Kapitel 34

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"Willst du da wirklich hingehen? Was ist wenn er sowas wie ein Vergewaltiger ist oder so?" fragte mich Hannah im Matheunterricht. Ich hatte ihr heute morgen von dem Brief erzählt und sie war sich ziemlich unsicher bei der ganzen Sache. "Daran hatte ich auch schon gedacht... aber ich hab doch einen Selbstverteidigungskurs gemacht, als eigentlich kann mir nichts passieren." sagte ich. Hannah schüttelte nur lachend den Kopf und wir konzentrierten uns wieder auf den Unterricht. "Weiß Felix davon?" fragte sie. "Noch nicht, ich sag es ihm später wir haben dann zusammen Unterricht." Hannah nickte und ließ es dann dabei. Als es zur Pause klingelte machte ich mich gleich auf den Weg zu meinem Fachsaal. Felix saß schon an seinem Platz und ich steuerte auf ihn zu.

Als ich ihm dann auch alles erzählt hatte, veränderte sich seine Miene. Es war eine Mischung aus Angst und Besorgnis in seinem Gesicht. "Ich werde mitkommen." sagte er. Sollte er das wirklich? "Felix.. ich weiß nicht ob du mitkommen sollst. Was ist wenn dieser Fathi mit mir alleine reden möchte? Er wollte ja immerhin meine Hilfe, wie er es im Brief schrieb." - "Hast du nicht gesagt das ihr euch am Waldrand trefft? Was ist, wenn ich mich einfach hinter einem Busch oder so verstecke und falls doch was passieren sollte, kann ich dir sofort helfen." schlug Felix vor. Ich überlegte kurz, doch nickte dann. Das war wahrscheinlich am Besten.

Den Rest des Schultages verbrachte ich damit, an heute Mittag zu denken. Ein bisschen Angst hatte ich schon... aber was kann mir denn schon groß passieren? Felix ist ja dabei.

Als die letzte Stunde dann auch endlich um war und wir am Bus standen und warteten, gingen wir schonmal durch wie wir das machen würden. "Also, du hast gesagt 15 Uhr? Dann werde ich schon eine viertelstunde vorher dasein und mir schonmal einen Strauch oder so aussuchen." das hörte sich echt bescheuert an. Ein kurzes Lachen entwich meinen Lippen und Felix sah mich nur fragen an. "Das hört sich so bescheuert an." lachte ich nochmal. Zuerst guckte Felix ernst, doch als er auch nochmal über seine Worte nachdachte grinste er auch. "So aber Spaß bei Seite... Machen wir es so?" fragte ich dann letzendlich. "Also ich finde das ist eine super Idee." mischte sich Hannah ein. "Gut, dann machen wir es so."

-

Es war 14.45 Uhr. Ich wurde immer nervöser. Meiner Mutter hatte ich davon nichts erzählt. Ich sagte ihr, das ich zu einer Freundin gehe und mit ihr an einem Projekt arbeite. Um 14.50 Uhr schnappte ich mir dann mein Fahrrad und machte mich auf den Weg zum Waldrand.

Als ich da war stieg ich ab und hielt mein Fahrrad noch in meinen Händen. Ich schaute auf mein Handy. 14.57 Uhr. Noch 3 Minuten. Ich schaute mich einmal kurz um und das einzigste was ich sah, war Felix' Kappe. Ein kleines Lächeln schmückte meine Lippen. Doch es verging mir wieder als plötzlich der Junge von dem Hof im Wald vor mir stand. "D...Du bist Fathi..?" fragte ich. "Ja.. hör zu ich habe echt nicht viel Zeit mein Stiefvater denkt, das ich den Pferden Heu bringe." sagte er sanft. "Okay... also habt ihr einen Pferdehof?" fragte ich ruhig. "So kann man das nicht nennen. Mein Stiefvater kauft ausgemusterte Sportpferde, die mal teuer waren und deren Besitzer froh sind, wenn sie noch einen guten Preis für sie kriegen. So ein Pferd kann noch gut 10 Jahre leben, wenn es für den Sport zu alt ist. Oder länger, wenn es nur verletzt war. Keiner von denen fragt nach, was mit den Pferden passiert." sagte er und es klang bitter. "Und was macht er mit ihnen?" fragte ich schüchtern. "Wenn sie noch einigermaßen Fit sind, verkauft er sie an Typen weiter, die illegale Pferderennen veranstalten. Da werden sie dann bis zur völligen Erschöpfung geritten. Bei Stuten lässt er sie nochmal Fohlen kriegen, die er dann teuer verkauft, da sie ja einen guten Stammbaum haben. Viele sterben bei der Geburt weil sie zu krank oder zu schwach sind. Ich kann das alles nicht mehr mitansehen... aber eigentlich geht es um meine Stute Baccara. Sie ist sehr krank und frisst nichts mehr. Ich kann nicht zusehen wie sie stirbt oder was mein Stiefvater vielleicht noch mit ihr vor hat. Ich wollte fragen, ob du mir vielleicht helfen könntest...?" Ich merkte das es ihm nicht leichtfiel, darüber zu reden und ich konnte ihn voll und ganz verstehen. Ich wollte ihm unbedingt helfen. "Natürlich werde ich versuchen dir zu helfen! Aber ich kann nichts versprechen. Wie kommst du eigentlich darauf, mich zu fragen?" - "Ich habe von euerem Hoffest mitbekommen und ich kann mir sehr gut vorstellen, das du Erfahrung mit Pferden hast." Ich nickte nur. "Wie wäre es morgen? Selbe Uhrzeit, selber Platz, dann kannst du mich zum Hof bringen?" fragte ich. "Ja gerne, aber er darf dich nicht sehen." Ich willigte ein und dann verabschiedeten wir uns voneinender. Er war mit seinem Mopped hier und fuhr wieder zurück in den Wald. Ich stand noch eine Weile sprachlos da bis dann Felix aus seinem 'Versteck' kam.

"Du hast alles mitgehört?" fragte ich. "Ja habe ich. Wie kann man den Pferden nur so etwas antun?" fragte er. "Ich weiß es nicht, Felix." Leicht geschockt fuhren wir dann auch mit den Rädern zurück. Es muss grauenvoll auf dem Hof sein. "Ich werde morgen aber allein gehen, ja?" fragte ich. Er stimmt mir zu und dann verbaschiedete ich mich von ihm. Er musste jetzt in eine andere Richtung fahren.

Zu Hause schickte ich dann Hannah über Whatsapp eine Sprachnachricht und erzählte ihr alles. Meinen Eltern würde ich erstmal nichts erzählen.

Am Abend longierte ich Soraya noch ein wenig und half meinen Eltern die Pferde in ihre Boxen zu stellen.

Als ich am Abend im Bett lag machte ich mir Gedanken. Gedanken, wie es auf diesem 'Hof' wohl aussehen mag. Ich hatte Angst die ganzen kranken Pferde zusehen wie Fathi es beschrieben hat. Sie müssen wohl alle in engen Boxen stehen und sind total verstört. So stell ich es mir zumindest vor. Ich hoffe das ich Fathi mit seiner Stute helfen kann und eventuell auch noch anderen Pferden.
Besonders Angst hatte ich aber vor diesem Mann. Also Fathi's Stiefvater, wie er sagte. Er wollte ja auch schon auf Soraya und mich schießen. Ich habe keine Ahnung, zu was der Mann noch alles fähig ist. Und um ehrlich zu sein möchte ich es auch garnicht wissen. Ich wälzte mich in meinem Bett rum und konnte nicht einschlafen. Viel zu viele Gedanken schwirrten in meinem Kopf herum. Ich war aufgeregt und nervös zugleich. Morgen würde ich endlich erfahren, was sich hinter dieser Mauer verbirgt.

Als ich mich dann auf andere Gedanken brachte - indem ich Schäfchen zählte - konnte ich auch endlich einschlafen.

"Pass auf Bea! Wenn er uns sieht sind wir beide tot!" Wieso wir beide? Er ist doch sein Stiefvater. Warum sollte er ihn abknallen? Wir schlichen über den Hof in eine alte Scheune. Er öffnete die Tür und ich traute meinen Augen nicht. Es war schrecklich. Die Pferde abgemagert, krank und kaputt. Man sah ihnen an, wie schlecht es ihnen hier ging. Die Boxen klein, schmutzig und eng. Wir liefen in die hinterste Ecke des Stalls und dort stand sie. Fathi's Stute. Ein Apfelschimmel. Sie hatte rote Augen und schaute verängstigt. Irgendwas stimmt mit ihr nicht.
Und dann wurde die Scheunentür geöffnet. Mein Herz blieb für zwei Sekunden stehen und der Schweiß lief mir die Stirn runter. Ich erkannte einen Schatten. Es muss der Mann sein. Fathi versteckte sich hinter einem Heuballen, während ich mich irgendwie versuchte hinter der Stute zu verstecken. Sie lag auf dem Boden und rührte sich nicht. Ich legte mich flach hinter sie auf den Boden. Die Pferde waren ruhig und keins bewegte sich auch nur einen Millimeter. Ich hörte Schritte. Sie kamen näher. Und dann fiel plötzlich ein Schuss.

(Hiiiii!! Uhhh es wird spannend ^^ wie gefällt euch das Kapitel? Das nächste Kapitel kommt am Montag. Ich bin über das Wochenende weg :) uuuuund wir haben die 1K Votes!!! Dankeee ich hätte niemals damit gerechnet! Ich liebeee euch <3 das wars dann auch soweit haha :D also dann hoffentlich bis zum nächsten Kapitel love you all <3 )

Then he came...- eine PferdegeschichteWo Geschichten leben. Entdecke jetzt