Bevor ich mich genauer umsehen konnte, bekamen Teresa und ich einen Stoß in den Rücken, der uns zu Fall brachte.
Ein rotblondes Mädchen half mir vorsichtig lächelnd auf, worauf ich mich leise bedankte.
"Diese beiden Mädchen werden euch ab jetzt begleiten. Vorstellen könnt ihr euch Einander selbst. Bald bekommt ihr weitere Informationen.", brüllte einer der Männer unter seiner Maske, sodass es jeder hören konnte.
Nachdem er verschwunden war, sah ich mich weiter um. Wir befanden uns in einer Turnhalle. Auf dem Boden befanden sich verblichene, bunte Streifen.
"Ich bin Harriet und das ist Sonya. Wir sind hier sozusagen die Anführerinnen.", stellte sich ein dunkelhäutiges Mädchen mit schwarzen Rasterlocken vor. Sie sah, meiner Meinung nach, sehr hübsch aus.
"Hey", kam es von dem rotblonden Mädchen, das mir aufgeholfen hatte. Anscheinend diese Sonya.
"Ich heiße Lillian, aber nennt mich ruhig Lilly.", stellte ich mich vor. "Ich bin Teresa.", sagte dann meine einzige Vertraute.
"Wieso seid ihr hier? Ich meine, wie seid ihr hergekommen?", ich platzte fast vor Neugier.
"Am besten, wir setzen uns im Kreis hin und bereden Alles gemeinsam.", schlug Harriet vor. Als alle einverstanden waren, setzten Teresa und ich uns nebeneinander, mit den anderen Mädchen in einen großen Kreis.
"Also, ich würde sagen, ihr fangt an.", sagte Sonya.
Teresa und ich warfen uns einen Blick zu, bevor ich anfing alles zu erzählen. Vom Labyrinth, den Griewern und den Jungs. Auch unsere Flucht, die Ankunft hier und unsere Betäubung ließ ich nicht aus.
Je mehr ich erzählte, desto größer wurden die Augen der unbekannten Mädchen. Als ich meine Geschichtsstunde beendet hatte, herrschte kurz Stille.
"Das gibt es nicht. Ich meine, wir haben genau das Gleiche erlebt wie ihr, nur dass es bei uns nur Mädchen und einen Jungen gab. Aris. Er ist über Nacht irgendwie verschwunden.", Sonya war ganz aufgeregt. Sie hatte ihre langen Haare zur Seite geflochten und ließ den Zopf immer wieder durch ihre Finger gleiten.
"Meint ihr, ANGST hat zwei Labyrinthe gebaut? Wenn ihr wirklich das Gleiche erlebt habt, dann kann das kein Zufall sein.", Teresa stand, genauso wie mir, der Mund offen.
Dann war dieser Aris das Gegenstück zu Teresa. Vermutlich war ich dann der Einzige Unterschied der beiden Gruppen. Wenn man von den vertauschten Geschlechtern mal absah.
"Ja, das ist gut möglich. Dieser Thomas, aus euerem Labyrinth muss dann das Gegenstück zu Rachel sein. Beth, sie war eine von uns und ist kurz vor unserer Flucht verschwunden, hat Rachel erstochen. Aber ich glaube ANGST hat sie manipuliert. Vermutlich sollte auch Thomas getötet werden. Nur zu dir, Lilly, fehlt bei uns das Gegenteil. Aber wahrscheinlich hatte Rachel nie einen Zwilling.", mutmaßte Harriet.
Das alles klang logisch. Vom ganzen Nachdenken tat mein Kopf furchtbar weh. Auch mein Bauch schaltete sich ein: "Sagt mal, habt ihr hier etwas zu essen?"
"Ja, natürlich. Ich zeige es euch.", Sonya lächelte mich an. Ich fand sie sehr sympathisch. Nachdem Teresa und ich uns etwas von dem großen Haufen an Nahrungsmittel genommen hatten, unterhielten wir uns mit Sonya.
Von ihrer Art her erinnerte sie mich stark an Newt. Auch ihre Haarfarbe ähnelte der seinen. Newt...
Die Jungs hatten Teresa und mich bestimmt schon gesucht und machten sich Sorgen. Aber ich konnte absolut nichts machen, nur hoffen, dass es ihnen gut ging.
Sonya hatte uns vieles erzählt, von ihrer Ankunft hier und was bis jetzt alles passiert war. Anscheinend waren die Mädchen drei Tage vor uns aus dem Labyrinth entkommen und hatten mehr Griewer getötet.
