Kapitel 42

2.7K 120 19
                                    

"Oh, ist alles in Ordnung bei dir?" fragte Cass' s Mum mich, als er mit mir in dem Arm zur Tür herein kam.
Peinlich berührt, dass sie uns so zusammen sah, nickte ich, was sie aber wahrscheinlich gar nicht mehr sah, denn Cass steuerte auf sein Zimmer zu. "Ich kümmere mich um sie."

"Ähm-weiß deine Mum, das wir zusammen sind?" fragte ich, als Cass mich vorsichtig auf seinem Bett absetzte. Sofort verließ mich die wohlige Wärme, die sein Körper ausgestrahlt hatte.

Während er sich mit mir unterhielt, suchte er Arznei Sach zusammen.
"Natürlich. Ich nehme an deine Mum weiß es nicht?"
Seufzend schüttelte ich den Kopf, als er sich vor mich hin kniete. "Können wir ein andermal darüber reden?"

Verständnisvoll sah er mir kurz in die Augen, kniete sich vor mich hin und betupfte zaghaft die zwei Wunden an meinen aufgescheuerten Knien. "Ist gut."
Dankbar nickte ich und verfolgte gebannt Cass' s hellblaue Augen, die sorgfältig meine kleinen Verletzungen betrachtete.
Es brannte etwas, als er das Blut mit einem feuchten Tuch fertig abgetupft hatte, aber als er die Wunde dann mit einem Heftpflaster verschloss, tat es gar nicht mehr weh.
"So, jetzt noch dein Arm." murmelte Cass konzentriert. Ich streckte ihm ihn schmunzelnd entgegen.
"Du solltest mal Arzt werden..."

Cass lachte leise. "Das überlass ich lieber anderen." Er küsste meine Hand Innenfläche und machte dann auch die andere Verletzung an meinem Ellenbogen sauber.
Er wickelte an dem einen Arm einen kleinen Verband darum, da dort die Verletzung schlimmer als an den Knien war. Den anderen Ellenbogen hatte es so gut wie gar nicht getroffen.
"So, fertig..." flüsterte er, malte mit seinem Daumen kleine Kreise auf die Haut daneben und sah mit seinen langen Wimpern zu mir hoch.
Eine Gänsehaut überzog meinen Arm und ich staunte, was für positive Gefühle Cass bei mir, bei so einer Berührung auslösen konnte.
Ich erkannte, dass diese die letzten Jahre viel zu sehr von den negativen überschattet wurden.

"Danke..." flüsterte ich in die Stille des Raumes hinein und zog Cass nach oben, neben mich.
Seine Grübchen kamen wieder zum Vorschein als er lächelte und eine Hand an meine Wange legte.
Mit dem Blick in seinen Augen versunken lehnte ich mich mutig nach vorne.
Cass überbrückte sofort den verbliebenen Abstand zwischen unseren Gesichtern und küsste mich.

Dieses mal war der Kuss anders. Cass schob die Hände in mein Haar und bewegte leidenschaftlich seine Lippen zu meinen.
Ich schnappte nach Luft und mein Bauch kribbelte bei dem Gedanken, dass meine Lippen wie geschaffen zu seinen passten.

Wir küssten uns ziemlich lange, aber vielleicht waren es auch nur wenige Sekunden-ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren.
Als Cass's Zunge vorsichtig über meine Lippen strich, öffnete ich zögerlich meinen Mund. Das war unser erster Zungenkuss.
Es fühlte sich atemberaubend an, als ich ihn in meinem Mund kosten konnte und sich unsere Zungen umtänzelten.

Ich war so auf unsere Nähe fokussiert, das ich fast nicht das düstere Gefühl, dass immer mehr an die Oberfläche brodelte, bemerkte.
Schnell hatte aber doch die Beklemmung Oberhand genommen und ich fühlte regelrecht, wie Connor seine Zunge brutal in meinen Rachen geschoben hatte, während er meine Bluse zerriss.
Es fühlte sich so echt wie in einem Traum an, nur das es eine Erinnerung war, die die Realität überschattete.

Ich wusste es innerlich, aber hielt das Übelkeitsgefühl nicht mehr aus und schreckte ruckartig von Cass zurück.
Kurz schien er verwirrt, dann bemerkte er meinen verschreckten Blick und griff zögerlich nach meiner Hand, als ich meinen Körper selbst mit den Armen umschlang.
Tränen traten mir in die Augen, aber ich versuchte sie mit aller macht zurück zu drängen und mich zu beruhigen.
Ich wusste nicht was mit mir los war.
Es hatte sich anfangs so wunderbar angefühlt und mir war ganz warm geworden. Ganz anders, als bei dem Kuss mit Sam.
Aber dann hatte ich irgendwie meinen Gedanken freien Lauf gelassen und konnte die Erinnerung an Connor nicht mehr stoppen.
"Hey, alles ist okey..." murmelte Cass sanft und drückte meine Hand.
Mit roten Wangen sah ich zu ihm und biss mir verlegen auf die Lippen. "Tut mir leid...das sollte eigentlich nicht passieren, der Kuss hat sich so unbeschreiblich angefühlt...ich habe nur irgendwie die Kontrolle verloren..."
Cass nahm mich vorsichtig in den Arm.
"Ist nicht schlimm. Entschuldige dich nicht. " hauchte er sanft in mein Haar und auf einen Schlag entspannte ich mich wieder.

So saßen wir eine Weile da und ich genoss es einfach nur von meinem Freund gehalten zu werden.
Danm löste sich Cass sanft von mir und strich mir eine verirrte Haarsträhne wieder hinters Ohr. Ernst sah er mich an. "Was hat dein Exfreund mit dir gemacht?"

Plötzlich war das Kopfkissen von seinem Bett schrecklich interessant.
"Das..." murmelte ich, obwohl ich nicht einmal vor hatte den Satz zu Ende zu bringen.
Seufzend bettete ich meinen Kopf in seinen Schoß und umschlang mit meinen armen seine Taille.
Ich schüttelte den Kopf, zum Zeichen, dass ich darüber nicht reden konnte.
Stattdessen blickte ich in Cass' s sorgenvoll, blaue Augen und sagte dankbar: "Ich bin so froh dich zu haben..."

Cass gab mir einen Kuss auf den Scheitel. "Du bist das beste, was mir je passiert ist."
Völlig ernst sah er mich an, sodass ich ihn überrascht los ließ und mich aufsetzte.
"Es wird dir nie wieder jemals irgendwer etwas antun. Ich werde für dich da sein."
Womit habe ich dich nur verdient? ,dachte ich mir.

Cass kannte beide Seiten von mir-die Guten und die schlechten-und er war immer noch bei mir.

ForeverWo Geschichten leben. Entdecke jetzt