Perlenmeer Kapitel 16

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Meine lieben treuen LeserInnen. Ich möchte euch ganz herzlich für all die lieben Worte bedanken, ihr seid so toll! Dieses Kapitel hier ist etwas kürzer, dafür aber umso schöner...

(un-edited// wird noch überarbeitet)

Kapitel 16

„Okay, stopp, das finde ich jetzt echt nicht gerecht! Wieso darf ich nicht vor dem dummen Löwen stehen, man sieht mich gar nicht!“

„Ich bin nicht dumm“, bemerkte Eric dumpf aus seinem Löwenkostüm. Kevin kämpfte sich hervor und verschränkte die Arme.

Alice seufzte und fuhr sich durchs Haar.

„Weil du in dieser Szene so gut wie nichts zu sagen hast, Kevin. Geh zurück an deinen Platz. Wir proben die Szene erneut!“ Er brummte und kehrte zurück in seine Position. Er sah in dem Vogelscheuchenkostüm mehr als nur lächerlich aus. Zu Anfangs hatte er sich sowieso für die Rolle des Oz beworben und zu seinem Unglück hatte diese aber James Miller bekommen, ein gross gewachsener Schönling, an den Kevin nun leider nicht heran reichte.

Das Theaterstück war ein bisschen anders, als das Original. Eine Neuinterpretation, in der Dorothy, also ich, sich in den Prinz von Oz verliebte und für ihn in das Zauberland reiste. Auf dem Weg zu ihrem Geliebten trifft sie die wohlbekannte Vogelscheuche, den Löwen und den Holzfäller aus Eisen, die sie begleiten. Als ich das Drehbuch zum ersten Mal gelesen hatte, war ich entsetzt über die Szenen, die so ganz anders waren als im Buch. Doch mit der Zeit, begann mir das Stück zu gefallen, vor allem weil es ganz und gar nicht vorhersehbar war, so wie die ursprüngliche Geschichte.

Nach den Proben verabschiedete ich mich von allen und ging nach draussen. Das Wetter war wunderschön und auch wenn die Sonne schon sehr tief am Horizont hing, war es angenehm warm und die sanfte Brise trug nur noch mehr zu meinem Wohlbefinden bei. Ich trug zum ersten Mal in diesem Jahr kurze Hosen. Der Schulplatz war leer, die meisten Schüler waren längst nach Hause gegangen. Die Theatergruppe machte immer etwas länger, denn sonst hätte die Zeit für das aufwändige und lange Stück nicht gereicht.

Jemand aber stand noch da. Bei den Fahrräder. Bei seinem Anblick lächelte ich.

Yuri grinste mich an und sah zu, wie ich auf ihn zu kam. Er trug seine schwarzen Vans, die hochgekrempelten Jeans und ein schwarzes ärmelloses Shirt, mit einer Abbildung, die ich nicht so genau definieren konnte. Irgendein modern abstraktes zutiefst dunkles modernes Kunstwerk oder so.

Er ass ein Eis am Stil. Wortwörtlich. Yuri gehörte zu der Sorte Eisesser, die einfach in das kalte Glacé reinbeissen konnte, ohne das Gesicht zu verziehen. Er schleckte nicht dran, er biss ab, kaute und schluckte.

„Hast du mit dem Eis nicht auf mich gewartet? Wie gemein!“ Ich lachte und Yuri schmunzelte, schüttelte sich das rabenschwarze Haar aus dem Gesicht. Sein Blick wanderte über meine nackten langen Beine, die ich dieses Jahr zum ersten Mal zeigte. Besser gesagt: Yuri sah meine Beine zum ersten Mal. Und ich glaube sie gefielen ihm, denn fast schon verlegen sah er weg.

Er schmunzelte und fuhr mit seiner Zunge einmal über seine Lippen, weil das Wasserglacé klebrig war.

„War nicht möglich, tut mir leid. Dafür hab ich das hier für dich.“

Er streckte mir eine kleines kugelförmiges in Gold verpacktes Ding hin. Ich trat näher und sah es mir vorsichtig an. Ein dunkelbrauner Schriftzug zierte das goldige Papier, in kleinen verschlungenen Buchstaben stand da: Callaghan

Fragend sah ich ihn an.

„Ich habe dir doch mal versprochen, dass du eine der Callaghanpralinen probieren kannst... Hier ist sie. Die Beste der neusten Kollektion meines Vaters. Für dich.“

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