Nähe

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P.o.v.: Felix

,,Du kannst mich runter lassen",sagte ich, als wir vor seiner Haustür angekommen waren. Auch wenn es mir lieber gewesen wäre, ihn nie mehr loslassen zu müssen. Ich hatte einwenig Angst dass seine Schwester oder seine Eltern uns sehen würden und er dann wieder alles abstreitet.
Also löste ich meine verschränkten Arme und landete auf meinen Beinen, die mich zum Glück wieder hielten. ,,Gehts?" Ich nickte und drückte ihm schnell einen Kuss auf die Wange, bevor er die Tür aufschloss.
Ich wollte jetzt nichts von meinen Gedanken hören, nichts von all dem was sie mir bis gerade eben noch zugerufen hatten.
,,Bin wieder da!",rief er in den Flur. ,,Ok!",rief eine Stimme aus Richtung Küche zurück, die definitiv nicht die seiner Mutter war. ,,Wann kommen deine Eltern eigentlich mal wieder?",fragte ich. ,,Sie sind bis Dienstag weg, Arbeit",antwortete er schnell und ging auf die Treppe zu. Ich nickte, auch wenn er es nicht sah. ,,Sollen wir nach oben oder willst du was essen?" ,,Oben." Er seufzte, ging dann aber mit mir die Treppe hoch in sein Zimmer. ,,Ich koche trotzdem gleich irgendwas und du isst mit",sagte er und warf sich auf sein Bett. ,,Nudeln?" ,,Immer noch leer, vielleicht doch wieder bestellen",er grinste und klopfte neben sich auf die Matratze. Ich setzte mich, doch er legte eine Hand auf meine Brust und drückte mich in die Matratze, dann legte er sich neben mich. ,,Sei nicht immer so angespannt."
,,Du weißt wie abnormal das immer noch ist? Ich weiß einfach nicht was angemessen ist." Ich blickte weiter an die Decke, während er seinen Kopf zu mir gedreht hatte.
,,Was angemessen ist? Ja ich weiß was du meinst, aber vor mir muss dir doch nichts unangenehm sein",murmelte er.
,,Du hast mich bis vor kurzem wegen jeder Kleinigkeit runtergemacht."
Jetzt sah ich an. Er hatte wieder diesem ,,es tut mir so leid"-Ausdruck im Gesicht. ,,Aber jetzt doch nicht mehr." ,,Ich weiß. Aber selbst wenn das alles nicht passiert wäre, würde ich jetzt genauso sein. Ich meine was -",ich stockte. Er zog eine Augenbraue hoch. ,,Was sind wir?" Meine Augen fixierten wieder die Decke.
,,Naja zusammen sind wir nicht."
Ich blieb still, er hatte ja recht.
,,Das müsste ich dich erst fragen."
Ich schielte zu ihm rüber. Er hatte sich nun auf seinen Arm gestützt.
,,Willst du mit mir zusammen sein Felix Hardy?",fragte er theatralisch. Ich verkniff mir mein dümmliches Grinsen. ,,Ja ich will."
,,Du darfst den Bräutigam jetzt küssen."
Er stützte den Arm nun neben meinem Kopf ab und beugte sich über mich. Es dauerte keine Sekunde, da spürte ich schon seine Lippen auf meinen. Wieder erhitzte mein Körper und - auch wenn ich das immer für absoluten Müll hielt -, flogen Schmetterlinge in meinem Bauch herum. Mein Herz hämmerte gegen meine Brust und meine Finger verschränkten sich hinter seinem Kopf. Er wich wenige Zentimeter zurück und öffnete die Augen. ,,Ich liebe dich",flüsterte er. ,,Ich liebe dich",sagte ich es ihm gleich und zog ihn wieder an mich. Und dieses Mal gewährte ich sogar seiner Zunge Einlass. Und ich wollte gar nicht aufhören, als hätte mich die Lust plötzlich überfallen. Dann aber löste er sich von mir und erblickte etwas, das die Stimmung zerstörte.

,,Was hast du gemacht?",fragte er und setzte sich auf, ich tat es ihm gleich. Er griff nach meiner linken Hand und beäugte die rotgefärbten Flecken auf meinem grauen Pullover. ,,Ich-",mir fiel gar nichts ein. Er zog den Ärmel herunter und sah nun direkt auf die frischen Schnitte. Die Stille ließ mich nervös werden. ,,Brauchst du einen Verband?",fragte er leise. Ich schüttelte den Kopf, ich fühlte mich irgendwie schuldig. Weil er glaubte ich hätte es wegen ihm gemacht. Weil ich diesen Moment zerstört hatte. ,,Ich wasch das Blut ab okay?",stotterte ich und stand auf.
Ich ging in das Bad und drehte den Wasserhahn auf. Das Wasser brannte auf meinem Arm höllisch und brachte unter dem verklebten Blut die rot leuchtenden Schnitte zum Vorschein. Eine Weile starrte ich einfach nur darauf, dann ging ich zurück ins Zimmer. Basti saß mittlerweile an der Wand und hatte die Beine unters Kinn gezogen. ,,Ich hab das nicht wegen dir gemacht",sagte ich und setzte mich neben ihn. ,,Wegen was sonst?" ,,Wegen mir, weil ich wieder so überfordert war mit meinen Gedanken." ,,Wolltest du dich umbringen?" ,,Nein - vielleicht, ich weiß nicht." Er breitete die Arme aus, rutschte herunter und ich platzierte meinen Kopf auf seiner Brust. ,,Mach das nie wieder. Wenn deine Gedanken zu viele werden, geh nicht weg, ich lenk dich ab, versprochen." ,,Ich versuch's." ,,Bitte." Er strich mir durch die Haare. Meine Augen fielen wie von alleine zu. Ich hätte es vor einer Woche für unmöglich gehalten, wenn mir jemand erzählt hätte, dass ich mich bei ihm sicher fühlte. Aber das tat ich. Es war als wäre alles schlechte verschwunden und das einzige was zählte war er. Seine Nähe.
,,Aber jetzt schlaf nicht ein, wir wollten noch essen",lachte er.

Einer der Gründe | RewilzWo Geschichten leben. Entdecke jetzt