Zwei Tage später standen Jessica und Felix vor einem Geschäft, das Sportartikel verkaufte. „Die haben wirklich Schwerter da,“ sagte Felix und deutete auf eine Waffe. Das gefällt mir....“
„Das ist eine Kopie aus dem Film „Highlander“. Kostet leider über 2.000,00 Euro. Vielleicht finden wir auch noch eins, das ein wenig preiswerter und auch handlicher ist. Eins, mit dem wir wirklich gut üben können!“
„Was ist denn mit diesem Mann, der meinte, er hätte noch eins?“, erkundigte sich Felix, aber Jessica schüttelte den Kopf. „Ich habe heute versucht den anzurufen, aber auf dem Anrufbeantworter hat er gesagt, dass er im Moment mit seiner Frau in Ägypten ist und sich da die Pyramiden angucken will. Der Urlaub sei ihm ja auch gegönnt, vielleicht hat er den von dem Geld bezahlt, das Christine ihm für ihr Schwert gegeben hat!“
„Ich war noch nie im Urlaub,“ sagte Felix ein wenig sehnsüchtig. „Ich würde auch gerne mal irgendwo hin fahren, wo es einen Strand gibt und im Meer baden. Vielleicht komme ich ja mal dazu!“
„Das würde dir bestimmt gefallen,“ sagte Jessica, als sie das Geschäft betraten.
Eine junge Verkäuferin kam auf sie zu. „Kann ich Ihnen weiter helfen?“
„Ich suche ein Schwert! Ich nehme Unterricht im Schwertkampf und bräuchte eins, das zum Üben geeignet ist!“, sagte Jessica. Sie hatte beschlossen, dass sie das Schwert kaufen würde. Am Ende würden sie noch Schwierigkeiten bekommen, da Felix minderjährig war.
„Dort drüben haben wir ein paar Schwerter,“ sagte die junge Verkäuferin und deutete auf ein Regal. „Schauen Sie sie sich ruhig an!“
Während die Verkäuferin sich einem anderen Kunden zuwandte, schauten Jessica und Felix sich die Schwerter an und er nahm eins in die Hand. „Was hältst du von dem hier?“
Jessica schüttelte den Kopf. „Das ist viel zu lang und zu schwer! Nimm das hier mal in die Hand.“
Sie reichte Felix ein anderes Schwert. „Das fühlt sich....besser an.“
„Nach dem, was ich über Schwerter weiß, ist es gut, vor allem zum Üben!“, erwiderte Jessica und schaute auf das Preisschild. „Und es liegt im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten.“
Als Jessica und Felix den Laden verließen deutete die junge Frau auf ein Café. „Komm, ich lade dich zu einem Eis ein! Ich hätte gerne eins. Wenn es mir nicht so gut geht, brauche ich was Süßes! Und im Augenblick brauche ich wirklich viel davon!“
„Wegen Alexander? Der war doch doo...ich meine, nicht so gut für dich...ich meine...“, stammelte Felix und sah aus als wünschte er sich, den Mund gehalten zu haben.
Ein wenig erinnerte er Jessica in diesem Augenblick an ihren jüngeren Bruder Andy. Wahrscheinlich hätte dieser auf Alexander genauso reagiert.
„Nach einem Eisbecher geht es mir bestimmt wieder besser, auch wenn das eigentlich gar kein Wetter dafür ist,“ stellte sie fest und zog Felix hinter sich her in das Eiscafé.
Sie setzten sich an einen Tisch und Jessica griff nach der Eiskarte und begann, sich die abgebildeten Eisbecher anzusehen, als jemand vor ihrem Tisch stehen bleib.
Alexander sah auf die beiden herab.
„Wenn man vom Teufel spricht....“, murmelte Felix und Alexander warf ihm einen bösen Blick zu. „Halt du dich raus!“
„Alex, was machst du denn hier?“, erkundigte Jessica sich unsicher und er schüttelte den Kopf. „Keine Angst, ich laufe dir ganz bestimmt nicht hinterher! Aber ich saß dort drüben in der Ecke und habe ein wenig für die nächste Klausur gelernt. Zu Hause ist mir die Decke auf den Kopf gefallen und da dachte ich, ich gehe hier her. Hier war ich früher öfters mal mit Manuel!“
„Ich hatte dir auch nicht unterstellt, dass du mir nachlaufen würdest,“ antwortete Jessica, während Alexanders Blick erneut auf Felix fiel. „Du hast dich also entschieden. Gehst du jetzt schon mit deinem Pflegefall aus?“
„Alex, was soll das? Lass uns gefälligst in Ruhe, wenn du nur herum stänkern willst!“, sagte Jessica und warf einen besorgten Blick auf Felix, der unsicher von ihr zu Alexander sah.
