Mysterylama Interview

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Legst du vorher Charaktereigenschaften von deinen Figuren fest oder schreibst du „drauf los" und guckst, wie sie sich entwickeln?

Ich lege jetzt vorher keine Charakterbögen oder so etwas an, aber ich habe schon im Kopf, wie sie sein sollen - und dann werfe ich sie quasi in ihre Geschichte, lege ihnen ein paar Steine in den Weg zum Happy End und lerne dann mit ihnen zusammen, schaue, wie sie sich machen und über sich hinaus wachsen. Ich mag es, wenn meine Leute eigensinnig genug sind, ein Eigenleben zu entwickeln. Wenn ich sie nicht im Kopf habe wie echte Menschen, dann mache ich irgendetwas falsch. Ich habe einfach das Gefühl, dass ich von keinem Leser erwarten kann, Figuren echt zu finden, die selbst in meinen eigenen Gedanken noch diesen Stempel „fiktiv" tragen. Ich bin kein Marionettenspieler und meine Charaktere sind keine Puppen - viel mehr kann ich einfach glücklich sein, dass sie mich ihre Geschichte erzählen lassen.

Schreibst du auf Papier oder auf dem Computer?

Blöcke, Servietten, zu Schulzeiten Mathehefte, Notizbücher, Taschentücher ... wenn ich eine Idee habe oder mir ein Satz durch den Kopf schwirrt, dann ist so ziemlich nichts vor mir sicher. Den größten Teil meiner Geschichten schreibe ich aber, wenn ich die Chance dazu habe und er in der Nähe ist, sofort am Laptop; mit zehn Fingern kann ich einfach schneller schreiben, als mit Füller oder Bleistift. Oder zumindest leserlicher; sogar für mich ist es manchmal - so ungern ich das auch zugebe - schwer, meine eigene Sauklaue zu entziffern.

Hast du Autoren, die du als Vorbild siehst?

Es gibt sehr viele Autoren, die ich unheimlich bewundere - aber was das Schreiben angeht, möchte ich meinen eigenen Weg gehen, meine eigenen Worte und Ideen finden, und deswegen habe ich da niemanden, von dem ich jetzt sage, dass er oder sie mein „Vorbild" ist.

Was hat deinen Schreibstil beeinflusst?

Zum größten Teil ist das, denke ich, einfach das Lesen. Ich schreibe Geschichten so, wie ich sie auch selbst gerne lesen würde - wobei auch jeder meiner Charaktere ein wenig anders erzählt. Ich schreibe viel aus der ersten Person und unterschiedliche Menschen drücken sich natürlich auch unterschiedlich aus.

Zum Lesen kommt aber auch einfach auch die Übung - je mehr man schreibst, desto stärker bekommt man ein Gefühl dafür, was gut geht und was nicht, wie man Szenen am besten aufbaut usw..

Hat Wattpad deine Art zu schreiben beeinflusst, wenn ja in welcher Weise?

Ich schreibe eigentlich für mich selbst - weil ich das Gefühl habe, eine Geschichte einfach erzählen zu müssen. Unabhängig davon, ob überhaupt jemand außer mir sie lesen möchte.

Aber ich liebe Wattpad und diese Chance, das, was ich von ganzem Herzen liebe, mit anderen zu teilen und zu erfahren, was sie darüber denken, sie im besten Fall damit zu berühren.

Wie oft schreibst du im Monat?

Das kommt ganz darauf an - manchmal jeden Tag, manchmal auch wochenlang nur sporadisch. Wenn ich schreibe, dann möchte ich mich ganz in die Geschichte fallen lassen können und manchmal geht das einfach nicht. Wenn man da versucht, etwas zu erzwingen, merkt man das nachher beim Lesen nur.

Schreibst du durch Wattpad mehr?

Im Moment habe ich ja leider gar keine Geschichte, die ich aktiv auf Wattpad schreibe - was mir fehlt und sich auch bald wieder ändern soll.

Klar, es ist ein unglaubliches schönes Gefühl, so einen engen Kontakt zu seinen Lesern zu haben, wie hier auf Wattpad - aber im Endeffekt schreibe ich deswegen nicht mehr oder weniger.

Warum hast du dich bei Wattpad angemeldet?

