Perlenmeer Kapitel 12

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Hallo meine Lieben! Freut euch, dieses Kapitel verspricht viel Freude für Nancy :) Grüsse, Sharon

Am Montagnachmittag schien die Sonne hoch über dem Himmel.

Der Tag bisher war anstrengend und mühselig gewesen. Ich hatte Yuri so gut wie möglich ignoriert, obwohl meine Gedanken stets bei ihm gewesen waren und in der Mittagspause hatte Olivia sich endlich aufgerafft mit Vincent zu sprechen und anscheinend war das Gespräch nicht gut gegangen, denn in die Mittagsstunde kam er nicht mehr, weshalb ich am Buchprojekt alleine hatte arbeiten müssen. Jetzt war der Schultag vorbei, ich band mir meinen Pferdeschwanz neu, sammelte meine Unterlagen zusammen und ging zu meinem Spind, um wichtige Bücher einzupacken, die ich für anstehende Arbeiten brauchte.

„Nancy! Hi... ich...“ Fragend sah ich auf. Delaiah stand am benachbarten Spind und lächelte verlegen. Vor Überraschung hielt ich die Luft an. Wie bereits erwähnt, hatten wir es gut miteinander. Nur, dass wir nicht miteinander sprachen! Sondern uns allerhöchstens zulächelten. Und dann war Schluss. Und bisher hatte das gereicht...

„Hallo Delaiah. Was gibt's?“ Ich versuchte so normal wie möglich zu klingeln und setzte eine gelassene Miene auf, innerlich war ich aber plötzlich ganz nervös...

„Mein Fahrrad hat jetzt einen Gepäckträger. Soll ich dich ein Stück mitnehmen? Du hast so viele Bücher...“ Ich sah ihm an, dass auch er aufgeregt und sehr verlegen war und das beruhigte mich etwas.

Ich lächelte, holte einmal tief Luft und nickte dann.

„Klar, gerne. Wir haben ja dieselbe Richtung!“

Delaiah stützte sein Gewicht auf sein linkes Bein und grinste erleichtert.

„Freut mich“, erwiderte er darauf und bat mich in fünf Minuten bei den Fahrradständer zu sein, ehe er ging um sich von Freunden zu verabschieden.

Mein Herz pochte unnatürlich schnell und ich freute mich. Es fühlte sich wahrhaftig an wie ein Neustart.

Ich packte mein Zeugs zu Ende und schloss meinen Spind, als mir auf einmal Olivia über den Weg lief.

Sie sah gedankenverloren aus und steuerte den Ausgang an, doch ich hielt sie am Arm zurück und überrascht schoss sie hoch und drehte sich verwundert zu mir um.

Als sie sah, dass ich diejenige war, die sie aufhielt, lockerten sich ihre verhärteten Züge wieder und sie schaffte es sogar zu einem schwachen Lächeln.

„Na?“, fragte ich und zog sie etwas an mich. Ich wollte nicht direkt nach Vincent fragen, und es doch so ansprechen, dass sie begriff, auf was ich hinaus wollte.

Olivia zuckte mit den Schultern und schniefte. Mitleidig legte ich den Kopf schief.

„Wir haben uns wieder vertragen... aber es ist nicht mehr so wie vorher. Es ist einfach... kaputt.“ Ich umarmte sie, weil mir nichts besseres einfiel und verabschiedete mich dann schweren Herzens, weil ich Delaiah nicht länger warten lassen konnte.

Er stand mit dem Fahrrad bereit und unterhielt sich mit jemanden, den ich nicht kannte. Als er mich sah, beendete er das Gespräch ziemlich abrupt und fuhr zu mir rüber. Er grinste zur Begrüssung und ich stieg auf und hielt mich am Sattel fest.

Es war so schön warm... ich freute mich so auf den Sommer, auf die kurzen Hosen, die warmen Brisen und die Eiskrem, das man am See verspeisen konnte, der knallig blauen Himmel, der dem Abend entgegen verblasste und ins orange übergingen...

Delaiah fuhr los. Vorsichtig, so wie früher, bedacht darauf, dass die Fahrt für mich angenehm blieb.

„Ich finds schön, dass wir endlich wieder zusammen reden“, sagte er, als wir die Hauptstrasse erreichten, bog dann in eine stille leere Gasse ab, die zum Waldrand führte. Der schönst mögliche Heimweg, zu Fuss aber einfach zu lang.

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