unterbrochen.

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„Raphael?", Dennis brüllt noch einmal. Ich stöhne und küsse sie weiter. „Raphael?", er ist verdächtig nahe. Hannah klettert schnell von meinem Schoß und setzt sich neben mich.

„Hier!", ruft sie. Sie soll still sein. Sie ruiniert noch den Moment. Ich habe jetzt keine Lust auf Dennis. Ich beuge mich zu ihr und küsse sie wieder. Sie kichert.

„Hey, äh, da seid ihr ja. Sorry, aber die anderen wollen gehen", sagt er und räuspert sich. Ich zeige ihm den Mittelfinger, aber das kennt er ja schon. Hannah reißt die Augen auf und umklammert meinen Finger. „Nicht!", ruft sie. Ich küsse sie wieder. Sie soll still sein. Es ist doch nichts dabei, wenn ich ihm den Mittelfinger zeige. Sie drückt mich weg.

„Wir kommen mit dir mit", sagt sie und steht auf. Verdammt, dass man hier nie seine Ruhe hat. Die können doch auch ohne uns gehen. Ich stehe auf. Ich lege meine Hand in ihren Nacken und gehe neben ihr zu den anderen.

Valerie wartet bereits mit jeder Menge Schnaps auf uns.

„Zum Abschied", sagt sie und lacht.

Wilma und Helen trinken nichts. Den Quotenspießer muss es ja überall geben. Ich nehme mein Glas und stoße mit den anderen an. Es ist wieder diese schreckliche Lakritzplörre.

„Bäääh", schreit Hannah neben mir und knallt das Glas auf den Tisch. Sie zieht eine Grimasse und schüttelt sich. Ich verschlucke mich fast vor Lachen. Sie lacht mit und wischt sich mit dem Ärmel über den Mund. Ihre grauen Augen funkeln, sie strahlt. Sie ist wunderschön. Ich ziehe sie zu mir, sie prallt mit der Schulter gegen meine Brust und kichert. Ich umfasse ihre dünne Taille, ziehe sie vor mich. Sie lehnt sich mit dem Rücken an mich. Ich lege meine Arme um sie und streiche über ihren dünnen Bauch.

„Noch einen?", frag Valerie.

„Noch einen!", grölen Dennis und Chris im Chor. Hannah nickt und ich halte Valerie mein Glas hin. Klirrend stoßen wir an, der Schnaps schwappt über die Gläser. Dieser Schnaps ist die Hölle. Hannah quiekt und schüttelt sich an mir, Valerie verzieht das Gesicht.

„Kommt ihr?", Wilma steht vor uns und stemmt die Hände in die Hüften.

„Yap!", schreit Valerie.

„Dann lass uns mal alle einsammeln", sagt Dennis und schlägt Chris auf den Rücken.

Ich beuge mich zu Hannah herunter. Mit meiner Nase streiche ich über ihr Ohr. „Komm, wir müssen helfen", sagt sie langsam. „Müssen wir?", frage ich und knabbere an ihrem Ohrläppchen. „Mmhmm", murmelt sie. Sie drückt sich an mich. Ich schiebe ihr Shirt etwas nach oben, berühre ihren dünnen Bauch. „Raphael...wir", seufzt sie. „Hmmm?", brumme ich an ihrem Hals. Ich spüre ihre Gänsehaut. „Wir sollten...den anderen helfen", flüstert sie.

Ich drehe sie zu mir und sehe sie an. „Sicher?", frage ich so nah an ihrem Mund, dass sie meinen Atem spüren kann. „Mmhhm" murmelt sie wieder. Ihr Murmeln vibriert an meinen Lippen. „Okay", flüstere ich und hebe mir den Rest für später auf.

Ich suche alles nach den kleinen Scheißern ab. Das kommt mir so bekannt vor. Doch diesmal erkenne ich schon ein paar mehr. Ich finde das Mädchen, mit dem ich gemalt habe. Und ich entdecke den kleinen Jungen, dem Hannah den Kuss auf die Wange gedrückt hat. Ich schleife sie zu Wilma.

„Schön, dass du auch noch hilfst", sagt sie.

„Schön, dass mir scheißegal ist, wie du das findest", sage ich.

„Du hast Scheiße gesagt!", schreit ein Mädchen laut. Fuck. Naja, jetzt ist es nicht mehr zu ändern. Die Eltern werden denken, sie haben es von unserem Cowboy aufgeschnappt.

„Äh, Raphael?", fragt Wilma und schürzt die Lippen.

„Was?", knurre ich.

„Das sind unsere Kinder. Die gehören in unser Camp", sagt sie und deutet auf meine Ausbeute. Fuck. Stimmt ja.

„Schei...", doch Wilma reißt die Augen auf und ich bleibe still.

„Jetzt sind ohnehin alle Kinder hier", sagt sie, „du brauchst nicht mehr helfen". Gut, dann wäre das ja geklärt. Hannah verabschiedet sich quietschend von Helen. Das Weiber immer so einen Aufstand machen müssen. Jetzt kennen sie sich seit ein paar Stunden und schon schreien sie. Helen reicht mir die Hand.

„Viel Spaß noch", sage ich und zwinkere ihr zu. Sie wird rot und sieht zu Daniel. Daniel hat echt Glück, dass er so eine Schönheit abbekommen hat. Vielleicht tut ihr die frische Luft nicht gut und sie kann wieder klar denken, wenn sie Zuhaue ist. Doch Daniel ist in Ordnung. Ich wünsche ihm, dass sie ihm nicht wegläuft.

Chris reißt seinen Arm in die Luft, als er vor mir steht. Ich schlage ein, damit ich mit Hannah nicht diskutieren muss wieso er mir auf die Nerven geht.

„Bis dann", sagt er. Was für ein dämlicher Spruch. Ich sage nichts, denn ich will nicht, dass Hannah wieder sauer ist.

„Es war so schön, dich Kennenzulernen!", flötet Hannah und fällt ihm um den Hals. Habe ich was verpasst?

„Ja, das finde ich auch", lacht er, „ich hoffe, wir sehen uns bald wieder." Oh, das hoffe ich nicht für dich und jetzt nimm deine Hände von ihr. Ich stelle mich neben sie und sehe ihn an. Sofort lässt er sie los. Aha, langsam wittert er Gefahr. Guter Junge. Wird doch. Ich schiebe meine Hände in die Hosentaschen. Hannah lehnt sich gegen mich und winkt zum Abschied.

Ha! Da ist er wieder, der kleine Junge. "Hey, der gehört zu uns!", rufe ich und deute auf den Jungen. „Äh, nein", sagt Helen und schiebt ihn zu den anderen. Ich hätte es schwören können. Schon letztes Mal haben alle behauptet, dass er in das andere Camp gehört. Jetzt ist unser verlorener Mann wieder zurück und sie nehmen ihn wieder mit? So eine Scheiße.


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