UNSICHER.

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Nachdem uns Dennis versichert hat, dass die Agentur jeden Betreuer genau überprüft, verlässt er uns um die letzten Zelte aufzubauen. Dass die Agentur mich auch nicht überprüft hat, behalte ich erst einmal für mich.

„Was denkste, warum der Sozialstunden machen muss? Glaubste, der is wirklich kriminell?"

Was kann einer angestellt haben, das man ihn dann aber mit Kindern arbeiten lässt?

„Vielleicht hat er etwas geklaut oder ist mit Drogen erwischt worden" „Oder meinste es is' wegen Körperverletzung?"

„Nein", ich schüttle den Kopf. „Dann würde er nicht mit Sozialstunden davon kommen" Oder? Ich bin mir nicht sicher. „Mensch, hoffentlich macht der uns nich' noch Ärger."

Die Schränke und Regale füllen sich langsam. Nur noch ein paar Kisten, dann ist es geschafft. Ich merke, dass ich langsam Hunger bekomme. Mein Magengrummeln erinnert mich an meine Diät. Ich habe heute erst eine Banane gegessen und halte nicht mehr lange durch. Mein Körper verlangt nach Essen. Bald werde ich etwas essen müssen.

„Und hier ist das Zelt, in dem wir essen. Ah, das hier sind Hannah und Valerie. Mädels, das hier ist Wilma". Dennis macht einen Schritt zur Seite und gibt den Blick auf seine Begleitung frei.

Wilma ist ein bisschen kleiner als ich. Sie trägt eine graue Stoffhose, ein weißes T-Shirt und darüber eine rosa Weste ohne Ärmel. Ihre Füße stecken in braunen, offenen Sandalen, mit dicken Riemen. Ihre Haare wurden sicher noch nie gefärbt und ihre Augenbrauen noch nie gezupft. Bio. Ich und muss mir ein Grinsen verkneifen.

„Hallo", ich strecke ihr die Hand entgegen. Ihr Händedruck ist schlaff und feucht.

„Du kannst den beiden helfen, ich baue noch schnell dein Zelt auf" sagt Dennis und verschwindet mit schnellen Schritten.

„Wilma, du kannst den Karton hier ausräumen, dann sind wir fertig" ich deute auf den Karton auf dem Boden.

Valerie und ich sitzen auf einer Bierbank neben der Küche und sortieren klappernd Besteck in die dafür vorgesehenen Körbe. Wilma fängt an, die restlichen Dosen zu stapeln.

„Hannah, haste eigentlich nen Freund?" Kommt es mir nur so vor, oder ist es plötzlich im Zelt ganz still?

„Naja... ich hatte einen Freund. Wir...wir haben uns getrennt" Ich muss blinzeln und merke, wie meine Wangen rot werden.

„Sorry, das wusst' ich nich'" Sie sieht mich mitleidig an. Ich möchte nicht über mich sprechen.

„Du und Dennis – ihr seid glücklich, das sieht man" Ich lächle und sie beginnt zu strahlen. „Ja, wir sin' schon seit drei Jahren zusammen. Ich weiß auch nich, aber er is besonders. Ich bin immer noch verknallt"

„Das sieht man" ich deute auf ihre rosa Wangen und wir prusten los.

„Also ihr habt den Kühlschrank ganz falsch eingeräumt. Wisst ihr nicht, dass das Gemüse ganz nach unten muss?" Wilma hat eine Hand in die Hüfte gestemmt und deutet hinter sich, auf den offenen Kühlschrank. Oha, die Stimmung kippt.

Valerie zieht die Augenbrauen nach oben „Was?" formt sie still mit ihren Lippen. „Das muss ich alles nochmal einräumen. Sonst verderben die Lebensmittel"

„Ja, mach mal. Is wohl besser so. Wir gucken, was Dennis macht".

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