1.Kapitel♡

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Nach dem Ausritt brachte ich Amigo wieder in seine Box und versorgte ihn. Wie immer redete ich mit ihm und erzählte ihm von meinem Leben. Ich weiß das klingt lächerlich aber ich glaube er konnte mich tatsächlich verstehen. Zwischen uns herrschte eine Verbindung, eine Seelenverwandtheit. Wenn ich auf ihm reite ist es wie fliegen. Ich bin frei. Wir sind frei. Amigo scheint zu fühlen, dass ich so über ihn denke denn er wendete mir den Kopf zu und blickte sich mit seinen großen,  treuen Augen liebevoll an. Langsam streichelte ich seinen Kopf und er schloss genießerisch die Augen. Womit habe ich dieses Pferd verdient? Mit den Fingern fuhr ich sachte an seiner blesse entlang.

Warum könnte das Leben nicht immer so schön sein? Ich sah traurig das Bild meines Vaters vor Augen. Seine blonde Strubbelfrisur, die blauen Augen mit den grünen Sprenkeln und seine vielen Sommersprossen. Früher ging er viel mit mir reiten. Ich war das glücklichste Kind der Erde. Bis er starb. Für mich brach meine ganze schöne Welt zusammen und ich war unendlich traurig. In dieser Zeit war ich viel in mich gekehrt und glaubte nicht, dass ich je wieder glücklich sein werde. Aber Amigo schaffte es Stück für Stück meine Welt wieder aufzubauen. Er schenkte mir wieder Freude am Leben und gab mir die Liebe und Führsorge die mir früher mein Vater gab. Meine Mutter tat das zwar auch und sie gab ihr bestes, aber trotzdem konnte sie mir nur die Hälfte davon geben, denn früher gaben sie mir beide,  Vater und Mutter, das Gefühl geliebt zu werden. Jetzt geben es mit Amigo und Mam. Und natürlich meine Freunde. Apropos Freunde: Wo sind die beiden überhaupt?"Mely? Leon? Seid ihr da?!" Mely steckte ihren Kopf durch die Boxentür von Fioro."Was gibt's?"

"Ach nicht's."

Mely schaut mich schief an, als wäre ich eine Verrückte. Vielleicht bin ich das ja auch. :3

Lachend wende ich mich wieder Amigo zu und tätschle ihn ausführlich. Ich schaute auf die Uhr und fiel beinahe in Ohnmacht. Scheiße!

Halb eins. 0:30. Half past twenty-four.

Wenn die Geschwindigkeit gemessen werden würde, mit der wir ins Haus rannten hätten wir einen neuen Rekord aufgestellt. Völlig außer Atem kamen wir in unserer Wohnung (im 3. Stock!!!) an. Aber (wie fast immer) hatte Mama gar nicht gemerkt, dass wir weg waren. Sie und die anderen Erwachsenen tratschten, lachten und tranken fröhlich miteinander und waren wahrscheinlich schon etwas betrunken...

Wir holten schnell Leons Tasche mit seinem Laptop und verzogen uns dann auf mein Zimmer. Den Laptop hatte er von seinem Vater vererbt bekommen. In meinem Zimmer zogen wir uns dann den Film "Gefährten" rein. Wir heulten mehr als 3 mal. Als wir dann um 4 oder so den Film fertig hatten und runter gingen waren die meisten Gäste schon weg. Mely und Leon verabschiedeten sich jz auch. Ich drückte beiden ein Küsschen lonls und rechts auf und über Leons Gesicht spannte sich eine zarte Röte. Aber jetzt dachte ich mir noch nochts dabei und schloss die Tür hinter mir. Dann sagte ich Mama Gute Nacht und ging ins Bett. Im Traum galoppierte ich wieder mit Amigo durchs Gelände. Ich wusste nicht wie bald sich das ändern sollte.

BUMMMMMMM!!!!!

Sofort fuhr ich hoch und mein erster Gedanke war: OMG! HAT MAM ETWA WIEDER VERSUCHT ZU KOCHEN?!

Ich raste in halsbrecherischem Tempo den Flur entlang in die Küche und dort sah ich...einen zertrümmerten Blumentopf.

Ich fing schallend an zu lachen und Mam lachte mit. "Entschuldige, Schatz! Ich hab' versucht die Blumen um zupflanzen." :)

Sam grinste und machte ein paar Pfannkuchen. Das Armenhaus übernimmt die Kosten für den Strom und um hier zu wohnen muss man auch nichts zahlen. Aber alles andere muss man selbst zahlen. Ich finde das sehr großzügig. Wir setzten uns an den alten Klapptisch und aßen unsere Pfannkuchen. Da blinkte mir die Anzeige der Zeitung ins Auge: Großes Springtunier am 15. September 2014

In Nala de Caporra findet am 15 . September 2014 ein großes Springtunier stadt. Alle Reiter der Umgebung können mit einem Startgeld von 50 € daran teilnehmen. Der Siegerpreis ist nicht zu verachten.

Weitere Informationen finden Sie auf Seite 12.

OMG!!!

Das wäre was für mich und Amigo.

Ich bin mir ziemlich sicher dass er springen könnte. Auch wenn ich es noch nie ausprobiert habe. Aber mit der Summe könnte ich das Armenhaus unterstützen. Schnell schlang ich  mein Frühstück runter und verabschiede mich von Mam. Danach sprintete in Rekord Tempo zu Mely's Wohnung und läutete Sturm. Sie musste wach sein! Ich kann eigentlich nicht beschreiben was in diesem Moment in mir vor sich ging. Die unfassbare Freude aber auch der Zweifel hauten mich fast um. In diesem Moment öffnete sich die Tür.

Wotan ✔Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt