We've updated our Content Guidelines.
Review the latest guidelines to keep sharing stories safely.

Zurückgelassen

5 0 0
                                        

Zuallererst: Das Urheberrecht der verwendeten Charaktere liegt nicht bei mir. Ich erhebe keinen Anspruch auf die Figuren oder die ursprüngliche Idee. Meine Kurzgeschichte ist ein Tribut - eine persönliche Hommage an eine Geschichte, in der ich so viel mehr gesehen habe, als gezeigt wurde. Ich verfolge keinerlei kommerzielle Absichten, sondern möchte lediglich meine Gedanken und Gefühle mit euch teilen: Gedanken und Gefühle über ein Paar, das großartiger nicht hätte sein können.

**************************************

Zwei Jungen liefen schweigend die Straße entlang. Unter der Brücke, die ihren Weg kreuzte, glitt der Fluss wie ein silbernes Band dahin.
Joey redete fröhlich vor sich hin, doch Yugi hörte kaum zu. Seine Schritte waren langsam, schwer, und seine Gedanken weit weg - bei jemandem, der nicht mehr an seiner Seite war.
Am Brückengeländer blieb Yugi stehen. Er stützte die Unterarme auf das kalte Metall und blickte hinab auf das Glitzern des Wassers. Die Schwere in seiner Brust drückte seinen Kopf auf seine Arme, und er schloss die Augen, als müsste er die Welt für einen Moment aussperren.
Erst jetzt bemerkte Joey, dass sein bester Freund nicht mehr neben ihm lief. Er brach seinen Monolog ab, ging zurück und lehnte sich ebenfalls ans Geländer.
„Yugi ... was ist los mit dir? Du bist in letzter Zeit nur noch traurig."
Sein Freund blieb still, öffnete seine Augen und sah weit in die Ferne.
„Hey, du kannst mir alles sagen. Dazu sind beste Freunde doch da."
Joey legte seinem Kumpel eine Hand auf die Schulter und sah ihn besorgt an. Seit Wochen hing sein Freund durch, war traurig, beinahe deprimiert. Nichts schien ihn mehr zu freuen. Doch wo immer er auch hinging, er trug sein Kartendeck bei sich. Es war jenes Deck, welches sich er und der Pharao geteilt hatten. Eine leise Ahnung schlich in Joeys Gedanken.
„Du vermisst ihn, oder?"
Er sah, wie sich die Wangen seines Freundes rosa färbten. Doch anstatt zu antworten, drehte Yugi sein Gesicht von ihm weg. Joey seufzte. Sein Kumpel war nicht mehr der, den er einst gekannt hatte. Sein frohes und unschuldiges Wesen hatte sich in Luft aufgelöst und hatte ein Häufchen Elend zurückgelassen.
„Yugi. Bitte rede mit mir. Du kannst mir wirklich alles sagen, weißt du? Schließ mich nicht aus, ich sehe doch wie sehr du leidest."
Sein Freund regte sich wieder, hob den Kopf und sah ihn an. Tränen schimmerten in seinen Augen und seine Hände krampften sich um das Metall des Geländers.
„Ja, ich vermisse ihn. Ich vermisse ihn so sehr, dass es mich innerlich zerreißt! Er hat mich einfach zurückgelassen ... "
Yugi schluchzte und schlang sich die Arme um seinen Körper.
„Es ging alles so wahnsinnig schnell und nie gab es einen Moment für uns. Ich konnte mich nicht richtig von ihm verabschieden. Ich konnte ihm nicht einmal sagen, wie viel er mir bedeutet."
Ein Beben fuhr durch den Körper des Jungen und die Tränen, die er mühsam zurückgehalten hatte, liefen ihm über das Gesicht.
Joey sah ihn traurig an. Es tat ihm so weh, seinen besten Freund dermaßen aufgelöst zu sehen, dass ihm das Herz schmerzte. Schon früher hatte er eine leise Ahnung gehabt, was sich zwischen seinem Freund und dem Pharao, nein, Yami, am Anbahnen war. Doch dass es Yugi so schwer getroffen hatte, merkte er erst jetzt.
Er fasste seinen Kumpel an beiden Schultern, drehte ihn zu sich um und sah direkt durch die nassen Augen seines Freundes in dessen Herz.
„Du liebst ihn, habe ich recht?"
Yugi sah ihn zunächst erschrocken an, die Worte aus dem Mund seines Freundes klangen so endgültig. Doch ja. Sie trafen den Nagel auf den Kopf und stachen ihm glühend in sein verwundetes Herz. Yugi nickte und wich Joeys Blick aus. Nach wenigen Herzschlägen sah er doch wieder zurück und versuchte, dem Blick seines Freundes standzuhalten.
„Ich ... ja. Ich liebe ihn."
Erneut liefen Tränen heiß über seine Wangen und fielen funkelnd im Sonnenlicht zu Boden.
„Ich liebe ihn so sehr, dass ich es ohne ihn einfach nicht mehr aushalte. Nichts ergibt mehr einen Sinn für mich. Ohne ihn ist alles bedeutungslos geworden."
„Oh Yugi! Es tut mir so wahnsinnig leid. Warum hast du mir nicht schon früher was gesagt? Du quälst dich damit ganz alleine herum. Wochenlang schon ... "
Joey erinnerte sich, wie sehr Yugi in sich gekehrt war. Seid Yami vor vielen Wochen ins Licht getreten war, war nichts mehr wie früher gewesen. Wann immer er mit seinem Kumpel verabredet war, war er still und unnahbar gewesen. Mit seinen Gedanken schien er immer weit weg gewesen zu sein, er hatte nie aufmerksam zugehört, hatte von sich aus nie ein Gespräch angefangen. Auch ihren anderen Freunden gegenüber hatte sich Yugi immer distanzierter verhalten. Bis er sich, außer mit ihm, mit niemandem mehr getroffen hatte. Es war ein Wunder, dass er seinen Abschluss geschafft hatte. Morgen war die Zeremonie in der Schule. Yoey konnte sich leibhaftig vorstellen, welch Hohn es für seinen Freund war. Überall um ihn herum würden morgen fröhliche Gesichter sein, die Stimmung ausgelassen und festlich. Und er? Er würde morgen still und teilnahmslos dabei stehen und sich verloren fühlen.
Joey kannte seinen Kumpel gut genug, um sich in seine Lage zu versetzten.
„Komm mal her."
Ohne Yugis Reaktion abzuwarten, zog er ihn in seine Arme. Er spürte, wie sein Freund zitterte und er wünschte sich, er könnte ihm irgendwie helfen. Als er Yugi wieder losließ, war eine Idee in ihm gereift. Ein vorsichtiges Lächeln stahl sich in Joeys Gesicht.
„Ich bringe dich besser mal nach Hause."
Er legte seinen Arm um Yugis Schulter und zog ihn mit sich. Sein Freund protestierte nicht, wehrte sich nicht, ließ sich einfach führen.

