Peetas Sicht Kapitel „12" & „13"

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Leben hat seinen Sinn verloren. Ich kann nicht mehr so weiter leben. Die Menschen sprechen mit mir, als würde es nur von kurzer Dauer sein, doch wird das Gefühl so lange bleiben, wie ich liebe. Ohne Katniss wäre ich am liebsten tot. Dann müsste ich nicht mit diesen Schmerzen leben.
Ohne Katniss weiß ich nicht, wofür ich existiere. Mein Leben ist sinn- und gefühlslos. Ich habe dich geliebt, Katniss!
Zeit und Raum hat keinen Wert mehr. Ich bin weder da noch weg. Ich will zu ihr. Ich will nur hier weg, dem Schmerz entkommen. Ihr Verlust ist grausam. Meine Katniss ist weg, verschwunden, tot. Ich würde alles tun, um sie zurückzubekommen. Alles hätte ich getan, um sie zu beschützen. So viel Leid. Das hat zu ihrem Tod geführt. Es tut mir so leid, Katniss!
„ Peeta, ich...", spricht Haymitch. Ich erkenne die Tränen in seinen Augen. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Es tut mir alles so leid. Aber es bringt nichts, wenn du nur hier liegen bleibst. Das holt sie nicht zurück. Du musst etwas tun."
Seine Worte prallen an mir ab. Nichts berührt mich mehr.
Auch Prim hat mich einmal besucht, doch sie hat nichts gesagt. Ich denke nur daran, was Katniss zurücklässt. Sie hat ihre kleine Schwester zurückgelassen. Freiwillig. Wieso? Es passt irgendwie nicht zu meiner Katniss. Sie wäre in Freiheit gewesen, bei ihren Lieben. Sie hat Gale dort gesehen und sich umgebracht. Hat sie geglaubt, sie würde ihn so beschützen? Damit er geht und nicht in die Hände Snows gelangt? Das ist das Einzige, was ich mir vorstellen kann.
„Wir sollten da bleiben, für Katniss. Sie ist bestimmt nur gegangen, um uns zu beschützen. Für sie sollten wir bleiben. Nur für sie sollten wir kämpfen. Sie hat es so gewollt, Peeta." Seine Stimme ist voll Schmerz, doch scheint er sich dessen sicher zu sein. „Ich kenne sie schon sehr lange und sehr gut. Ich weiß, dass sie dich wirklich geliebt hat. Wir sollten diesen Krieg für sie gewinnen. Auch ohne sie ist es möglich." Seine Worte sind wirklich wahr, doch auch sie bringen nichts. Für mich ist alles vorbei. Alles.
„Es reicht doch, Peeta! Seit Tagen rührst du dich nicht, sagst du nichts. Komme wieder zu dir!"
Die Worte aller, die herkommen, einer nach dem anderen, sind nur kalte Worte. Sie erreichen keinen Lebenden. Alles wischt einfach an mir vorbei. Ob ich lebe oder sterbe hat keine Bedeutung mehr.
Bleib bei mir. Katniss, bleib bei mir. Komm zu mir zurück. Katniss. Keine anderen Gedanken sind bei mir im Kopf. Ich bin einfach leer.
Wenn ich nur alles rückgängig machen könnte. Wenn ich in der Arena gestorben wäre... Wenn ich gegangen wäre... Dann wäre sie noch hier.
Katniss war immer so wundervoll und hätte ein gutes Leben verdient, nicht dieses, das sie bekommen hat. Sie war so schön und hat so viele Schicksalsschläge durchgemacht.
Als ich sie das erste Mal gesehen habe, waren wir fünf Jahre alt. Sie hatte ein wunderschönes, rotes Kleid mit Karo-Muster an. Es hatte kurze Ärmel wie bei einem T-Shirt und der Rock war recht weit. Sie trug zwei geflochtene Zöpfe mit weißen Schleifen im Haar. Sie war glücklich und unschuldig. Sie war mit ihrem Vater vor der Schule. Das erste Lied, das ich sie singen gehört habe, war einfach wunderschön. Der Valley Song.

Unten im Tal, den so tiefen Tal,
Leg den Kopf hin und hör den Wind wehen.
Hör den Wind wehen, so hör den Wind wehen.
Im Tal hörst du den Wind schön wehen.
Hör mich meine Worte singen.

Die Rosen lieben den Sonnenschein,
Die Violetten lieben den Morgentau.
Der Engel wissen, dass ich dich liebe.
Im Himmel weiß man, dass ich dich liebe.

Ich liebe dich, das sage ich dir in diesem schönen Tal.
Leg deine Arme um mich, ich lege meine um dich.
Unten im Tal lege ich meine Arme um dich.
Im Tal lege ich meine Arme schön um dich.

Unten im Tal, den so tiefen Tal,
Leg den Kopf hin und hör den Wind wehen.
Hör den Wind wehen, so hör den Wind wehen.
Im Tal hörst du den Wind schön wehen.
Hör mich meine Worte singen.

