pfirsich.

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Fuck, endlich. Ich habe lange genug gewartet. Ich atme ihren Duft ein. Sie duftet nach Pfirsich. So lange will ich das hier schon. Seit ich sie das erste Mal gesehen habe. Mit ihm. Ich wusste, sie ist anders, besonders. Ich wollte sie von der ersten Sekunde an.

„So lange..." flüstere ich. Ihre Lippen sind so weich. Sie schmeckt wie süßer Honig. Sie fühlt sich unglaublich gut an. Ich konnte mich nicht länger zurückhalten. Aber ich muss vorsichtig sein. Sie ist so zerbrechlich. Sie hat so viel Schmerz in sich. Ich will ihn ihr nehmen, will dass sie glücklich ist. Mit mir. Fuck. Ich höre mich an wie ein Wohlfahrtsverein. Ich weiß gar nicht, wo das her kommt.

Ich richte mich etwas auf und sehe sie an. Ihre grauen Augen leuchten. Das ist das Leuchten, das mir nicht mehr aus dem Kopf geht, seit ich sie bei meinen Eltern das erste Mal gesehen habe. Mit ihm. In den letzten Tagen waren ihre Augen stumpf. Das Leuchten war dem Schmerz gewichen.

„Raphael, ich...", sie blinzelt schnell. „Ich... wir..., wir sollten nicht", sanft drückt sie ihre kleinen Hände gegen meine Brust. Was? Sie will das nicht? Sie denkt, das war ein Fehler? Fuck. Nein. Ich will sie. Ich hebe ihr Kinn an und sehe ihr in die Augen.

„Ich...", doch ich ersticke ihre sanfte Stimme mit einem Kuss. Mit einem, der so zärtlich ist, dass ich es selbst nicht glauben kann, dass ich zu so etwas fähig bin. Ich fahre mit der anderen Hand an ihrer Taille entlang und ziehe sie an mich. Sie ist so dünn. So dünn. Verdammt, so krank dünn. Ich habe Angst, sie zu verletzten und lockere meinen Griff.

Sie drückt sich sanft an mich. Na also, geht doch. Sie legt ihre kleinen Hände auf meine Oberarme. Ich umarme sie fester, hebe sie etwas hoch und drehe uns. Mein Rücken berührt die kalte Wand. Hannah löst ihre Lippen von meinen und legt ihre Wange auf meine Brust. Ich lege meinen Arm ums sie und drücke sie an mich. Mit der anderen Hand streiche ich ihr über ihre Haare. Sie sind so weich. Ich erinnere mich, als ich ihr gestern die Strähne aus dem Gesicht gestrichen habe. Sie war so verletzt. Auf der Wiese. Ich wusste, dass sie in der Nähe ist. Sie ist wie ein starker Magnet, der mich anzieht. Und ich habe nicht mehr die Kraft, zu Widerstehen. Endlich ist sie hier, bei mir.

„Raphael?" neben uns höre ich Dennis. Was will er jetzt? Sieht er nicht, dass ich beschäftigt bin? Hannah windet sich. Sie möchte weg von mir, doch ich halte sie nur noch fester. Soll Dennis ruhig sehen, dass ich sie im Arm habe. Doch meine Hand nehme ich aus ihrem Haar. So viel Gefühl soll er dann doch wieder nicht sehen.

„Raphael?" er ruft mich nochmal.

„Hier!", ich hebe meinen Arm in die Luft, damit er mich sieht. Seine Augen weiten sich, als er mich entdeckt. Uns entdeckt, sieht, wie Hannah in meinem Arm liegt. Ja, sieh nur genau hin. Sie ist bei mir. Es fühlt sich gut an.

„Wir wollten gehen", sagt er und sieht abwechselnd zu Hannah und zu mir.

„Okay" sagt Hannah und drückt sich von mir ab, doch ich ziehe sie sanft zurück. „Okay" sage ich und gebe ihr einen Kuss auf die Stirn. Ich lasse sie los und wir gehen zu den anderen um die Kinder zu suchen.

Verdammt, das sind so viele. Die meisten der kleinen Scheißer tanzen auf der Tanzfläche. Es ist gar nicht so leicht, alle einzusammeln. Vor allem, weil ich die Hälfte davon nicht mal Erkennen würde. Ich habe mich die letzten Tage davor gedrückt, mich mit ihnen zu beschäftigen.

Ich schleppe ein paar Kinder auf die Wiese und Wilma sortiert die falschen aus. Ich schätze, vier oder fünf würde ich erkennen, aber die stehen schon alle bereit. Während ich weiter die Kinder einsammle halte ich nach Hannah Ausschau, doch ich sehe sie nicht. Für jedes falsche Kind, das ich anschleppe kassiere ich einen schiefen Blick von Wilma.

„Was ist los mit dir? Reiß dich mal zusammen!", schnaubt sie, als ich ein Kind das zweite Mal anschleppe. Ich hätte schwören können, dass der Kleine zu uns gehört. Was will die Ökotante eigentlich von mir? Ich habe mir das hier schließlich nicht ausgesucht. Ich will meine Sozialstunden erledigen. Nicht mehr und nicht weniger. Und ich will Hannah. Verdammt, das ist ein seltsames Gefühl.


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