GLÜCKLICH.

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Wir haben alle Kinder gefunden und machen uns auf den Heimweg. Es ist kalt. Ich hätte mir einen Pullover mitnehmen sollen. Es ist dunkel, und ich folge dem Schein der Taschenlampe. Raphael geht mit Dennis voraus, ich gehe mit den Kleinsten ein Stück hinter ihnen.

Was war das nur für ein Abend. Er hat mich geküsst. Raphael hat mich geküsst. Ich fühle mich so leicht. Ich kann es noch gar nicht glauben. Das kam alles so plötzlich. Wieso ist er so anders zu mir? Mir gefällt, wie er mich gehalten hat. Er ist so stark. Und ich kann mich an ihn anlehnen. Er ist mir so unendlich vertraut. Vor ein paar Tagen war das noch anders. Zwischen uns ist irgendeine Verbindung. Die Erinnerung an seine dunklen Augen drängt sich in meine Gedanken. Sein Blick, sein Duft.

Ein Glück, dass es dunkel ist, denn ich grinse wie die kleinen Mädchen am Feuer. Hoppla. Ich stolpere über eine Wurzel und kichere. Ich presse mir meine Hand auf den Mund. Doch zu spät. Raphael und Dennis drehen sich bereits zu mir um. Raphael grinst und sagt irgendwas zu Dennis, aber ich verstehe nicht, was es ist. Dennis nickt und Raphael bleibt stehen. Er wartet auf mich. Da ist wieder das Kribbeln. Ich gehe auf ihn zu und bleibe vor ihm stehen.

Die Kinder gehen mit Wilma an uns vorbei. Sie sieht mich im Vorbeigehen mit offenem Mund an. Am liebsten würde ich ihr die Zunge rausstrecken, aber das ist wohl keine gute Idee.

„Wie viel hast du getrunken?" fragt Raphael. Oha, er klingt ernst.

Ich hatte den einen Drink mit Chris. Nein, zwei. Dann noch einen mit Valerie als die anderen die Kinder gesucht haben. Und zum Abschied noch einen Schnaps mit Chris. Oh und noch einen mit Valerie.

„Hannah?" fragt er noch einmal.

„Nich' so viel" Na sowas, meine Zunge ist ja ganz schwer.

„Nich' so viel?", wiederholt er und lacht. „Na komm, du fällst ja noch hin", er legt seinen Arm um mich und wir gehen langsam los. Er ist so groß und stark. Ich schmiege mich an ihn. Es fühlt sich gut an, in seinem Arm zu liegen. So wie vorhin, als er mich gehalten hat. Bei ihm fühle mich sicher und beschützt.

„Hannah?",  flüstert er.  „Hmmm?" brumme ich an seiner Schulter und er bleibt stehen. Er dreht mich zu sich und zieht mich an seine Brust. Er sieht mich an und beugt sich langsam zu mir. Da ist es wieder dieses Kribbeln. Seine Lippen sind ganz nah an meinen. Worauf wartet er? Ich strecke mich, damit ich ihn küssen kann.

„Du bist süß", flüstert er und ich spüre sein Grinsen an meinem Mund. Er ist so sanft. Ich halte mich an seinen Oberarmen fest, damit ich nicht schwanke. Das Plappern der Kinder wird leiser.

„Wir müssen weiter", sagt er und löst seine Lippen von meinen. Er hat mich schon wieder geküsst. Nein, ich habe ihn geküsst. Ach, ich weiß es nicht. Ich kann nicht aufhören zu grinsen. Wir gehen weiter, folgen dem Strahl der Taschenlampe durch die Dunkelheit. Der Strahl hüpft über den Waldweg. Es ist gar nicht so einfach, geradeaus zu gehen. Ich stolpere wieder, doch Raphael hält mich fest im Arm. „Danke" murmle ich. „Du bist ja eine Gefahr für dich selbst", lacht er und drückt mich fester.

„Ich weiß auch nicht wieso ich so viel getrunken habe" ich stolpere wieder und muss kichern. Gehen und gleichzeitig Sprechen ist im Moment wohl keine gute Idee.

„Wenn du nicht besser aufpasst, trage ich dich ins Camp", sagt er und küsst mich auf die Schläfe. Erst jetzt fällt mir auf, dass seine Hand auf meiner Taille liegt. Schnell ziehe ich meinen Bauch ein.

„Oh nein, das würdest du nicht schaffen. Du könntest mich nicht tragen"

„Willst du mich beleidigen, du Fliegengewicht?" fragt er und bleibt stehen.

„Ich", sage ich, doch er hebt mich hoch und wirft mich über seine Schulter. Ich kralle mich in seinen Rücken, kreische und zapple mit den Beinen in der Luft. Er wird sich noch verletzen. Er lacht und setzt mich wieder ab. „Also, geh anständig, sonst trage ich dich." Ich muss mich zusammenreißen. Ich will nicht, dass er mich trägt, dass er merkt, wie schwer ich wirklich bin. Das würde diesen schönen Moment zerstören.

Konzentrier dich, Hannah. Behutsam setze ich einen Schritt vor den anderen. Doch der Weg ist uneben. Es liegen jede Menge Steine im Weg und es gibt so viele Wurzeln. Oh, gerade noch mal gutgegangen. „Kanns' du die Taschenlampe bitte gerade halten?", frage ich.

„Wie soll ich sie gerade halten? Wir gehen schließlich. Da bewegt sie sich eben", sagt er und ich höre, dass er sich über mich lustig macht. „Morgen bekommst du sicher Ärger mit der Moralpolizei", sagt er.

„Ach", sage ich und mache mit der Hand eine Bewegung in der Luft. Sie soll abwertend aussehen, aber ich glaube, das ist mir nicht gelungen. „Wilma kann mich mal", sage ich und er lacht.


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