Freitag, 22.02.19 [zeitsprung]
Die Tour.
„Mum, ich bin so aufgeregt!" sagte ich und rannte erneut zur Haustür. Sie waren immer noch nicht da.
Ich lief zurück durch den Flur und an all meinen Klamotten vorbei, sodass ich wieder bei meiner Mutter im Wohnzimmer stand.
Hinsetzen konnte ich mich bereits seit zwei Stunden nicht mehr, weil ich so aufgeregt war. Brad meinte er würde mich mitnehmen, da wird uns beim Bus treffen würden, um dann endlich zur ersten Location zu fahren.
Ich war die ganze letzte Woche nur noch aufgeregt gewesen. Es war eine ganz schön lange Zeit und wir führen mit einem Tourbus durchs Land, ich meine: Was gibt es besseres?
Mein Handy klingelte und ich hüpfte, als ich sah, dass es Brad war. „Hallo?"
„Hey, Babe. Wir stehen draußen vor deiner Haustür, kommst du raus?" fragte er und ich hörte das Grinsen in seiner Stimme. Warum rief er mich an?
„Bin sofort da" sagte ich aufgeregt und legte auf. Ich griff mir eine Tasche und meine Mutter meinen Koffer und ich lief anschließend zur Haustür.
Bereits durch das Fenster sah ich etwas, was mich allen ernstes zum Kreischen brachte und ich öffnete ganz langsam die Tür.
Am Straßenrand stand der Tourbus in seiner ganzen Pracht und ich bekam den Mund gar nicht mehr zu vor Staunen. Brad stand in der Tür beim Fahrer und lehnte lässig im Rahmen.
„Damit hast du nicht gerechnet, oder?" lachte er und sprang aus dem Bus. Ich ließ meine Tasche fallen und rannte auf ihn zu.
Als ich bei ihm ankam wirbelte er mich durch die Gegend und drückte mir anschließend einen Kuss auf die Lippen. „Überraschung gelungen?" grinste er.
„Ohhhh, jaaaa!" strahlte ich und sah zum Bus. Meine Mutter war bereits dabei meine Sachen dem Fahrer zu geben, der sie im Stauraum des Busses unterbrachte. Sie lief nun auf uns zu.
„Bradley, ich hoffe, du passt auf meine Kleine auf!" sagte sie ernst und ließ ihren Blick über das ganze Getümmel wandern.
„Ich beschütze sie mit meinem Leben" antwortete er genauso ernst und zog mich eng zu sich. „Mum!"
Ich ließ Brad los und umarmte meine Mitter stattdessen. „Wir sehen uns spätestens bei der London Show!" grinste ich.
„Ja, das werden wir" sagte sie und gab mir einen Kuss auf die Stirn. Von meinem Vater und meiner Schwester hatte ich mich bereits heute morgen verabschiedet, da sie zur Arbeit beziehungsweise Schule mussten.
„Na gut, dann lass uns auch mal" sagte Brad und nahm meine Hand. „Ich bin so aufgeregt" strahlte ich ihn an.
„Bis dann, Mum" sagte ich und lief zusammen mit Brad zum Bus. „Bis dann, Lia" rief sie und winkte uns nochmal zu.
Wir stiegen ein und die luxuriöse Innenausstattung des Busses sprang mich förmlich an. Was mich auch ansprang, allerdings wirklich, war James, der gerade noch mit den anderen auf dem Sofa saß.
„Liiiaaa" sagte er als er mich umarmte. „Wir haben uns schon viel zu lange nicht mehr gesehen"
„Das stimmt" sagte ich und umarmte anschließend auch die anderen. Lucy, Cons Freundin, war auch schon dabei.
Brad und ich ließen uns auf das fast volle Sofa fallen und alle lachten, da wir nun wirklich gequetscht saßen. Auf dem kleinen Tisch lagen Gitarren gestapelt und Drumsticks flogen ebenfalls durch die Gegend.
Genauso hatte ich es mir in diesem Bus vorgestellte...
„Also, wir werden jetzt erstmal zum ersten Venue fahren und uns die Halle angucken. Da waren wir schon ein paar mal, deswegen wird es jetzt nichts neues sein, aber wir haben ja neue Menschen dabei" sagte Joe und die anderen jubelte.
Brads Hand lag locker auf meinem Oberschenkel und drückte diesen nun leicht, als er mich anstrahlte.
„Morgen ist dann direkt Soundcheck angesagt und auch der erste Gig am Abend dann" redete Joe weiter und ging anschließend nach vorne zum Fahrer.
Er redete kurz mit selbigem und kam dann wieder. „Wir fahren jetzt los"
Wieder jubelten alle und es herrschte ausgelassene Stimmung als der Bus losfuhr. Ich konnte es kaum erwarten endlich auf dieser Tour zu sein.
Das Charlyn-Drama hatte sich insofern gelegt, dass wir sie nicht mehr gesehen hatten, seit unserem kurzen Zusammentreffen im Diner. Und da war ich auch nicht böse drum...
Nach wenigen Stunden Fahrt, die auch im Flug vergangen waren, kamen wir beim ersten Venue an und stiegen aus dem Bus aus, da die Jungs uns alles zeigen wollten.
Die Bühne war riesig und Dean machte bereits jetzt ein paar Aufnahmen für ein neues Dear Diary. Ich fragte mich, ob wir so unsere Beziehung öffentlich machen würden, aber schüttelte die Gedanken wieder ab, als Brad mich an die Hand nahm und mit sich zog.
Er zeigte mir die Dressingrooms und anschließend liefen wir zum Catering, das bereits vor uns hier gewesen war und aufgebaut hatte. Es war schon relativ spät am Abend und so langsam bekam ich wirklich Hunger.
Wir füllten unsere Teller am Buffet und setzten uns an die Bierzeltgarnitur, die bereits aufgestellt war. „Das sind wirklich Tour-Vibes" sagte Brad fröhlich und nach und nach gesellten sich auch die anderen zu uns.
Als wir aufgegessen hatten gingen Brad und ich als einzige zurück zum Bus, da die anderen heute Abend noch los wollten.
Für mich war das alles viel zu aufregend und Kräfte zehrend, sodass ich heute Abend lieber entspannt im Bus bleiben wollte.
Brad hatte nichts dagegen mit Gesellschaft zu leisten, also saßen wir jetzt im Bus und quatschten und sangen. Seine Gitarre lag auf seinem Schoß, als er gähnte.
Ich musste ebenfalls gähnen und er sah mich grinsend an. „Gehen wir ins Bett?" fragte Brad und ich nickte. Es war alles wirklich viel zu aufregend für mich, weshalb ich nun wirklich müde war.
Wir machten uns fertig, was gar nicht so einfach war, da die Jungs es sonst meist im Dressing Room machten, wir aber zu faul waren, dahin zu laufen und deshalb einfach das kleine Bad des Busses nutzen wollten.
Brad krabbelte in seine Bettnische und meine war direkt gegenüber von seiner. Gerade als auch ich in meine eigene Kabine klettern wollte, nahm er meine Hand.
„Ey, die erste Nacht kannst du ja wohl noch bei mir schlafen" sagte er gespielt beleidigt und ich sah in ungläubig an.
„Das ist aber schon ganz schön eng, meinst du nicht?" fragte ich ihn und er schüttelte entschieden den Kopf.
„Wenn wir in einem normalen Bett liegen, kuschelst du dich auch immer eng an mich, also komm jetzt" sagte er und kuschelte sich noch ein wenig weiter in sein Kissen.
„Na gut" gab ich nach und kletterte zu ihm in die Nische. Er schlang augenblicklich seine Arme um mich und zog mich, wenn es irgendwie möglich war, noch enger zu sich.
Er hatte Recht, es war wirklich nicht total eng in dieser Nische, auch wenn wir hier zu zweit drin lagen.
Vielleicht lag es aber auch einfach nur daran, dass ich Brad sowieso so nah wie möglich bei mir haben wollte. Ja, das war es wahrscheinlich.
Ich schmunzelte, als sich gerade die Tür öffnete und jemand in den Bus kam. Für einen Moment war es wieder still, doch dann hört ich Dean kichern und im nächsten Moment wurde ein Foto von uns gemacht.
Brad grummelte nur und zog mit einer Bewegung den Vorhang der Kabine zu, sodass wir wieder „allein" waren. Ich kicherte und freute mich ein bisschen über das Foto, auch wenn es schön fies war, das mit Blitz zu machen...
Brads Atem war schön gleichmäßig geworden und auch ich driftete langsam in den Schlaf ab. Wenn die Tour so verlaufen würde, wie bis jetzt, dann würde das definitiv eine der besten Erfahrungen meines Lebens werden.
Und das würde sie...
doppelupdate, weil ich's die tage wirklich komplett vergessen hatte - upsi