F O R T Y - O N E

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Mit zusammengekniffenen Augen lief ich im Schatten von Milo und wartete endlich auf eine Erklärung

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Mit zusammengekniffenen Augen lief ich im Schatten von Milo und wartete endlich auf eine Erklärung.

Warum zum Teufel musste er mich so früh aus den Federn holen?

Ich hatte die ganze Nacht schlecht geschlafen, was einerseits an Auroras Tod und meinen Gedanken lag, und andererseits wollte ich nach dem ersten Mal, als Damian schweißgebadet erwachte, selbst kein Auge mehr zudrücken, da ich sichergehen wollte, dass er auch wirklich schlief.

"Da Dad und Damian noch schlafen und irgendjemand das machen muss, dachte ich mir, dass wir beide das jetzt machen würden."

Milo schnallte sich an und startete seinen Rover. "Und das wäre?" Ich tat es ihm gleich und rieb mir meine Augen. Es war 7 Uhr morgens und im Gegensatz zu mir war die Stadt schon voll im Gange.

"Wir müssen ins Krankenhaus..." Der Braunhaarige gähnte und bog scharf nach links ab. "Es gibt noch ein paar Dinge zu klären, was meine Mutter angeht und... und ehrlich gesagt wollte ich da nicht allein hin."

Er drehte seinen Kopf in meine Richtung und sah mich entschuldigend an. Darüber konnte ich mich nicht aufregen. Ich verstand es und würde ihm den Gefallen auch tun. "Dad war gestern einfach herausgestürmt und darum müssen wir heute ihre Sachen holen und ein paar unnötige Papiere unterschreiben."

Milos Stimme war angeschlagen, was nicht nur daran lag, dass es früh war, sondern selbstverständlich auch, weil es sich hier um seine verstorbene Mutter handelte.

Schweigen.

Wir beide waren am Schweigen. Jeder war in seinen eigenen Gedanken vertieft und ich versuchte zugleich aufkommende Tränen zu unterdrücken. Nur der kleinste Gedanke an Aurora ließ meine Tränenkanäle aufspringen.

Realisiert hatte ich es bereits, nur konnte mein Körper es nicht wirklich verarbeiten und darum kamen immer so unterschiedliche Trauerschübe, die mir eine Menge Energie kosteten.

"Wo hast du ihn gefunden?"

Etwas aus der Bahn geworfen drehte ich mich zu Milo und versuchte seiner Frage zu folgen.

"Wen?" Milo schielte kurz zu mir rüber, musste sich aber gleich wieder auf die Straße fokussieren, da es wirklich viel Verkehr hatte. "Damian..."

Seine Worte hallten im Auto und langsam, aber bedacht, umschlossen meine Gedanken den Blauäugigen. Meine Nackenhaare stellten sich auf, als ich an das von letzter Nacht dachte. Sein Blick. Sein Schmerz.

Ich wusste schon beim ersten Aufeinandertreffen, dass sich viel mehr hinter diesen Augen befand und ich lag richtig. Ich hatte gespürt, dass ihn etwas beschäftigte, ohne ihn wirklich zu kennen. Eigentlich dachte ich ja, dass es ihm einfach zu schaffen machte, dass jeder dachte, er sei wie sein Vater, aber es stellte sich heraus, dass viel mehr dahinter steckte.

"Ich habe ihn bei der großen Brücke gefunden", gab ich leise von mir, da ich das Bild nicht mehr aus meinem Kopf bekam. Es hatte sich in meinen Kopf gebrannt. So wie er da kauerte und kurz davor war sich aufzugeben. So wie er seine Hände musterte und dann zur Spritze griff.

Hostage - He Saved Me #IceSplinters19 #WinterAward18 #SkyAward19Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt