Dein Tod (2 . Kapitel)

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Als ich im Stall ankam kam mir etwas komisch vor. Ich hörte nicht Amigos Begrüßungswiehern. Er erkannte mich wegen meiner Schritte. Kurz überlegte ich, konnte mich aber nicht daran erinnern ihn auf die Koppel gebracht zu haben.  Langsam ging ich die Stallgasse entlang. Amigos Box lag ganz hinten und ich musste zuerst an Fioros und Skywalkers Box vorbei gehen. Langsam ergriff mich ein mulmiges Gefühl. Amigo müsste mich doch längst bemerkt haben. Den anderen Pferden schien es gut zu gehen. Sie sahen mich ruhig an und fragten sich wahrscheinlich was ich jetzt schon hier machte. Langsam entspannte ich mich wieder. Als ich jedoch bei Amigo ankam kam es mir so vor als würde eine eiskalte Hand mein Herz erwürgen. Amigo lag nass geschwitzt auf dem Boden und wälzte sich. Kalte Panik lag in seinen Augen. Seinen Körper schüttelte es und er hörte nicht auf sich hin und her zu wälzen. Nein, nein NEIN! Ich erkannte auf den ersten Blick was er hatte, aber erst nach wenigen Minuten nahm mein Gehirn es war. KOLIK!!! Sofort lief ich zu ihm in die Box und versuchte ihn auf die Beine zu zerren. Aber alleine schaffte ich es nicht. Angst machte sich in mir breit. Angst die letzte Verbindung zu meinem Vater zu verlieren,  Angst zu versagen und plötzlich ohne ihn zu sein, Angst den SINN meines Lebens zu verlieren. Amigo. Meinen besten Freund. Ich war unfähig mich zu bewegen. Als es ging rannte ich so schnell ich konnte. Ich rannte um Amigos Leben. Ich hämmerte an Leons Tür und als er öffnete rief ich nur ein Wort: KOLIK! Dann stürmte ich sofort zu Mely und sagte das gleiche. Sie versprach sich um einen Tierarzt zu kümmern. Dann lief ich runter in den Stall zu Leon und meinem Amigo. Leon hatte in auf die Beine gebracht aber er knickte immer wieder ein und wir hatten Mühe in wieder nach oben zu bringen. Mich verließ alle Kraft, aller Lebenswille wenn ich daran dachte, dass Amigo vielleicht sterbe. Verzweifelt kämpften wir um sein Leben. Auch er kämpfte. Er kämpfte verzweifelt gegen die Krämpfe und um sein Leben. Wir versuchten verzweifelt ihn auf den Beinen zu halten, doch es wurde von Minute zu Minute anstrengender. Kalte Angst packte mich (jetzt schon zum 3.×!!!) die kalte Panik. Tief in meinem inneren wusste ich es aber ich konmte es mir nicht eingestehen, dass wir es nicht schaffen würden. Warum?! Warum packt immer mich das Pech. Warum packt es sich die Menschen die mir etwas bedeuten und zieht sie mit sich in den Tod. In diesem Moment sackte Amigo zu Boden. Er lag und atmete flach. Seine Augen blickten bittend zu mir auf. Ich konnte ihn einfach nicht leiden sehen. Ein letztes Mal schmiegte ich mein Gesicht in seine Mähne. Roch seinen Geruch. Ich liebe ihn. Ich werde ihn immer lieben. "Amigo, egal was passiert ich liebe und werde dich immer lieben. Egal was passiert." Ich küsste sein verschwitztes Fell. Da kam der Tierarzt, ein alter Kollege meines Vater, herein. Er verstand mit einem Blick die Situation. Er zückte eine Spritze und verabreichte sie Amigo. Seine Ohren hörten auf zu zucken und seine Augen wurden milchig. In diesem Moment ging eine Schranke in meinem Gehirn auf und mir wurde bewusst, dass ich gerade meinen besten, liebsten und ältesten Freund verloren hatte. "NEIN!!! AMIGO!! Ich hab es mir anders überlegt, ich will ihn zurück! Gebt ihn mir zurück! Amigo, bitte lass mich nicht allein! AMIGOOO!!!" Ich schluchzte und schluchzte und konnte nicht damit aufhören. Mein Freund! Amigo...

Danach nahm ich alles wie durch Nebel war. Ich spürte wie Mam, Mely und Leon mich umarmten. Aber nichts davon trat bis in mein Gehirn. Erst als ich wieder in meinem Zimmer im Bett lag drang das alles in mein Gehirn.  Ich vergrub mein Gesicht im Kissen und glaubte noch den Duft von Amigo in der Nase zu haben. In diesem Moment hörte ich Stimmen im Hof: Leon:"Das war ein harter Schlag. Ich glaube ich könnte es nicht verkraften wenn Fioro sterben würde." Mely:" Ja du hast Recht. Aber ich finde er hat was anderes verdient als den...Metzger.", als sie dieses Wort aussprach stiegen mir wieder Tränen in die Augen.," Ich finde wir sollten ihm ein Grab ausschaufeln. Am Waldrand beim Wasserfall mit den vielen Rosenranken. Lass uns gleich loslegen!" Ich hörte wie sich die Schritte entfernten und vergrub wieder mein Gesicht wieder im Kissen und fing wieder an zu weinen. Amigo...

Im Kopf sah ich nochmal seine und meine ganze Lebensgeschichte...

Es war Liebe auf den ersten Blick. Als ich den schwarzen Jährling entdeckte. Seine Augen strallten Wärme und Zuversicht aus. Er kam neugierig zu mir getrottet. Als ich ihm mit meiner kleine Patschehand die Stirn streichelte schmiegte er sich an mich und schloss die Augen. Danach nahm ich ihn mit nach Hause. Kurze Zeit später starb mein Vater. In dieser schweren Zeit war ich die meiste Zeit in Amigos Box und streichelte und redete mit ihm. Wenn ich wrinte leckte er mir solange die Tränen vom Gesicht bis keine mehr da waren. Kurze Zeit später begann ich ihn zu reiten. Wir waren ein Herz und eine Seele. Und jetzt? Jetzt ist es vorbei.

Wie ging dieser Spruch nochmal? Achja: Unsere Herzen wurden eins, und ohne dich stirbt meins♡

Früher habe ich nicht gerade an diesen Spruch geglaubt. Jetzt ist er wahr geworden.

Die Tränen rannten lautlos über meine Wangen und ich spürte den großen, tiefen Schmerz. Der Kloß in meinem Hals. Es wurde unerträglich. AMIGO ICH WILL DICH ZURÜCK!!!

Sofort fing ich wieder an zu schluchzen. Es durfte nicht wahr sein! Gleich wache ich auf, es ist nur ein böser Traum. Aber es war kein Traum, es war harte Realität.

Ich weinte und weinte und irgendwann fiel ich mit dem Bild von Amigo von in einen unruhigen Schlaf.

Amigo...

ich werde dich lieben,

egal was passiert

Wotan ✔Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt