20. und letztes Kapitel

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Der Wind wehte durch mein Haar und ich hörte Wotis Schritte auf dem noch etwas feuchte Waldboden. Die Dämmerung setzte ein und tauchte den Wald in angenehmes warmes Licht. Es zwitscherten noch ein paar Vögel in den Baumkronen und Schmetterlinge bahnten sich ihre Wege durch die Büsche und zwischen den Bäumen hindurch. Bald würde ich mein Ziel erreichen. Wotan schnaubte zufrieden und man merkte, dass er die Stille genoss. Nach dem ganzen Trubel beim Tunier konnte ich das auch gut nachvollziehen. Kurz darauf hatte ich mein Ziel erreicht. Das rauschen des Wasserfalls zerstörte die angenehme Stille, gab mir aber trotzdem ein sicheres Gefühl. Die Lichtung tat sich vor uns auf und vor dem Wasserfall, war das was ich suchte. Amigos Grab. Ein kleiner Erdhügel unter dem mein bester Freund begraben lag. Irgendwie gruselig. Aber ich gruselte mich nicht. In diesem Moment spürte ich nichts, keine Gefühle, kein Schmerz, nur komplette Leere. Wotan schritt auf den Erdhügel zu und blieb knapp davor stehen. Langsam glitt ich von seinem Rücken und stand erstmal stillschweigend vor Amigos letzter Ruhestätte. Langsam begann ich zu reden:"Hallo Amigo..." Weiter kam ich nicht. Wotan schritt auch vor zu Amigos Grab und beschnüffelte den Erdhügel. Dann prustete er hinein und wieherte. Es war als würde er seinen alten Freund begrüßen. Einen kurzen Moment glaubte ich, Amigos Wiehern zu hören und seinen Körper am Waldrand zu sehen. Als ich aber hinblickte sah ich nichts. Ich wollte weiterreden, aber irgendwie kam es mir so vor, als würde ich gar nicht reden sollen und müssen. Unschlüssig kniete ich vor seinem Grab. Was wollte ich eigentlich hier machen? Ich glaube ich will Amigo "Auf Wiedersehen" sagen. "Goodbye my friend". Da sah ich eine pinke Blume am Waldrand. Langsam stand ich auf, ging zur Blume und grub sie aus. Behutsam, denn ich wollte die Wurzeln nicht beschädigen. Dann lief ich zurück zum Erdhügel und pflanzte sie sorgfältig in der Mitte ein. Darauf lief ich zum Wasserfall und schöpfte mit meiner Hand etwas Wasser aus dem See, der sich gebildet hatte. Rasch lief ich zurück zur Blume und bewässerte sie. Dann kniete ich mich wieder vor sein Grab. Ich wollte nichts sagen, denn ich glaube Amigo wird mich auch hören wenn ich nur denke. Ich schloss die Augen und erinnerte uns an unsere ganzen schönen Momente: Als ich ihn zum ersten Mal sah, war es Liebe auf den ersten Blick. Ein Bild eines schwarzen Jährlings erschien vor meinem inneren Auge. Dann als ich zum ersten Mal sein weiches Fell unter meiner Hand gespürt habe und er mir seine Liebe geschenkt hat. Als ich das erste mal auf ihm geritten bin und wie er mir geholfen hatte als mein Vater starb. Unsere gemeinsamen Ausritte, vom ihm beschmust zu werden und das Gefühl zu haben geliebt zu werden. Er hat mir immer die Liebe gegeben, die mir eigentlich mein Vater geben sollte. Er war immer für mich da und half mir in schweren Zeiten allein mit seiner Anwesenheit. Nun war er nicht mehr da, und es hatte mich viel Trauer und Schmerz gekostet. Aber jetzt habe ich Wotan. Ich bin mir sicher, dass Amigo es nicht gewollt hätte, dass ich seinetwegen traurig bin. Langsam fing ich an zu reden. Die Worte kamen wie von selbst aus meinem Mund:" Amigo, du warst immer mein bester Freund, nein mein Seelenverwandter könnte man sagen. Du hast mich geliebt, und als du gestorben bist, all deine Liebe wie einen schützenden Mantel um mich gelegt. Als mein Vater starb, hast du mir die Kraft gegeben weiterzumachen und mein Leben nicht aufzugeben. Du warst immer für mich da. Amigo, ich liebe dich und werde dich immer lieben. Du warst eine der wichtigsten Dinge in meinem Leben und bist es immer noch. Denn du hast mich gelehrt stark zu sein und druchzuhalten. Du hast mir Woti geschickt und dafür bin ich dir unendlich dankbar.", wie zur Bestätigung legte Wotan seinen Kopf auf meine Schulter (♡) und blickte ebenfalls zum Grab. "Du warst der treuste Freund in meinem Leben und bist immer noch scheinbar mit mir verbunden. Ich liebe dich so sehr!Bis zu unserem Wiedersehen wird keine Sekunde vergehen, in der ich dich nicht liebe. Und wir werden uns wiedersehen. In einer anderen Zeit an einem anderen Ort. Und bis dahin, werde ich mich an unsere schönen Zeiten erinnern und lächeln. Und Wotan wird auch immer bei mir sein. Goodbye, my friend, and don't forget: I love you♥!" Wotan schmiegte sich an mich und gab mir all seine Liebe. Wie sehr ich Wotan doch liebte. So sehr wie...Amigo. Und obwohl ich Tränen in den Augen hatte, lächelte ich bei dem Gedanken...

                                                                                              ♡The End

Wotan ✔Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt