Der Brief

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VORAB: Hallo und willkommen zu meiner FanFiktion. Ich hoffe, ihr habt viel Spaß beim Lesen. Ich werde regelmäßig updaten. Ich würde mich wahsinnig freuen, wenn ihr mir einen Kommentar o.Ä. hinterlasst. :)


Den Kopf auf die ineinander gefalteten, schmalen Hände gestützt, die so blass wie Elfenbein waren und im schummrigen Licht wie Perlmutt strahlten, starrte ich stumm durch meine hohen Zimmerfenster in den indigoblauen Himmel hinaus und fühlte dabei nichts als unendliche Leere. Malfoy Manor lag im Schatten der Dämmerung und der erste Zipfel der nahenden Nacht schlang sich wie ein Schleier aus dunkelblauer Seide um die reichverzierten Giebel des adeligen Herrenhauses. Die hohen, dunklen Buchsbaumhecken umschlossen mein Gefängnis wie steinerne Mauern und schirmten die Bewohner des Manors vor neugierigen Blicken ab. Mein Blick floh in die Ferne, weit, weit, über die Hecke hinaus, den breiten Kiesweg entlang und bis hin zu den gewaltigen Grünanlagen, deren frischgemähtes Gras sich nicht einen Hauch in der Abenddämmerung bog, sondern aufrecht stand, wie als wären die Halme aus Stahl gemeißelt.

Mein Blick flog weiter, bis zum Horizont, an dem noch der letzte, blutrote Hauch der Abendsonne hing und die umliegenden Felder und Wiesen in weiches, goldenes Licht tauchte. Dort blieb mein Blick. Bei den sanft wogenden, hohen Gräsern, dem wilden roten Klatschmohn, dessen Triebe noch geschlossen waren und der Sonne, die so weit entfernt lag, wie ich nun gerne wäre. Das beklommene Gefühl in meiner Magengegend wuchs von Minute zu Minute. Schließlich zwang ich mich, den Blick abzuwenden und erst jetzt fiel mir auf, wie dunkel es in meinem Zimmer geworden war.

Seit Stunden hatte ich dort auf meinem Platz am Fenster gesessen, vor dem breiten Erker, und in die Ferne gestarrt. Doch jetzt lag der Schleier der Nacht über meinem stillen, majestätischen Zimmer. Der dunkle Schreibtisch aus Kirschholz schien mich vorwurfsvoll aus der Ecke neben dem kleinen Seitenfenster heraus anzustarren, nur die einzelne, weiße Schwanenfeder in ihrer goldenen Halterung glühte wie Weißkohle in einem Kamin, dessen Flamme auszugehen drohte. Die dicken, goldgeprägten Exemplare über Mondstudien, in denen ich in den letzten Ferien noch begeistert und fasziniert meine Nase vergraben hatte, lagen seit jeher unberührt neben der schönen Feder in ihrer Halterung und eine dünne Staubschicht bedeckte bereits den nachtblauen Einband des obersten Exemplars.

Mein Bett, viel zu groß für ein Mädchen meiner Statur, mit Laken so weiß wie Schnee und Kissen in duftendem Waldgrün, der Farbe Slytherins, wirkte genauso stumm wie mein Schreibtisch, hatte es doch sonst so einladend gewirkt, mit seinen hohen Bettpfosten aus Mahagoni und den feinen, handgeschnitzten Verschnörkelungen, doch jetzt wirkte es kalt und leer. Selbst die hellen Vorhänge und die Fensterrahmen schwiegen mir entgegen. Es war so fruchtbar still. So still im Vergleich zu dem Donnerwetter, das gleich folgen würde, sobald mein Vater über die Türschwelle seines Hauses treten würde, sich in dem langen, dunklen Flur von Gehstock und Reiseumhang befreien würde, um mit langen, festen Schritten den Salon zu betreten, meiner Mutter einen kalten Kuss auf die Wange zu hauchen und schließlich auf das stoßen, was mein Leben, wie ich es bisher immer gekannt hatte, beenden würde. Dieser kleine, weiße Brief, in ein unschuldiges, cremefarbenes Covert gewickelt... Bloß mit dunkelgrüner Tinte beschriebenes, dickes Pergament...

Meine Anwesenheit im Manor, außerhalb der Ferien, dann würde seine kalten, grauen Augen mit Erkenntnis füllen, nur um Sekunden später glühender, prasselnder Wut platzzumachen. Ich merkte, wie ich, ohne es zu wollen, zu zittern begann. Am ganzen Körper. Jede Faser dessen schien von einer frostigen Kälte umschlossen zu werden und mich in ein imaginäres Schneegestöber einzuschließen. Noch nie, nicht in meinem ganzen Leben, hatte ich meine Eltern jemals so sehr enttäuscht. Benommen fuhr ich mir mit der Hand durch mein langes, blondes Haar und schloss für einen Moment die brennenden Augen.

Isabella Malfoy - You may know my name, but not my story.Lies diese Geschichte KOSTENLOS!