Du gibst mir Leichtigkeit, gibst es meinem Herzen.
So leicht fliegen, mit Leichtigkeit tanzen.
Du gibst meinem Herzen Leichtigkeit,
Sodass wir fliegen und tanzen.

Im Tal liegen wir zusammen.
Seite an Seite liegen wie im Tal.
Wir liegen zusammen,
Seite an Seite im Tal.

Unten im Tal, den so tiefen Tal,
Leg den Kopf hin und hör den Wind wehen.
Hör den Wind wehen, so hör den Wind wehen.
Im Tal hörst du den Wind schön wehen.
Hör mich meine Worte singen.

Ich singe dir mein Lied, so sing' ich es dir,
Um dir zu sagen, ich liebe dich.
Ich singe dir mein Lied im tiefen Tal,
Um dir meine Liebe zu verkünden.

Ich singe und lache, die Blumen blühen.
Die Sonne strahlt, das Gras ist grün.
So sage ich dir im tiefen Tal, drei Worte,
Klein und wirklich zahm. Ich liebe dich.

Unten im Tal, den so tiefen Tal,
Leg den Kopf hin und hör den Wind wehen.
Hör den Wind wehen, so hör den Wind wehen.
Im Tal hörst du den Wind schön wehen.
Du hast mich meine Worte singen gehört.

Bevor ich sie das Lied habe singen gehört, mochte ich es nicht einmal. Doch ab dem Tag liebte ich es. Es war das, was ich immer sagen wollte. Ich wollte Katniss immer sagen, was sie mir bedeutet. Nun ist sie tot und ich kann es ihr nicht nie wieder sagen. Nie. Katniss, Ich liebe dich. Du bist meine ganze Welt, mein ganzes Leben. Du bist meine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Du bist lieb und beschützerisch. Du bist ruhig, verantwortungsbewusst und opferst dich für deine Familie. Du bist ehrlich, aber misstrauisch. Du willst niemanden etwas schuldig sein. Du bist mutig, hilfsbereit und tapfer. Du bist wundervoll und unglaublich schön. Ich liebe dich einfach. Ich liebe dich. Ich wünschte, du wärst hier, bei mir. Warum konntest du nicht bei mir bleiben? Warum musstest du gehen? Warum konnte ich nicht gehen?
Zum ersten Mal, seit ich von ihrem Tod erfahren habe, weine ich. Ich weine ohne Pause, weine um sie. Ich konnte vorher nicht richtig weinen, erst jetzt. Es war zu großer Schock, zu großer Schmerz. Ich konnte es nicht fassen. Ich war in einer Starre gefangen. Ich liebe dich, Katniss! Ich wünschte, du wärst hier!
Ich weine. Stunden, Tage, Wochen. Ich weiß es nicht, doch ich weine vor Schmerz.
Sie hat mich in den Hungerspielen gesucht, als ich verletzt war. Sie hat mich gepflegt. Sie hat ihr Leben für meines aufs Spiel gesetzt-mehrmals. Sie hat für mich gekämpft. Sie ist ausgeflippt, wenn sie dachte, ich wäre tot. Sie hat mich wahrscheinlich geliebt. Und ich habe sie geliebt.
„Peeta!", stürmt Haymitch atemlos herein, gefolgt von Gale. Ich sehe sie an, wie sie mich glücklich ansehen. „Sie lebt! Peeta, sie lebt!"
Ich starre auf ihre Gesichter, unsicher, was sie meinen. „Wovon redest du?"
Haymitch versucht noch zu Atem zu kommen, doch Gale erklärt es. „Die Verbindung zu den Spionen in 13 funktioniert wieder und Beetee konnte mit ihnen reden. Katniss lebt! Katniss lebt noch, sie lebt!"
Mit einem Mal hat mein Leben wieder einen Sinn. Sie lebt! Mein Herz fühlt sich auf einmal so leicht an. Als würde ich fliegen. Wie in dem Lied.
„Wir sind bereits in der Planung, sie rauszuholen."
„Ich will mithelfen! Wenn sie lebt, tue ich alles!", schreie ich.

Ich habe ein bisschen gegoogelt um den Valley Song zu schreiben und dann gelesen, dass es eine Anspielung auf das Lied „Down in the Valley" sein soll. Ich habe mir den Text zur Hilfe genommen, um meine Version des Valley Songs zu schreiben. Tja, jedenfalls, hier könnt ihr es hören. Ich habe übrigens ein Video hinzugefügt, dass weil ich demnächst öfter machen. Es ist einfach das Lied, das ich zum Schreiben des Kapis angehört habe. „Et si tu n'existais pas". (französisch für „Und wenn du nicht existieren würdest")

Pausiert gefangener SpotttölpelWo Geschichten leben. Entdecke jetzt