Vor ein paar Jahren hatte ich im Urlaub keinen Lesetoff mehr und dann habe ich geschaut, ob es Möglichkeiten gibt, um legal im Internet Geschichten zu lesen - und bin auf Wattpad gestoßen. Es hat mir gefallen, dass man hier nicht nur lesen, sondern auch schreiben kann und habe dann ein halbes Jahr später beschlossen, mich auch hier anzumelden und etwas von dem, was ich so schreibe, zu teilen. Immerhin bin ich immer dankbar für Kritik und möchte mich gerne verbessern!

Was würdest du dir zur Verbesserung von Wattpad wünschen?

Die Benachrichtigungen könnten etwas zuverlässiger sein - Vieles entdecke ich meist erst später und mehr oder weniger zufällig, dabei ist es mir total wichtig, auf beispielsweise Kommentare einzugehen.

Außerdem - aber da kann Wattpad selbst nicht wirklich etwas machen - gibt es eine Seite der Community, die mir persönlich nicht so zusagt; wir sind alle hier, weil wir es lieben zu schreiben und zu lesen - und da finde ich Hass und das Beleidigen von Minderheiten um sich selbst groß und cool zu fühlen einfach nur unangebracht. Genau so, wie es immer schade ist, wenn man sieht, wie teilweise auf konstruktive Kritik reagiert wird. Aber wie gesagt: Da kann Wattpad nichts machen und so etwas wird es auch immer geben. Leider.

Schreibblockade, etwas, was bei dir oft vorkommt?

Wie schon gesagt: Manchmal gibt es Wochen, in denen ich gar nicht schreibe. Das ist aber keine richtige Blockade, sondern hängt einfach damit zusammen, dass ich mich dann nicht richtig in die Geschichte fallen lassen kann, zum Beispiel, weil ich zu viel um die Ohren habe. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass es nichts bringt, dann auf Krampf zu schreiben - dann bringt man nichts Gutes zu Stande. Manchmal braucht man einfach ein bisschen Zeit, um alles aus einem neuen Winkel zu betrachten und/oder einen freien Kopf zu bekommen.

Hast du einen Tipp für unerfahrene Autoren?

Schreibt die Geschichten, die ihr selbst gerne lesen wollt und steckt euer ganzes Herz hinein. Lasst euch nicht unterkriegen oder entmutigen. Lest viel und lest eure eigenen Texte noch einmal laut vor, denn manchmal sehen Sätze zwar auf den ersten Blick gut aus, klingen aber ausgesprochen ausgesprochen schlecht. Und vor allem: Hört nicht auf andere, erst recht nicht, wenn sie den Imperativ benutzen, sondern findet euren eigenen Weg und das, was für euch funktioniert. Ich wünsche euch von Herzen alles Gute dabei!

Was passierte nach dem Piper Award?

Es war total aufregend, noch einmal Zeit mit Anne und Marc zu verbringen und ihre Geschichte zu dem zu machen, was man heute im Buchladen kaufen kann. Außerdem haben plötzlich die Menschen in meiner Umgebung erfahren, dass ich schreibe - das war erst mal etwas komisch, weil das vorher keiner so richtig wusste.

Hast du dein Buch schon mal im Buchladen gesehen?

Ja (darf ich hier einen Smiley hinsetzen oder kratzt das an dieser mühsam aufrecht erhaltenen Seriosität? Ich grinse nämlich grad wie ein Honigkuchenpferd!)

Wenn ja, wie hat sich das angefühlt?

Ziemlich unwirklich. Man steht dann da, sieht das Buch und traut sich irgendwie nicht so richtig, näher zu gehen - wegen dieser irrationalen Angst, dass es dann irgendwie verpufft und die Leute von Verstehen Sie Spaß mit ihren Kameras auftauchen und dir erzählen, dass das alles nur ein Scherz war. Auf jeden Fall ist es ein ziemlich abgefahrenes Gefühl und ich bin immer wieder total glücklich, wenn mir jemand ein Foto von meinem Buch in der Buchhandlung schickt. Das ist einfach ein wahr gewordener Traum.

Und herzlichen Glückwunsch zum bestandenen Abitur und wie geht es jetzt weiter?

Dankeschön, das ist total lieb von dir! Im Moment habe ich ziemlich viel Zeit zum Schreiben, was mich sehr freut. Im Herbst fange ich dann an, in Bremen Deutsch und Kunst zu studieren - auf Lehramt. Ich schätze, da hat meine Anne aus Der Leo Plan abgefärbt ;-)

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