13. Kapitel

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Schweiß stand auf meiner Stirn und mein Atem ging schnell und flach. Oh Gott, oh Gott, oh GOTT!! Heute war es soweit!! Heute, am 15. September würde ich für das Armenhaus kämpfen. Für Mam, Mely, Leon, Skywalker, Fioro und für Wotan. Ich musste es schaffen. Wenn nicht gab es bald kein "wir" mehr. Dann gab es nur noch ich. Wir werden alle ums Überleben kämpfen müssen. Warum konnten wir nicht in Österreich leben?! Dort hätten wir es gut. Da hörte ich das Holz der Treppe knarren. Mam streckte den Kopf zur Tür herein. "Sam? Los komm frühstücken! Wir müssen in 3 Stunden los!!" Erschrocken starrte ich auf meinen Wecker. Scheiße schon halb sieben!! Kopflos stürmte ich die Treppe hinunter und schlang mein Müsli runter. Mam kam Kopfschüttelnd in die Küche und zwang mir ein Glas Orangensaft auf. Schnell schüttete ich ihn hinunter. Auf der Koppel wartete eine böse Überraschung auf mich...ein Schnitzel auf vier Hufen. "Ach du heilige Scheisse! Wotiiiiii!!!" Von Kopf voller Schlamm. Schimpfend stapfte ich durch die durchgeweichte Koppel auf ihn zu und tätschlte ihm den Hals. Dann ging ich zum Tor. Ein Strick war nicht nötig, er kam sowieso mit. Als mir Mely auf dem Hof über den lief rief sie entsetzt ihren Lieblings spruch:" Ach du heiliger Salat!" Wie immer musste ich schmunzeln. Mely und Salat waren wie... Pech und Schwefel, Topf und Deckel, Himmel und Hölle, wie ich und sie :). Dann beeilte mich Wotan auf den Waschplatz zu führen und ordentlich zu duschen. Mit Shampoo bewaffnet gewannen wir die Schlacht gegen das Schnitzel und Woti sah nur mehr wie ein nasses Wollknäul aus... Seine langen Haare hingen klatschnass über seine Schulter. Langsam wurde es knapp und ich ging rauf in mein Zimmer um mich umzuziehen. Mely würde sich um Woti schon kümmern. Das Armenhaus hatte mir meine Reitzeug fürs Tunier gekauft. Die weiße Reithose hing an meinem Schrank und das Jacket lag gestriegelt und gewaschen auf meinem Bett. Die Handschuhe lagen auf dem Heizkörper und der Helm lag auf dem Boden. Alles perfekt verstreut.

Seufzend sammelte ich alles ein und quetschte mich in das enge Zeug. Boah das nervt volle Kanne. Ich steh voll auf das in Kleidern galoppieren♡. Als ich auf den Wecker blickte bemerkte ich, dass ich nurmehr eine verdammte halbe Stunde Zeit hatte bis wir fahren mussten. "Shit!" Zum zweiten Mal an einem blöden Tag die blöde Treppe hinunter. Zum Glück war Woti schon trocken und eingeflochten. Er sah völlig fremd ohne die langen Haare aus. Langsam führte ich ihn in den Hänger und band ihn fest. Dann zog ich mir meine Jogginghose über die Reithose an und verlud das Sattelzeug. Die Reise konnte beginnen....

Wir parkten auf einer großen Wiese. Als ich einen Blick aus dem Fenster warf stockte mir erstmal der Atem. Überall standen Pferde und Leute herum. Weiter weg sah ich den Abreiteplatz und den Tunierplatz. Die Hindernisse sahen wie Wolkenkratzer aus, und ich war mir nicht mehr ganz sicher ob das mit dem Tunier so eine gute Idee war. Aber jetzt gab es kein zurück mehr! Einfach Augen zu und druch! Langsam stieg ich aus und lief durch den Rasen zum Anhänger. Ich öffnete die Schnallen und Mam half mir dabei die Verladerampe runter zu lassen. Dann stieg ich vorne durch die schmale Tür in das innere des Hängers und löste Wotans Strick. Aus dunklen Augen sah er mich warm an. Ich merkte, dass er mir voll und ganz vertraute. Und ich vertraute ihm. Langsam streichelte ich seinen Hals und er kaute vorsichtig an meinem Ohrläppchen. Lachend löste ich den Strick, mit dem er angehängt war, und führte ihn vorsichtig rückwärts aus dem Hänger. Dann band ich ihn bei dem Ring an, der an der Seite des Hängers fest gemacht war. "Das schaffen wir mein Großer! Wir müssen es einfach schaffen..." Vertrauensvoll schmiegte er sich an mich und mir kam es wiedermal so vor, als würde er alles verstehen was ich sage. Da kam Mely mit der Putzkiste angerannt und wir machten uns an die Arbeit. Wir striegelten, bürsteten und kämmten was das Zeug hält. Am Schluss rieb ich ihn noch mit diesen Feuchttigkeitstüchern ein. (Kleiner Tipp: Ihr kennt sicher diese Feuchtigkeitstücher aus dem Supermarkt! Wenn ihr eure Pferde damit einreibt glänzen sie wunderbar!!) Schließlich war es so weit. Der Wettkampf würde in einer Stunde starten. Ich legte Woti die weiße Satteldecke und anschließend den Sattel auf. Zäumen würde ihn Mely. Ich ging derweilen ins Wohnabteil des Hängers und machte mich fertig. Meine Mam band mir meine Haare zu einem niedrigen Tut und ich zog mir das Jacket an. Schließlich war ich startklar. Äußerlich tat ich ganz cool, doch innerlich würde ich lieber sterben als gleich wor 600 Leuten zu reiten. Boah warum hab ich mich bloß darauf eingelassen? Aber ich kannte die Antwort. Ich wollte alle die mir etwas bedeuteten retten. Und ich hoffe so sehr, nicht für mich sondern für die anderen, dass ich dabei nicht scheitern werde. Langsam ging ich hinaus und setzte mir meinen Helm auf. Handschuhe und Stiefel hatte ich schon an. Wotan hörte meine Schritte und drehte seinen Kopf zu mir. Ich tätschelte ihm nochmals den Hals und schwang mich dann auf seinen Rücken. Mely lies die Zügel los und drückte nochmals meine Hand. "Viel Glück! Und egal was passiert, du wirst immer meine beste Freundin sein!" Mit Tränen in den Augen nickte ich und wollte losreiten. Doch dann kam Leon. Auch er nahm meine Hand und drückte sie. "Wenn du das hier nicht schaffst, wer dann? Ich wünsch dir viel Glück!" Er drückte mir einen Kuss vom Boden aus auf die Wange (wie er zu mir hochgekommen ist ist mir heute noch ein Rätsel o_O) und streichelte nochmal über meine Wange. Dann tätschelte er Wotis Hals. "Und jetzt banierst du die da draußen richtig. Ich weiß, dass du das schaffen kannst!" Dann trat er einen Schritt zurück. Der Kuss beflügelte mich und seine Worte auch. Ich kann es schaffen! Ich muss nur daran glauben. Und das tue ich. Ein letztes Mal warf ich ihnen einen Blick zu. Meiner Mam, Mely und Leon. Dann schnalzte ich mit der Zunge und Woti setzte sich in Bewegung. Der Countdown läuft...

Wotan ✔Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt