4. Kapitel

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Wotan sah mich erwartungsvoll an.

Okey. Es ist offiziell. Ich bin verrückt geworden. Verwirrt schlage ich einmal mit dem Kopf gegen die Wand. Aua. Es ist real. Ich träume nicht! Fassungslos starre ich aus dem Fenster. Das muss wohl ziemlich bescheuert ausgeschaut haben, denn Mely sah mich fragend an und auch Wotan legte den Kopf schief. Das Bild sah zu lächerlich aus und ich musste lachen. Mely und Leon strahlten. Ich ging langsam hinaus zu den beiden und zu...Wotan. Er sah mich ruhig und zutraulich an. Ich streckte die Hand aus und er legte seine Schnauze hinein. Ich zweifelte jetzt nicht mehr daran, dass es das Pferd aus meinen Träumen war. Ungläubig beäugte ich es. Verwirrt fragte ich die beiden was das zu bedeuten hatte. Mely senkte den Kopf und begann leise zu erzählen:" Weißt du noch wie du früher warst? Meine beste Freundin war abenteuerlustig, selbstsicher, witzig und gab niemals auf. Aber als Amigo dann starb war es so als hätte jemand genau das Gegenteil in dir hervorgerufen. Du hast dich vollständig aufgegeben und dich immer in deinem Zimmer verschanzt. Wenn ich am offenen Fenster vorbeigegangen bin hab ich dich immer weinen gehört. Dann hast du dir auch noch die Lungenentzündung geholt. Du hast nichts mehr gegessen und bist immer dünner geworden. Ich hab mir Sorgen gemacht. Deswegen hat das ganze Armenhaus Geld gesammelt und wir haben Wotan gekauft. Für dich! Damit du wieder Freude am Leben hast." Sie senkte den Kopf und schaute beschämt drein. Auch Leon schaute etwas schüchtern drein. Leise sagte er zu mir:" Wir wollten doch nur das du eieder glücklich bist." Da konnte ich nicht anders und fiel den beiden um den Hals. "Danke!" Mely und Leon lachten erleichtert aber da hatte ich mich schon wieder Wotan zu gewandt. Ich streichelte ihm über seine Blesse und tätschelte ihm den Hals. Er legte seinen Kopf auf meine Schulter so das ich ihn umarmen konnte. "Ich werde Amigo nie, nie, niemlas vergessen aber ich werde dich genauso lieben wie ihn." Dann nahm ich ihn beim Halfter und brachte ihn in Amigos alte Box. Dort nahm ich ihm das Halfter ab und gab ihm etwas Heu und hartes Brot. Den Salzleckstein tauschte ich gegen einen neuen aus. Als ich in die Sattelkammer ging war es wie ein herber Rückschlag in Trauer und Verzweiflung. Alles sah so aus als hätte ich Amigo nur schnell auf die Koppel gebracht. Sein Sattel und seine Trense gingen am Hacken und das Indianer Zaumzeug lag am Stuhl. Seine Satteldecke hing ungewasche auf der Stuhllehne und der Putzkasten lag offen auf dem Boden. Die ersten Tränen kullerten über meine Wangen. Ich rannte zu Wotan und schlang meine Arme um seinen Hals und schluchzte laut. Aber das waren nicht die Tränen der Hoffnungslosigkeit die ich kurz nach Amigo's Tod geweint hatte. Auch nicht die Tränen,  die still und leise über meine Wangen geronnen waren. Es war ein lautes, qualvolles Schluchzen, das aus meinem tiefsten inneren kam, meinen ganzen Körper schüttelte, mein Gesicht zu einer Grimasse verzerrte und mich laut nach Luft schnappen ließ. Nach einer Weile wurde mir bewusst, dass Wotan mit seinem warmen Atem über ihren Rücken bließ. Mein Schluchzen ebte ab, bis schließlich nur noch mein Kopf auf seinem ruhte und meine Tränen trockneten. Ich fühlte mich ausgelaugt, erschöpft, leer so als ob all ihre Gedanken vortgespühlt worden wären. Aber eins erfüllte meinen ganzen Körper. Das Gefühl geliebt zu werden. Und das Gefühl zu lieben.♡

Ich weiß dass war ein kurzes Kapitel aber ich fand das das ein schöner Abschluss ist.♡ Aber ich schreibe bei dem Buch noch weiter also bis hoffentlich bald! Würde mich über Kommentare und voten freuen!

Wotan ✔Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt