Perlenmeer Kapitel 13

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„Muss ich da wirklich mitgehen?“ Ich sass genervt auf der Couch und ass Schokolade, während ich zu meiner Mutter aufsah. Sie seufzte und verschränkte die Arme.

„Natürlich musst du.“

„Aber Rick ist doch ein Freund von Dad. Nicht von mir!“ Ich lehnte mich zurück und Mom holte tief Luft.

„Hör zu, ich weiss du magst Rick nicht besonders, aber er kocht für uns. Und seine Frau wird da sein und seine Kinder auch!“

„Er hat Kinder?“, fragte ich giftig und stand auf. Heute waren wir zum Abendessen eingeladen. Bei Rick. Ein Freund von meinem Vater, der mir nie richtig vorgestellt worden war. Sie kannten sich von er Arbeit und mehr wusste ich auch gar nicht. Nur dass der Mann Rick hiess und uns heute alle zum Essen bei sich zu Hause haben wollte.

„Mom, ich werde nicht kommen!“

„Doch! Das wirst du!“ Sie wurde etwas lauter, entriss mir die Schokolade und ging in die Küche. Wie eine trotzige drei-jährige, sank ich im Sofa zurück und schmollte.

„Die Kinder sind in deinem Alter...“

„Was?!“ Jetzt sass ich gerade und wandte meinen Blick in Richtung Küche.

„Ich weiss nicht mehr genau, wie sie heissen... aber sie beginnen beide mit „A“, soviel wie ich noch weiss“, meinte sie und drehte den Wasserhahnen auf.

Ich stand auf und dachte nicht länger über die Sache nach. Aber ich war mir bewusst, dass ich dem Essen nicht entkommen konnte.

Es war nun eine Woche um, seit dem „Zusammenstoss“ mit Yuri. Eine Woche her, seit ich ihn um ein Date gebeten hatte. Seither hatte sich eigentlich nicht sehr viel geändert. Doch, er benahm sich anders. Er ignorierte mich nicht mehr, trotzdem aber verhielt er sich seltsam. Er mied meinen Blick und sprach nicht viel in meiner Anwesenheit. Ich glaube, er konnte einfach nicht glauben, dass ich mit ihm ausgehen wollte. Der Schock und die Enttäuschung sassen immer noch tief in ihm drin. Er versuchte mir zu verzeihen, doch es gelang ihm nicht, sich so zu benehmen, wie bei unseren ersten Begegnungen. So schnell konnte man ein Verhältnis zerstören. Es brauchte nicht viel, und...

Ich stelle mir Liebe und Freundschaft, allgemein Verhältnisse zu Menschen, mit denen wir nicht verwandt sind, vor wie weisse grosse biegsame Flächen, die makellos sind und wunderschön. So schön, dass ein kleiner Kratzer schon die ganze Entzückung und Magie, die davon ausgeht, zerstören kann.

So wie Vincent und Olivia. Sie haben sich wieder vertragen, und doch ist es irgendwie kaputt...

Jene Gedanken hatten mich in den letzten Tagen von meinem Schlaf abgehalten.

Am letzten Mittwoch war ich dann aber auf Yuri zugegangen und hatte gefragt, ob der nächste Montagnachmittag für ihn okay ginge.

Und er hatte ja gesagt. So stand es fest. Wir hatten eine Verabredung.

Heute war Samstag.

Um 19 Uhr standen wir pünktlich an der Schwelle von Ricks Haus und klingelten. Meine Mutter hielt meinen kleinen Bruder Luca im Arm. Ich trug mein hellblaues Kleid und stand bei der Klingel. Zu meinen Pech – oder vielleicht auch Glück – ich drehte mich entsetzt zu meinem Dad um.

„Dein Rick heisst Bennet zum Nachnamen? Soll das ein Witz sein?!“

Mein Vater sah mich überrascht an, doch er kam nicht dazu mir zu antworten, denn da öffnete man uns die Tür.

Ein grosser dunkelbraunhaariger Mann stand da, grinste breit und hiess uns Willkommen. Das war also Rick. Rick Bennet.

Oh Gott. War ich gerade dabei meinen Samstagabend mit Ace und seiner Familie zu verbringen...?

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