Damien

By fsworld

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Zehn Monate war er weg ohne eine Nachricht. Tessa Jenkins hat sich nach Monaten des Kummers und Schmerzes dam... More

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Epilog
Danksagung

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By fsworld

„Lia!", schrie ich durch den Flur, als ich sie an ihrem Spind entdeckte. Sie drehte sich lächelnd zu mir um und winkte. Ich rannte schnell auf sie zu und blieb erschöpft vor ihr stehen. Ich sollte echt mehr Sport machen.

„Was ist denn mit dir passiert?", fragte sie neugierig und zeigte dabei auf den riesigen Fleck auf meinem Pullover. Ich blickte an mir runter und stöhnte genervt auf.

„Ist eben in Kunst passiert. Hab das Dreckswasser beim Malen umgekippt."

Lia kicherte sofort los „Du bist also im Unterricht nicht nur feucht, sondern gleich nass geworden, was?"

Ich schlug ihr gegen den Arm, musste aber auch lachen. „Also, was bringt dich dazu meinen Namen so dramatisch durch den Flur zu schreien?", erkundigte sie sich, als ich mich wieder etwas beruhigt hatte. Ich atmete einmal tief durch und erzählte ihr dann, was eben mit Logan passiert war.

„Bitte was? Du hast Logan deine Freundschaft angeboten?", fragte sie mich geschockt, nachdem ich zu Ende gesprochen hatte. Ich nickte vorsichtig, weil ich Angst hatte, dass Lia jeden Moment auf mich einschlagen würde. Ihren zusammengezogenen Augenbrauen und der entsetzten Miene nach zu urteilen, fehlte da nicht mehr viel.

„Hast du am Blitz geleckt oder was? Sag mal, hörst du dir eigentlich zu? Logan hat dich betrogen! Da kannst du ihm doch nicht deine Freundschaft anbieten, wenn er eigentlich um Vergebung betteln sollte, Tessa!"

Lia sah mich weiterhin entgeistert an, was ich auch mehr oder weniger nachvollziehen konnte. Dennoch konnte ich daran jetzt auch nichts mehr ändern und ich war ja auch nicht wirklich sauer auf Logan.

„Komm schon, Lia. Damien war auch nicht gerade ein Engel und trotzdem willst du, dass wir sogar mehr als nur Freunde sind", sagte ich und verschränkte meine Arme trotzig.

„Aber bei Damien ist es was anderes."

Ich schaute sie verwundert an. „Ach ja?"

„Damien und du liebt euch gegenseitig. Und ihr konntet euch glücklich machen. Deshalb will ich auch unbedingt, dass ihr wieder zusammen kommt. Du warst immer am glücklichsten, wenn du mit ihm warst und ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du eben dieses Glück wieder findest."

Für einen Moment war ich sprachlos. Lias Worte berührten mich sehr und einen Augenblick später lächelte ich ihr dankbar zu und umarmte sie stürmisch.

„Du bist echt die beste Freundin, die man sich wünschen kann."

Ich konnte Lias Kichern an meinem Ohr hören. „Das weiß ich doch schon längst."

„Krieg ich auch 'ne Umarmung?", fragte plötzlich eine Stimme hinter mir. Lia und ich drehten uns zu der Person um und erblickten Damien, der mit ausgebreiteten Armen vor uns stand und uns angrinste. Ich schüttelte leicht amüsiert meinen Kopf und machte mich wortlos auf zu meinem Spind, da ich sonst noch seiner Bitte nachgegangen wäre und ihn wahrscheinlich gar nicht mehr losgelassen hätte. Aber ich musste mich unbedingt an meinen Vorsatz halten.

Was ziemlich schwer werden würde, weil Damien mir jetzt folgte.

„Ich warte noch immer auf die Entschuldigung für Kunst gerade", schmunzelte er und spielte an einer meiner dunklen Haarsträhnen.

Ich schlug seine Hand weg und warf ihm einen funkelnden Blick über die Schulter zu.

„Und ich warte noch immer auf eine Entschuldigung für dein Verschwinden."

„Wow, so schlagfertig." Ein kleiner Muskeln zuckte um seine Lippen herum und verriet sein Vergnügen an unserem kleinen Schlagabtausch.

Ich ignorierte ihn so gut ich konnte, aber das war ziemlich schwer, wenn er wieder nach meinem Haar griff und eine Strähne um seinen Finger lockte.

Das hatte er früher oft getan. Vor allem als wir zusammen im Bett gelegen haben. Ich schloss für einen Augenblick die Augen. Wieso konnte ich nicht einfach wütend auf ihn sein?

Ich öffnete schnell meinen Spind, um mich auf irgendwas anderes zu konzentrieren als auf ihn. Auf seine unverkennbare Präsens hinter mir. Das leichte Ziehen, das mir sagte, dass er noch immer mit meinen Haaren spielte und seinen Geruch, der meine Sinne benebelte.

Die Klingel holte mich schlagartig wieder in die Realität zurück.

„Du solltest zu deinem nächsten Kurs", sagte ich, ohne mich zu ihm umzudrehen. Ich hörte ihn leise kichern und unterdrückte das flattern in meinem Bauch.

Damien löste seine Finger aus meinem Haar, strich sie mir ordentlich aus dem Gesicht und wandte sich schließlich ab.

„Bis später, Tessa", hörte ich ihn noch rufen, was mich wieder an unser Treffen erinnerte.

Das Treffen, bei dem wir ganz allein sein würden. Nur wir beide. Mich an meinen Vorsatz zu halten würde wahrscheinlich schwieriger werden als gedacht...

Ich holte schnell meine Bücher für die nächste Stunde raus, knallte fester als beabsichtigt meine Spindtür zu und eilte zu meinem nächsten Kurs. Die anderen taten es mir wohl gleich, denn als ich zurückblickte sah ich nur noch wie sie um die Ecke bogen und sich zu ihren Klassen aufmachten.

---

Dieser Schultag zog sich wie Kaugummi, aber schließlich ertönte auch hier endlich mal die Schulglocke und ich machte mich schnell auf zum Parkplatz, wo Damien mich abholen wollte. Ich war aufgeregt und hatte ehrlich gesagt auch etwas Angst. Wenn wir alleine waren, könnte sonst was passieren. Da gab es niemanden, der uns dazwischen kommen konnte oder mich daran hindern würde ihm hoffnungslos zu erliegen. Ich würde alles auf meine Widerstandskraft setzen müssen, obwohl auch die, wenn es um ihn ging, schon anfing zu bröckeln.

Als ich auf dem Parkplatz stand und mich umschaute konnte ich Damien vor seinem Auto warten sehen. Ich beeilte mich dorthin und nickte ihm kurz zur Begrüßung zu, bevor ich mich in den Wagen setzte und darauf wartete, dass auch er einstieg. Je schneller wir das hinter uns hatten, desto geringer war die Chance, dass ich ihm meine bedingungslose Liebe schwor. Vorausgesetzt er lieferte mir keine unheimlich gute Erklärung, die sein zehnmonatiges Verschwinden entschuldigte.

Damien setzte sich kurz darauf ans Steuer, schnallte sich an, nachdem er mich darauf aufmerksam gemacht hatte, den Sicherheitsgurt anzulegen und fuhr dann schließlich los.

Die ersten paar Minuten herrschte komplette Stille im Auto, was es sehr unangenehm machte. Ich traute mich aber nicht zu reden und wüsste auch gar nicht worüber überhaupt. Also entschied ich mich einfach zu schweigen und die vorbeiziehende Landschaft zu betrachten.

Die unangenehme Stille wurde plötzlich von dem lauten Knurren meines Magens unterbrochen, was mich peinlich berührt meine Hände über meinen Bauch verschränken ließ.

Ich sah vorsichtig zu Damien rüber, der mir ebenfalls einen Seitenblick zu warf und amüsiert schmunzelte. In meiner Bauchgegend fing es an zu kribbeln, was aber nichts mit meinem Hunger zu tun hatte, wie ich bemerkte.

„Keine Sorge, wir können bei mir noch schnell was zusammen kochen", sagte er und ich konnte die Heiterkeit in seiner Stimme hören.

Ich nickte ihm immer noch peinlich berührt zu. „Das wäre nett."

Er warf mir einen erneuten Seitenblick zu und sah mir direkt in die Augen, was meinen Puls sich beschleunigen ließ.

Sein Blick war so fesselnd. Fast schon hypnotisierend. Er hielt den Augenkontakt für einige Sekunden und senkte dann seinen Blick auf meine Lippen. Wie automatisch öffneten sie sich einen Spalt breit und auch mein Blick fiel jetzt auf seine Lippen, die ebenfalls leicht geöffnet waren.

Seine hellrosanen, leicht geschwungenen, vollen Lippen zogen meinen Blick magisch an und einfach nur der bloße Gedanke ihn zu küssen bewirkte, dass sich meine Körpermitte in freudiger Erwartung zusammenzog.

Damien löste seinen Blick von meinem Mund und richtete ihn wieder auf meine Augen. Ich konnte mich jedoch nicht dazu überwinden meinen Blick von seinen Lippen lösen. Als er sich wegdrehte und sich wieder auf die Straße konzentrierte, sah ich wie er sich kurz auf seine Lippen biss und sich sein Mund zu einem Lächeln verzog. Erst da realisierte ich, dass ich ihn schon viel zu lange anstarrte und er es auch noch bemerkt hatte. War ja auch nicht zu übersehen, wie ich fast schon sabbernd an seinen Lippen hing.

Ich spürte, wie mir die Schamröte in die Wangen schoss und als ob das nicht schon peinlich genug war, fing mein Bauch wieder an zu grummeln.

„Verdammt, halt doch mal die Klappe! Du kriegst schon noch was zu essen", brabbelte ich vor mich hin und auch wenn ich Damien neben mir Lachen hörte, wollte ich es nicht riskieren noch einen Blick auf ihn zu werfen.

Ich räusperte mich einmal kurz, drehte mich dann in die andere Richtung und betrachtete einfach weiter die Gegend an der wie vorbei fuhren. Die restliche Fahrt vollzogen wir weiter im Schweigen.

Ich merkte, wie die Gegenden an denen wir vor bei fuhren immer nobler wurden und einige Zeit später parkte Damien auch schon seinen Wagen vor einem teuer aussehendem Haus und wir stiegen aus.

Das Haus vor dem wir standen war riesig und ähnelte mehr einer Villa als einem gewöhnlichen Haus. Damiens Eltern waren die Gründer und Geschäftsführer eines der größten Unternehmen und somit mangelte es ihnen auch nicht an Geld.

Wir gingen auf die Haustür zu und Damien schloss sie auf. Sobald wir eintraten staunte ich voller Bewunderung, als ich mich umsah. Ich bin zwar schon oft bei ihm gewesen, aber dennoch verschlug es mir jedes Mal die Sprache, wenn ich mir die riesige Eingangshalle, die hohen Decken und die lange Treppe ansah.

Damien machte sich auf den Weg in die Küche, weshalb ich aufhörte alles zu bestaunen und mich beeilte zu ihm aufzuholen. Ich war echt hungrig und brauchte jetzt was zu Essen. Außerdem war ich ja nicht grundlos hier.

Sobald wir in der Küche waren, fing Damien auch schon an einen Topf mit Wasser voll laufen zu lassen und kochte es dann auf. Er holte eine Packung Nudeln aus einem der vielen Schränke und stellte sie neben dem Herd ab. Dann drehte er sich zu mir um und ein schiefes Lächeln lag auf seinen Lippen, als er mich betrachtete.

„Solange das Wasser kocht, kann ich dir gerne einen Pulli von mir besorgen. Dann musst du nicht mit deinem schmutzigen rumlaufen."

Ich sah an mir runter und betrachtete den riesigen Fleck, der mittlerweile zwar trocken, aber dennoch nicht schön anzusehen war.

„Komm mit", wies er mich an, bevor ich überhaupt auf sein Angebot eingehen konnte, und ging die lange Treppe hoch. Oben angekommen bog er in einen Flur rein und öffnete die Tür, die zu seinem Zimmer führte.

Ich trat ein und schaute mich auch hier noch einmal neugierig um. Obwohl ich solange nicht hier war, hatte sich sein Zimmer kein bisschen verändert.

Er hatte ein großes Zimmer mit einer riesigen Fensterfront, durch die man einen guten Blick auf den Pool und der dahinter liegenden Landschaft hatte. Sein King Size Bett stand an der Wand gegenüber der Fenster und ermöglichte ihm die schönsten Sonnenauf- und -untergänge zu bewundern. Vor ein paar Monaten noch, lagen wir Arm in Arm in seinem Bett und haben diese schönen Momente zusammen erleben können.

Die Erinnerung daran schmerzte etwas, ließ mich aber trotzdem leicht Lächeln. Damals als noch alles perfekt war. Ich seufzte laut auf bei dem Gedanken an früher und bekam von Damien, der im Türrahmen stand und mich beobachtete, einen neugierigen Blick zugeworfen.

„Woran denkst du, Tessa?", seine Stimme klang etwas tiefer als sonst und seine Augen waren so sehr auf mich fixiert, dass ich das Gefühl bekam von seinem Blick regelrecht durchbohrt zu werden.

Ich wurde bei seinem durchringenden Blick nervös und schaute überall hin, um ja nicht seinem Blick zu begegnen. Denn wenn ich ihn anschaute, wollte ich ihm all meine Gedanken und Wünsche offenbaren. Aber wenn ich meinen Vorsatz geltend machen wollte, war das eher kontraproduktiv.

Damien legte seinen Kopf schief und trat vom Türrahmen weg. Sobald er im Zimmer war schloss er langsam die Tür hinter sich. Meine Augen weiteten sich bei dem Klick Geräusch, das dabei entstand und blickten dann nervös zu ihm auf, der seine Augen keine Sekunde von mir genommen hatte.

Langsam, als wäre ich seine Beute und er der Jäger, kam er auf mich zu und ließ seinen Blick von oben bis unten über mich gleiten. Mein Herzschlag verdreifachte sich und ich spürte ein stetiges Pulsieren, von dem ich nicht wusste ob es nur mein Herzschlag war oder meine Aufregung, die bei Damiens Anblick ins unermessliche stieg.

„Was wird das?", fragte ich mit zittriger Stimme und schluckte teils ängstlich, teils aufgeregt. Er öffnete seinen Mund einen Spalt und fuhr sich leicht mit der Zunge über die Lippen, was bei mir ein sinnliches Ziehen im Unterleib verursachte. Seine Augen schienen dunkler zu werden und so wie er gerade auf mich zu kam, sah er attraktiver aus als je zuvor.

„Wirst schon sehen", hauchte er mir mit rauchiger Stimme verführerisch zu und ließ mich erschaudern.

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