ZUHAUSE.

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Ich sitze ihm gegenüber, an seinem Küchentisch. Unserem Küchentisch. Die Tränen laufen mir über die Wangen. Oleg und Sven sind vor fünf Minuten gegangen. Sie wissen, was los ist ohne dass ich es erzählen muss. Sie wissen, was er mir angetan hat. Sie wissen, dass Raphael der Richtige für mich ist. Und ich weiß es auch. Ich verarzte seine blutende Lippe. Er zuckt kurz, als ich sie desinfiziere.

„Warum hast du das Foto von euch beiden noch in deinem Geldbeutel?", fragt er plötzlich und sieht mich an.

„Welches Foto meinst du?", frage ich.

„Das von Tobi und dir". Von was redet er? Ich habe doch kein Foto von ihm. Ich stehe auf und hole meine Tasche. Ich muss sie dringend ausmisten, sie ist der reinste Saustall. Ich krame meinen roten Geldbeutel heraus und öffne ihn. Hier ist kein Foto.

„Ich weiß nicht, welches Foto", doch da fällt mein Blick auf das zweite Fach. Ich öffne es. Die Karten stecken schief in den Schlitzen. Ich halte die Luft an. Das Foto. Ich grinse mir entgegen. Tobi sieht mich an. Es war mein Lieblingsfoto. Es ist kurz nach der Party entstanden, als er mir sagte, dass er sich in mich verliebt hat. Wir waren in einem Park, es war ein sonniger Tag. Ich kann den warmen Wind auf meiner Haut fast spüren. Der Blumenduft um uns herum war so intensiv, die Sonnenstrahlen heiß auf meiner Haut. Ich liebte den Ausdruck in seinem Gesicht. Es ist unser erstes gemeinsames Foto und das einzige, auf dem er mich je so angesehen hat.

„Hannah?", fragt Raphael.

„Ich wusste nicht, dass es noch hier drin ist", sage ich ehrlich und ziehe es aus dem Fach. Er hat mich nie wieder so angesehen. Es ist vorbei. Er ist nicht der, für den ich ihn gehalten habe. Ich habe mich getäuscht. Er hat mich getäuscht. Ich war so dumm. Als ich Tobi heute gesehen habe, habe ich gemerkt, dass er es nicht wert ist. Ich will bei Raphael sein. Hier bin ich etwas wert, hier gibt es keine Sorgen oder Ängste. Nur uns. Ihn und mich. Wir haben eine Verbindung, die man nicht beschreiben kann. Mit ihm kann ich es schaffen. Mit ihm möchte ich glücklich sein.

„Raphael, es tut mir so leid. Ich wusste nicht, dass ich das Foto noch habe. Ehrlich", sage ich und drehe mich zu ihm. Ich greife nach Raphaels rosarotem Mädchenfeuerzeug und halte die Flamme an das Foto.

„Hannah, das musst du nicht", sagt er. Doch ich will. Ich will nichts mehr von ihm sehen. Nichts mehr von ihm wissen. Ich halte das brennende Foto über den Aschenbecher. Die Flamme färbt Tobis Haare schwarz, das Foto löst sich langsam auf.

Ich sehe ein letztes Mal das Strahlen in meinen Augen und dann lege ich das Foto in den Aschenbecher. Es ist aus. Vorbei.

Meine Augen werden wieder strahlen. Aber nicht wegen Tobi, denn ich will nicht, dass er mich jemals wieder so ansieht.

Ich will gesund und glücklich sein. Mit Raphael. Raphael Russ.


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