Jessica erhob sich. „Wir gehen wohl besser. Die Lust auf Eis ist mir vergangen. Ich weiß auch gar nicht mehr, warum ich mich aus lauter Kummer um dich damit voll stopfen wollte! Wirklich, so eine Begegnung ist das beste Mittel gegen Liebeskummer!“
Sie packte Felix am Ärmel und zog ihn hinter sich her.
„Danke, dass du geholfen hast, meine Beziehung kaputt zu machen, Julian!“, rief Alexander hinter ihm her und Felix zuckte kurz zusammen, als Alexander ihn bei seinem wirklichen Namen rief.
Aber der Ärger sollte noch nicht ausgestanden sein, denn als Jessica und Felix das Cafè verließen wurde Letzterer mit einem Mal blass. Zwei Männer eilten auf ihn und Jessica zu.
„Julian! Bleib stehen!“, rief einer von ihnen und Jessica starrte ebenfalls vor Schreck auf die beiden, ehe sie sich zusammen riss.
„Komm, schnell weg hier! Sind die aus deiner Familie?“
„Ja,“ antwortete Felix, während sie davon eilten und schnell in eine Seitenstraße ein bogen und sich dort unter die Leute mischten.
„Wir müssen sehen, dass wir in den Bus da hinten steigen!“, sagte Jessica und zog Felix hinter sich her.
Dieser drehte sich um, konnte aber die beiden Verfolger nicht entdecken. „Ich hätte mein Haar wieder färben sollen und nicht so normale Klamotten tragen sollen. Kein Wunder, dass man mich erkennt!“, dachte er und beschloss, Jessicas Wohnung künftig nicht mehr zu verlassen.
Sie erreichten den Bus und stiegen ein. „Der fährt ans andere Ende von München, aber egal. Da nehmen wir uns dann ein Taxi und fahren nach Hause,“ sagte Jessica und ließ sich auf einen Sitz fallen.
„Wer waren die beiden denn? Die waren eigentlich zu jung, um deine Onkel zu sein. Oder dein Vater!“
„Das waren meine beiden Cousins, Christian und Mark. Jetzt suchen die also auch noch nach mir. Wahrscheinlich ist die ganze Familie hinter mir her!“, antwortete Felix unglücklich. „Wir hätten nicht raus gehen dürfen.“
„Aber du kannst nicht den Rest deines Lebens in einer Wohnung bleiben. Da müsstest du aber sicher sein. Es weiß ja niemand, wo du wohnst!“
Felix nickte. „Ja, aber du musst auch aufpassen. Die haben dich zusammen mit mir gesehen!“
Traurig und wütend zugleich hatte Alexander Felix und Jessica nachgesehen, als sie das Café verließen.
Dann waren sie vor diesen beiden Männern davon gelaufen und diese hatten die Verfolgung aufgenommen, waren aber nach wenigen Minuten wieder vor dem Fenster des Eiscafés aufgetaucht.
„Die haben wohl die Spur verloren,“ dachte Alexander und ihm kam ein Gedanke. „Vielleicht sollte denen mal jemand ein Tipp geben. Jessica kommt nicht mehr zu mir zurück. Die zieht doch die Gesellschaft von Dämonen vor. Das kann sie haben! Und Felix geschieht es ganz recht. Was hat er sich in unsere Beziehung zu drängen und Jessica Dämonen auf den Hals zu hetzen? Mit welchem Recht bringt er andere in Gefahr?“
Alexander verließ das Café und ging auf die beiden jungen Männer, die ungefähr in Jessicas Alter sein mussten, zu.
Sie sahen sich sehr ähnlich, auch wenn sie einen unterschiedlichen Haarschnitt trugen. Handelte es sich um Zwillinge? Auch eine gewisse Ähnlichkeit zu Felix fiel ihm auf, als er sie ansprach. „Sagt mal, sucht ihr zufällig Julian Farius?“
„Ja, suchen wir!“, sagte einer von ihnen und musterte Alexander von oben bis unten und dieser nickte.
„Da kann ich euch einen kleine Tipp geben. Ich weiß, wo er momentan steckt! In der Wohnung meiner Ex-Freundin, zusammen mit zwei anderen Mädels. Es geht ihm da richtig gut und er lebt wie die Made im Speck!“
„Und wo ist das?“, fragte einer der beiden und sah Alexander misstrauisch an. „Und vor allem, warum verrätst du uns das? Ein Freund von denen kannst du doch dann nicht sein. Was weißt du überhaupt darüber?“
„Geht dich nichts an. Willst du nun wissen, wo die wohnen, oder nicht?“, fragte Alexander ungeduldig.
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Dämonische Statuen Jessicas Geschichte
Mystery / ThrillerJessica zieht es beruflich nach München. Aber auch hier wird sie die Dämonen, mit denen sie es schon in "Dämonische Statuen" zu tun hatte, nicht los. Im Gegenteil, sie muss nun, weitgehend auf sich allein gestellt, mit den seelenraubenden Geschöpfen...
