T W E N T Y - N I N E

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Es war mitten in der Nacht und gelangweilt setzte ich mich zum gefühlt tausendsten Mal auf

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Es war mitten in der Nacht und gelangweilt setzte ich mich zum gefühlt tausendsten Mal auf. Damian war immer noch nicht zurückgekommen und es machte mich verrückt. Milo und Matteo hatten schon mehrmals versucht ihn zu kontaktieren, aber immer wurde man an die Mailbox weitergeleitet.

Da dies wohl öfters passierte, gaben die anderen auf und meinten, dass er sowieso nach Hause kommen würde. Mir ließ es aber keine Ruhe. Warum würde er sowas tun? Warum verschwindet man und meldet sich einfach nicht mehr? Was verheimlichte er?

Was, wenn er doch irgendwie eine kleine Panikattacke bekam und irgendwie in Stress geriet. Vielleicht hatte es auch etwas mit Ramirez zu tun. Umso mehr ich darüber nachdachte, desto verrückter machte ich mich und deshalb setzte ich mich in Bewegung.

Vielleicht würde mich das ein wenig ablenken und beruhigen. Ich lief in den Garten und nahm auf der kleinen Bank platz. Einzelne Häuser hatten noch Licht und man konnte sogar ein kleines Festival von hier sehen. Einer dieser Scheinwerfer leuchtete in den Nachthimmel, was mich enorm an Batman erinnerte. Würde man jetzt noch ein Zeichen sehen, könnte man echt denken, dass der gute Batman unterwegs war.

Ich schmunzelte über meine behinderten Gedanken und zog mir die Ärmel über meine Hände. Hier kühlte es im Gegensatz zu Los Angeles richtig ab und ich begann schnell einmal zu frieren.

Das Zirpen von Heuschrecken war zu hören, was mich zu Beginn wirklich irritierte, aber nach wenigen Minuten hatte ich mich daran gewöhnt und schien es gar nicht mehr wahrzunehmen.

Mir war langweilig. Definitiv langweilig. Ich richtete mich etwas auf und beobachtete das Nachtleben Chicagos. Ich würde nie auf diesen Ausblick klarkommen. Es war einfach atemberaubend, wie man von dieser kleinen Bank fast über die ganze Stadt sehen konnte.

Dieses Haus war auf einen kleineren Hügel gebaut und logischerweise etwas außerhalb, was hieß, dass man ohne Auto nirgends hinkommen würde. Beim Parkplatz unten gab es einen kleinen Weg in den Wald, aber ich hatte noch nie die Chance dorthin zu gehen und ich denke nicht, dass ich mich auch jemals trauen würde.

Jedenfalls nicht alleine. Mit Damian oder Milo wäre es dann schon anders. Dann wäre ich nicht alleine und hätte jemanden, der mich beschützen könnte und um ehrlich zu sein, fände ich es ziemlich romantisch mit Damian an einem Abend dort entlangzugehen.

Ich denke nicht, dass er es realisierte, aber seine Ausstrahlung ließ einem einfach stoppen und genießen. Man musste ihn einfach ansehen. Man musste die Aussicht genießen. Auf den ersten Blick dachte man eher an einen Player, welcher sich nachts in den Clubs herumtrieb und jedes zweite Mädchen durchnahm, aber wenn man etwas Zeit mit ihm verbrachte, merkte man, dass er eigentlich ein kompletter Idiot war.

Mit Idiot meine ich keinen schlechten Idiot, sondern einen guten Idiot. Er war humorvoll, man konnte mit ihm lachen und seine sarkastische Art und Weise auf dumme Argumente zu antworten, war einfach hervorragend.

Auch wenn ich diese Seite am meisten mochte, störte es mich überhaupt nicht, wenn er mal seine versteinerte Miene aufgesetzt hatte. Man hat nicht jeden Tag dieselbe Laune und das ist menschlich.

Es gab Tage an denen, möchte ich unter Leuten sein und vieles unternehmen. Und dann gab es, aber auch Tage, an denen ich am liebsten die ganze Zeit im Bett liegen bleiben würde und mir Serien reinziehen möchte.

Ich war so in meinen Gedanken versunken, ich merkte gar nicht, dass sich jemand neben mich setzte. Mit einem klopfenden Herz schielte ich rüber und musterte den Herrn neben mir. "Denkst du wirklich, dass Matthew dazukommen wird?"

Matteo trug bloß ein Shirt mit Trainerhose. "Entweder das oder er wird euch für immer hassen, weil ihr mich mitgenommen habt."

Aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass mein Dad lange wütend wäre. Sobald er sehen würde, dass es mir gut ging und ich einigermaßen glücklich war, würde er sich beruhigen. "Das war alles nicht Teil des Planes. Weißt du, ich sollte dich eigentlich schon längst aus dem Weg geschaffen haben. Vor allem auch, weil du einen meiner besten Männer und Freunde umgebracht hast. Leo war ein guter Mann, welcher mir immer beistand."

Schweigend hörte ich ihm zu. Ich konnte es nicht glauben, dass ich hier mit einem finsteren Gangleader saß. Niemals hätte ich gedacht, jemals in so einer Situation zu sitzen. "Aber Aurora mag dich wirklich und die Jungs scheinen dich auch ins Herz geschlossen zu haben. Hätte ich dich an dem Tag nicht als Geisel genommen, würde Leo vielleicht noch leben, also ist sein Tod auch meine Schuld. Trotzdem werde ich das nie vergessen, aber ich denke, dass ich das jetzt erst mal nach hinten schieben soll, denn im Moment sollten wir uns alle auf Aurora konzentrieren."

Seine plötzliche Ehrlichkeit und Offenheit warf mich ziemlich aus der Bahn und mir fehlten die Worte. Der Tod von Leo war für ihn also doch bedeutender als gedacht und das war wahrscheinlich auch der Grund, warum Damian nicht wollte, dass er wusste, dass er ihn umgebracht hatte. Damian wusste, dass Leo ein Freund seines Vaters war.

Und er hatte ihn für mich umgelegt. Ich fühlte mich schlecht. "Meine Frau wird sterben und dieses Mal werde ich sie davor nicht retten können." Er sprach aus der Vergangenheit, aber ich fragte nicht nach. Ich wollte ihm nicht zu nah rücken und stellte mir darum einfach ein Szenario vor.

"Das Leben ist unfair und manchmal streikt es sich vollkommen gegen dich. Aurora liebt dich. Sie liebt euch alle und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie dir nicht böse ist, weil du sie hier vor nicht retten kannst. Sie weiß, was los ist und was passieren wird. Trotzdem lächelt sie jeden Tag und freut sich über die geringsten Kleinigkeiten. Du kannst ihr kein Leben schenken, aber du kannst sie bis ans Ende ihrer Tage lieben und für sie da sein."

Ich hörte mich wie eine weise alte Dame an, aber das waren nun mal die Worte, die mir in den Sinn kamen. Matteo sah mich an und zum ersten Mal in meinem Leben sah ich ihn Lächeln. Ein kleines Lächeln zierte sein etwas eingefallenes Gesicht und er lehnte sich dann nach vorn. "Du bist korrekt."

Ich wusste nicht, ob ich das als Kompliment aufnehmen sollte oder es einfach eine Feststellung war, freute mich aber trotzdem über seine Worte. "Es ist spät. Geh schlafen. Damian wird vor Sonnenaufgang nicht mehr auftauchen."

Matteo stand auf und verschwand mit diesen Worten wieder im Haus. War das gerade wirklich passiert? Hatte ich wirklich ein Gespräch mit Mr. Diamini? Hinter seiner Killerfassade versteckte sich ein ganz normaler Mann, welcher Angst hatte, seine Ehefrau an Krebs zu verlieren und einfach nur wollte, dass seine Familie sicher war.

Mit einem letzten Blick auf Chicago erhob ich mich auch und streckte meine Arme in die Luft, da ich mich ziemlich eingerostet fühlte. Mein Rücken knackste und ich verzog wieder mein Gesicht. Ich glaubte, mir den Rücken gebrochen zu haben.

Nach ein, zwei Schritten merkte ich aber, dass alles noch wie vorher war und begab mich ins Wohnzimmer. Drinnen wärmte ich mich direkt auf und wagte es den Fernseher einzuschalten. Ich wusste, dass ich niemals schlafen können würde und darum versuchte ich es nicht einmal.

Das würde ich morgen bereuen, da ich arbeiten gehen musste, aber ändern konnte ich es nicht.

Das würde ich morgen bereuen, da ich arbeiten gehen musste, aber ändern konnte ich es nicht

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