Alleine unter Menschen ✅

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Mit einer Tasse in der Hand sitze ich in der Küche auf einem der Stühle und warte bis Lenn aus dem Badezimmer kommt. Die gesamte letzte Nacht habe ich gehofft ich würde anfangen irgendetwas für ihn zu fühlen, wenn ich mich auf ihn einlasse. Ich sollte mir selbst eingestehen, dass ich nichts außer Freundschaft für ihn empfinde, ebenso sollte ich mir eingestehen, dass er einfach zu hoch für mich ist. Er ist zu nett, zu nett.

Als er in seinen Jeans und seinem Shirt zu mir in die Küche kommt, sehe ich auf und bemerke das Lächeln auf seinen Lippen. "Ich muss jetzt los. Wir sehen uns, ja?", er drückt mir einen Kuss auf die Stirn und streicht mit seiner Hand über meine Schulter. "Ja.", murmele ich und schenke ihm ein leichtes Lächeln, bevor er verschwindet. Seufzend stelle ich meine leere Tasse in die Spüle und befinde mich kurze Zeit später, frisch geduscht in meinem Badezimmer. Ich binde meine Haare zu einem Dutt und putze meine Zähne. Ich ziehe mich um und verlasse dann auch schon meine Wohnung.

Als ich mein Auto starten will, brummt es kurz auf und stirbt direkt wieder ab. Dieses Szenario wiederholt sich dreimal bis ich frustriert wieder aussteige. Mir bleibt wohl in dieser Situation nichts anderes über als mit der U-Bahn zu fahren.

Der stickige, mit Schweiß und Alkohol gemischte Geruch kommt mir direkt entgegen als sich die Türen öffnen. Ich lehne mich gegen eine der Metallstangen, versuche mich so wenig wie möglich festzuhalten und stehen zu bleiben. Gerade als sich die Türen wieder schließen, springt ein junger Mann mit Kapuze über dem Kopf in die Bahn. An seinem Gang und seinen Locken, die widerspenstig unter der Haube hervor stehen erkenne ich, dass es der selbe Junge wie in meinem Kurs ist.

Mit seiner, von einem schwarzen Lederhandschuh bedeckten Hand greift er nach einem Griff um sich festzuhalten. Die ganze Zeit über hält er den Kopf gesenkt, vermeidet es Blickkontakt mit irgendwem zu halten.

Ich beeile mich, ihm hinterher zu kommen als wir an der richtigen Station aussteigen, verliere ihn aber viel zu schnell aus den Augen. Ein großer, in grauem Anzug gekleideter Geschäftsmann mit Aktentasche läuft mit solch einer Geschwindigkeit an mir vorbei, dass ich kurz das Gleichgewicht verliere und ins Straucheln gerate. Bevor ich jedoch fallen kann, hält mich jemand an meiner Hüfte fest und lässt mich aufatmen. Der Junge aus meinem Kurs steht neben mir, sein Gesicht von der Dunkelheit umhüllt und sein Arm noch immer um meinen Körper. "Pass besser auf.", seine raue, tiefe Stimme, welche ich zu diesem Zeitpunkt das erste Mal gehört habe, jagt mir eine Gänsehaut über den Rücken und bevor ich irgendwie reagieren, geschweige denn mich bedanken kann, ist er auch schon wieder weg und lässt mich zurück, in mitten von hunderten Menschen.

Paranormal | H.S. Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt