Ein erschütterndes Ereignis

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Am Weihnachtstag erwachte ich erst spät, es ging schon auf den Mittag zu, aber ich hatte erst in den frühen Morgenstunden schlaf gefunden. Die halbe Nacht über hatte ich mich stöhnend in dem riesigen, weichen Himmelbett hin und her gewälzt, weil meine Gedanken einfach nicht zur Ruhe kommen wollten. Die Sonne stand schon hoch am Horizont, und ihr Licht reflektierte sich gleißend und hell in der weißen Schneelandschaft. Meine Fenster waren an einigen Stellen trotz des Sonnenscheines noch vereist und nebelig, doch ich kratze mit den Fingern ein kleines Loch frei, um nach draußen auf verschneiten Parkanlagen hinabschauen zu können. Nach einigen Minuten wandte ich mich seufzend ab. Meine Füße waren eiskalt. Nietzsche schuhute leise in seinem Käfig und nach einem kurzen Schnabelklackern plusterte er sich auf und sah mich aus großen bernsteinfarbenen Augen fragend an. Ich fischte einen Eulenkeks aus der Packung und warf ihn durch die Gitterstäbe, aber meine Eule öffnete nur träge ein Auge und steckte den Kopf wieder unter den Flügel.

Erneut seufzend öffnete ich meine Zimmertür und machte mich auf den Weg ins Badezimmer am Ende des Flurs. Zur Feier des Tages band mir eine dunkelgrüne Schleife ins Haar und zwängte mich in eines von meinen Festtagskleidern. Die große, dunkle Standuhr unten im Treppenhaus schlug bereits halb zwölf, als ich endlich die letzte Treppenstufe hinunterhüpfte und die Tür zum Esszimmer aufstieß. Der Blondschopf meines Bruders lugte aus einem der braunen Lehnsessel hervor, in denen sonst mein Vater Platz zunehmen pflegte. Verwundert sah ich mich um. Bis auf Draco und mich war der Saal vollkommen leer.

Zögernd ließ ich mich in den Sessel gegenüber dem meines Bruders fallen. „Wo sind denn alle hin?", fragte ich erstaunt.

Draco hob nicht einmal den Kopf, sondern gab weiterhin vor in das große, schwarze Buch, das er in den Händen hielt, vertieft zu sein. „Spazieren", nuschelte er nur und runzelte beim Lesen leicht die Stirn.

„Spazieren?"

„Jaah", sagte Draco gedehnt. „Habe ich dir doch gerade gesagt. Großvater schien sich nicht recht wohl zu fühlen und dann hat Mutter eben vorgeschlagen, ein wenig an die frische Luft zu gehen."

Meine Laune besserte sich schlagartig. „Oh fein", sagte ich grinsend und zog Draco das Buch aus den Händen. „Was sitzt du dann rum und brütest über diesem Wälzer?"

Draco verdrehte genervt die Augen. „Gib mir mein Buch wieder", sagte er gelangweilt.

Mit einem süffisanten Grinsen erhob ich mich aus dem Sessel und warf Draco das Buch schwungvoll zu. „Dann eben nicht." Mit blasierter Miene wandte sich mein Bruder ab und vergrub sich wieder hinter seinem Buch. Missmutig sah ich mich in dem leeren Speisesaal um und mit einem Mal witterte ich meine Chance.

Hastig sprang ich auf. Ohne mich noch einmal umzudrehen lief mit zügigen Schritten wieder die Treppe hinauf. „Du gibst aber schnell auf", hörte ich noch Dracos höhnische Stimme hinter mir, aber ich hatte schon den Treppenabsatz erreicht. Zielstrebig lief ich durch den breiten Korridor und bog in einen kleineren Gang zu meiner Linken ab. Nach einigen Minuten erreichte ich endlich das Studierzimmer meines Vaters. Ohne zu zögern riss ich die Tür auf und lief zu seinem Schreibtisch herüber. Ich zog die oberste Schublade heraus und begann nervös ihren Inhalt zu durchwühlen, doch ich fand nichts außer irgendwelchen Geschäftspapieren.

Mit leicht klopfendem Herzen drehte ich mich zur anderen Seite des alten Sekretärs und versuchte, die Schublade direkt unterhalb der Tischplatte zu öffnen. Sie ließ sich nur mühsam öffnen. Fahrig schob ich einen Stoß unbeschriebenes Briefpapier beiseite und- Ich erkannte das dicke, teure Pergament sofort wieder. Rasch atmend zog ich den Brief, den mein Vater gestern Nacht noch an sich gedrückt hatte wie einen kostbaren Schatz aus der Schublade. Meine Finger zitterten, als ich vorsichtig begann, das Pergament zu entfalten. Nun würde ich endlich erfahren, was mein Vater so geschickt vor mir zu verstecken versuchte, und warum der Dunkle Lord-

Isabella Malfoy - You may know my name, but not my story.Lies diese Geschichte KOSTENLOS!