kraftlos.

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Ich muss mit ihr reden. Jetzt. Ich muss das Notizbuch mitnehmen. Nein. Ich kann nicht. Es ist privat. Oder? Fuck. Ich weiß es nicht.

„Raphael!", Dennis brüllt über die Wiese. Fuck. Ich schiebe das Notizbuch zurück. Ich lege ihr Kissen darüber. Wie kann sie auf so etwas abscheulichem nur schlafen?

„Raphael!", Fuck, warum brüllt er so?

„JA!", brülle ich zurück.

„Komm schnell!", brüllt er und ich stolpere aus dem Zelt.

„Alter, wo bist du?", ich sehe ihn nicht.

Valerie und Wilma sind bei den Kindern. Sie schieben sie wie eine Horde Schafe zum Fluss.

„Hier!", schreit er. Wo ist Hannah? Ich kann sie nicht sehen. Dennis kniet auf der Wiese und winkt hektisch. Hannah. Sie liegt im Gras.

„Hannah!", brülle ich und renne zu ihr.

„Hannah", flüstere ich, als ich bei ihr bin und setze mich neben sie. Ich nehme ihre kalte Hand, berühre ihre Wange.

„Hannah", sage ich nochmal. Sie sieht mich an. Ihre Augen sind glasig, aber sie ist wach. Ein Glück.

„Sie ist umgekippt", sagt Dennis besorgt, „einfach umgekippt. Umgekippt. Einfach so." Er hält ihre Beine nach oben.

„Hannah?", frage ich. Sie ist blass.

„Raphael...", sie atmet tief ein, „mir...mir war nur kurz schwarz vor Augen", flüstert sie.

„Bist du verletzt? Tut dir etwas weh?", frage ich und scanne ihren Körper nach Verletzungen.

„Mir geht es gut. Ehrlich", sagt sie und setzt sich langsam auf. Dennis lässt ihre Beine sinken.

„Nein, Schluss damit Hannah. Dir geht es nicht gut. Du bist umgekippt. Du brauchst einen Arzt!", sage ich lauter als beabsichtigt.

„Nein, bitte kein Arzt", flüstert sie.

„Hannah ich rufe jetzt einen Krankenwagen", sage ich noch einmal und hole mein Handy aus der Hosentasche. Sie legt ihre zitternde Hand auf mein Handy. „Bitte nicht", ihre Stimme bricht, Tränen laufen ihr über die Wangen. Ich ziehe sie an mich, drücke ihren Kopf an meine Brust und küsse sie auf den Scheitel. Ich sehe zu Dennis. Er weicht einen Schritt zurück. Er hat die Hände vor den Mund geschlagen. Er sieht genauso aus, wie ich mich fühle. Was ist das hier für eine Scheiße. Ihr Körper bebt an meiner Brust, sie schluchzt. Ich streiche über ihre Haare, drücke sie an mich. Ich lasse sie weinen und halte sie fest.

„Ich hole ein Glas Wasser", sagt er und rennt los. Sie schluchzt, ihr dünner Körper bebt an meiner Brust. Ich streiche ihr sanft über die Haare. Mein Herz schlägt wie verrückt in meiner Brust.

„Hier", Dennis reicht mir ein Glas Wasser.

„Honey, bitte trink einen Schluck", sage ich und löse mich etwas von ihr. Sie hebt ihren Kopf und ich halte das Glas an ihre Lippen. Sie zittert, doch langsam bekommt sie wieder Farbe. Ein Glück. Sie trinkt einen Schluck und schmiegt sich wieder an mich.

„Ich habe Traubenzucker gefunden", sagt Dennis und wickelt ihn aus der Folie. Mit zittrigen Fingern steckt sie sich den Traubenzucker in den Mund. Mein Herz pocht, ich atme schnell. Ich bin so wütend. So wütend. Auf sie. Wieso tut sie sich diese verdammte Scheiße an?

„Ich werde sie zu einem Arzt fahren", sage ich und Dennis nickt.

„Raphael", flüstert sie. Doch ich will es nicht hören. Ihr geht es nicht gut und ich will ihre Lügen nicht hören.

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