Irgendwie erstaunte mich das. Auch, dass sie mit ungefähr zehn Leuten mehr entkommen waren. Tja, Mädchen waren halt doch taffer als Jungs...
Bei dem Gedanken musste ich lächeln.
Als uns unsere Uhren anzeigten, dass es Zeit zum Schlafen war, teilte uns Harriet zwei freie Betten zu.
Wir hatten noch lange geredet - Vermutungen angestellt. Über ANGST, die beiden Labyrinthe und alles Mögliche.
Ich war für mich selbst zum Entschluss gekommen, dass das hier nicht mit rechten Dingen zuging. Aber was genau das hier alles sollte, konnte ich mir auch nicht erklären.
Als ich im Bett lag, dachte ich an meinen Bruder. Auch an Minho, Pfanne und Winston. Bei dem Gedanken an Newt kullerte mir eine Träne über die Wange.
Ob ich ihn je wiedersehen würde? Und Thomas? Ich hatte mich nicht von ihnen verabschiedet. Das war das, was mich am traurigsten machte.
Alle Lichter waren mir so stark ans Herz gewachsen, dass mir schon bei dem Gedanken daran, ihnen könnte etwas zustoßen, ganz schlecht wurde.
Zart, Jeff, Micky, Chuck, Gally und all die anderen. Ich wusste nicht, ob ich für sie freuen sollte, dass sie es schon hinter sich hatten.
"Hey, ist alles ok bei dir?", riss mich eine leise Stimme aus meinen Gedanken. Schnell wischte ich mir die Träne aus dem Gesicht und sah, das es Sonya war, die mich angesprochen hatte.
"Ja, ich musste nur an meine Gruppe denken. Ich konnte mich nicht von ihnen verabschieden und jetzt weiß ich nicht mal, ob ich sie irgendwann überhaupt wiedersehe.", meine Stimme war zittrig.
Die Blondine war aufgestanden und kam jetzt zu mir, wo sie sich auf mein Bett setzte.
"Das verstehe ich. Dieser Thomas ist also dein Zwillingsbruder, oder?", fragte sie vorsichtig: "Woher wusstet ihr das? Ich meine, eure Erinnerungen wurden doch auch ausgelöscht."
Zwar kannte ich Sonya noch nicht lange, aber ich hatte das Gefühl, dass ich ihr vertrauen konnte: "Ja, das ist er. Ich weiß nicht genau, woher wir das wussten. Das erste Mal, als ich ihn sah, erkannte ich ihn einfach. Er sah, oder sieht, genauso aus wie ich. Ich war Läuferin, also im Labyrinth. Als ich an dem Tag zurück zur Lichtung kam, stand er davor. Ich sah ihn und keine Minute später war ich ohnmächtig. Währenddessen hatte ich einen Traum, oder eher eine Erinnerung an ihn. Ich wusste und fühlte einfach, dass er mein Bruder war - ist."
Die Worte kamen einfach so aus meinem Mund und ich wusste nicht mal, ob sie überhaupt Sinn machten. Mein Blick fiel auf Sonya, die mich leicht lächelnd ansah.
"Und dieser Newt? Du hattest einen anderen Gesichtsausdruck, als du über ihn gesprochen hast.", erkundigte sie sich.
Ich spürte, wie mir die Röte in die Wangen schoss: "Ähm, ja. Also wir mögen uns. Mehr als ich die anderen Jungs mag. Wir sind quasi ein Paar."
Sonya grinste, wurde dann aber traurig: "Das muss bestimmt schwer für dich sein. Nicht zu wissen, ob man den Bruder und den Freund jemals wiedersieht..."
"Ich kann nur hoffen, dass ich sie wiedersehe.", flüsterte ich heisern.
Nach kurzer Stille zog mich das Mädchen in eine Umarmung, die ich nach kurzem Zögern erwiderte.
Es fühlte sich gut an, mit jemandem darüber gesprochen zu haben. Kurze Zeit später ging sie zurück in ihr Bett und wünschte mir eine gute Nacht.
Auch ich legte mich zurück und versuchte zu schlafen.
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Worst Lie [Newt FF]
Fanfiction[Teil 1: Worst Case] Teil 2: Worst Lie; 26.898 Wörter [Teil 3: Worst Zone] Lilly und die Lichter konnten aus dem Labyrinth entkommen und wägen sich jetzt in Sicherheit. Doch sind sie es wirklich? Ein riesiges Netz aus Lügen, Täuschungen und Erinner...
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