festgehalten.

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Fuck. Sie checkt es. Ihr dünner Körper bebt bei jedem Schluchzen. Ich halte sie fest. Mir ist schwindlig. Ich bekomme keine Luft. Hannah zittert. Sie hat Angst. Sie ist so zerbrechlich.

„Ich will nicht krank sein", sagt sie wieder. Sie schluchzt so sehr, dass ich sie kaum verstehe. Fuck. Mein Kiefer schmerzt. Sie weint. Ich lasse sie weinen. Was ist das für eine Scheiße. Sie sagt immer das Gleiche. „Ich will nicht krank sein, ich will nicht krank sein, ich will nicht krank sein".

„Keine Angst", flüstere ich, „ich bin bei dir." Verdammt, meine Stimme klingt anders. Tränen laufen über meine Wangen. Was bin ich nur für eine Pussy. Ich ziehe sie auf meinen Schoß. Sie klammert sich an mich. Ich muss an den Wald denken. Wie sie sich wie ein Äffchen an mich geklammert hat. Sie war so unbeschwert. Sie hat so viel gelacht. Ich atme aus. Meine Brust vibriert. Scheiße.

Und jetzt? Jetzt klammert sich wieder an mich. Aber diesmal weil sie krank ist. Weil sie Angst hat. Weil sie mir vertraut. Ich streiche ihr wieder über den Kopf. Langsam beruhigt sie sich.

„Es gibt Beratungsstellen", sage ich, „dort wird man uns helfen".

Sie hebt ihren Kopf und sieht mich an. Ihre Augen sind rot, ihre Wangen nass.

„Uns?" fragt sie. Ich nehme ihren Kopf in meine Hände.

„Uns, Hannah", sage ich. Ich ziehe sie wieder an mich und lege meine Wange auf ihren Scheitel. Wir schaffen das.

„Ich habe Angst", sagt sie. Fuck.

„Ich weiß", flüstere ich und schließe meine Augen. Ich sitze da und halte sie fest.

„Woher weißt du das alles?", fragt sie plötzlich an meiner Brust.

„Ich habe mich informiert", sage ich.

„Warum?", fragt sie und wischt sich mit dem Ärmel über ihre Tränen.

„Weil ich mir Sorgen gemacht habe", sage ich. Sie schluchzt wieder.

„Wir schaffen das. Wenn du möchtest mache ich einen Termin bei einer Beratungsstelle", sage ich. Sie nickt an meiner Brust. What? Das ist noch ein Schritt. Zwei Schritte an einem Tag. Ich kann es nicht glauben. Sie will sich helfen lassen. Ja. Das ist gut. Das ist sehr gut. Aber ich muss vorsichtig sein. Ich darf nicht zu viel erwarten. Heute Nachmittag hat der Typ von der Hotline gesagt, es muss ein Schritt nach dem anderen sein. Und jeder Schritt ist ein Erfolg.

„Komm, Hannah. Setz dich auf die Couch", sage ich. Sie zittert immer noch. Ich küsse sie auf den Scheitel. Sie klettert von meinem Schoß und steht langsam auf.

„Ich mache dir einen Tee", sage ich. Fuck, habe ich überhaupt Tee? Ich führe Hannah zur Couch. Sie rollt sich zusammen. Ich nehme die Decke vom Sessel und lege sie über ihren zitternden Körper. Sie schließt ihre Augen. Ich nehme mein Handy und gehe ich in die Küche. Ich lehne mich gegen die Wand. Sie ist kalt. Ja, sie checkt es. Mein Herz schlägt viel zu schnell. Es pocht in meiner Brust.

Tee. Ich wollte ihr einen Tee machen. Ich fülle den Wasserkocher und schalte ihn an. Ich öffne den Vorratsschrank und krame darin. Ha! Tee. Ich nehme einen Beutel aus der Packung und hänge ihn über den Rand der Tasse. Der Wasserkocher macht einen Höllenlärm. Mein Kopf dröhnt. Mein Handy vibriert in meiner Hosentasche. Ich hole es heraus und tippe auf das Display.

Alles klar? Die SMS ist von Dennis.

Dennis ist echt in Ordnung. Er hat unsere Sachen gepackt und ich hatte Zeit um mit der Hotline zu telefonieren. Der Typ hat mir von den Beratungsstellen erzählt. Ich werde dort anrufen. Und dann werde ich mit ihr hingehen.

sie will zu einer beratung. -R. schreibe ich.

Der Wasserkocher klickt und ich fülle das dampfende Wasser in die Tasse.

Mann, das ist super! Gruß von Valerie!

Ich schiebe das Handy zurück in meine Hosentasche. Leise gehe ich zurück ins Wohnzimmer. Sie hat ihre Augen geschlossen und atmet gleichmäßig. Ihre Wangen sind noch feucht. Wie gerne hätte ich ihr das erspart. Leise stelle ich die Tasse auf den Tisch. Ich nehme meine Zigaretten und hebe die Flyer auf. Ich gehe wieder in die Küche und schließe die Türe hinter mir.

Ich setze mich an den Tisch und zünde mir eine Zigarette an. Ich blättere durch den Flyer und suche die Telefonnummer der Beratungsstelle, von der der Typ gesprochen hat. Ich tippe die Nummer in mein Handy. Es klingelt. Ich ziehe an meiner Zigarette. Eine freundliche Frauenstimme meldet sich.

„Hallo", sage ich, „ich. Also wir. Meine Freundin und ich. Wir hätten gerne einen Termin", sage ich. Fuck, reiß dich zusammen.

„Sie hätten gerne ein Erstgespräch?", fragt die Dame. Was weiß denn ich.

„Ja", sage ich.

„Gerne. Wann passt es Ihnen?", fragt die Dame.

„Morgen?", frage ich. Ich höre sie tippen.

„Um zehn Uhr?", fragt sie.

„Okay", sage ich. Mein Herz klopft schneller.

„Wie ist ihr Name?", fragt sie. Ich will das nicht. Nicht schwarz auf weiß.

„Muss ich ihn nennen?", frage ich.

„Nein, das müssen sie nicht". Sagt sie. Gut.

„Kennen Sie unsere Adresse?", fragt die Dame. Ich blicke zu dem Flyer. Über der Nummer steht sie.

„Ja", sage ich.

„Gut. Wir befinden uns im Erdgeschoss", sagt sie.

„Danke. Bis Morgen", sage ich und lege mein Handy auf den Tisch. Ich zittere. Meine Zigarette liegt im Aschenbecher. Sie ist weitergebrannt und qualmt vor sich hin. Ich tippe gegen die Zigarette. Die Asche fällt ab. Ich nehme einen tiefen Zug. Fuck. Wir haben einen Termin. Morgen. Ich lasse den Rauch aus meiner Lunge. Jetzt wird ihr geholfen. Sie wird gesund. Ich lehne mich zurück. Fuck. Ich habe Angst.


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