat angeordnet, dass Zimmergenossen zusammen sitzen müssen. Alle miteinander."

Ich seufzte.

"Na ja, egal. Ach, danke Sam, für das Abendessen."

Sam sah mich verwirrt an und meinte dann: "Was für ein Abendessen?"

Dann war er es nicht? Aber wer dann? Patty? Unmöglich!

Ich ging grübelnd zu Patty's Tisch und aß schweigend mein Frühstück. Zwischen uns war eine angespannte Atmosphäre und ich konnte das Essen nicht so wirklich genießen, da Patty mich die ganze Zeit anstarrte.

"Was?", fauchte ich ihn plötzlich wütend an.

"Warum hast du mich an dem Tag, an dem wir Nachsitzen mussten, geküsst?"

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