Eine Viertelstunde später hatten sie das Spielwarengeschäft von Yugis Großvater erreicht. Während unten der Laden eingerichtet war, befanden sich im Obergeschoss die Wohnräume der Familie.
Als Joey die Türe öffnete, erklang eine leise Glocke.
Er öffnete die Türe weit und schob Yugi hindurch. Sein Freund hatte den Weg über kein Wort mehr gesprochen.
„Herr Muto, sind Sie da? Wir sind wieder da", rief Joey in den Raum und bugsierte Yugi durch den Laden. Die Türe fiel hinter ihnen leise ins Schloss.
„Joey, Yugi, ihr seid schon zurück?"
Die Stimme eines alten Mannes ertönte irgendwo im hinteren Ladenbereich.
Als die beiden Jungen den Verkaufstresen erreicht hatten, lugte ein ergrauter Haarschopf um die Ecke.
„Na ihr beiden, war der Ausflug schön?"
Großvater Mutos Augen sahen von Joey zur Yugi und ein erschrockenes „oh" entschlüpfte seinem Mund. Schnell legte er die Karten aus der Hand, die er einsortieren wollte und kam um den Tresen herum.
„Yugi, was um Himmels willen ist mit dir passiert? Geht es dir nicht gut, mein Junge?"
Joey wollte zunächst für seinen Freund antworten, besann sich aber eines Besseren. Yugi blickte nur kurz auf und sah seinen Großvater aus schmerzerfüllten Augen an. Dann schüttelte er den Kopf, flüsterte seinem Freund ein kaum hörbares danke zu und verschwand im Hinterzimmer. Dort nahm er die Treppe in die obere Etage, ging in sein Zimmer und ließ sich niedergeschlagen auf sein Bett fallen.

Großvater Muto und Joey hatten Yugis Schritte beobachtet und als er außer Hörweite war, wandte sich der alte Mann erneut an den anderen Jungen.
„So, jetzt mal Butter bei die Fische. Was ist mit meinem Enkel passiert? Warum sieht er so verheult aus? Ihr hattet doch keinen Ärger, oder?"
Yugis Großvater hatte seine Fragen nur so herunter gesprudelt und Joey fühlte sich immer kleiner. Was sollte er dem Mann erzählen? Das war nicht seine Aufgabe, sondern Yugis. Er kratzte sich den Hinterkopf und überlegte, wie viel er sagen durfte.
„Also, äh. Wir hatten keinen Ärger und es ist nichts passiert. Jedenfalls nicht heute und nicht so direkt." Joey verdrehte innerlich seine Augen. Er laberte einen Stuss ...
„Herr Muto, warum gehen Sie nicht zu Ihrem Enkel und reden mit ihm. Vielleicht öffnet er sich doch noch. Ich kann Ihnen nichts weiter dazu sagen."
Beschwichtigend hob Joey den Arm, als der alte Mann seine Augen zu Schlitzen verengte. Doch nur einen Augenblick später entspannte er sich wieder und seufzte ergeben.
„Wahrscheinlich hast du recht. Ich werde den Laden ein wenig früher schließen und nach Yugi sehen. Danke, dass du ihn nach Hause begleitet hast. Mach es gut, Joey."
Der Junge nickte, drehte sich um und verließ den Laden. Nachdem er ein paar Schritte gegangen war, drehte er sich noch einmal zu dem Haus um und blickte nach oben.
„Oh Yugi. Ich werde dir helfen, das verspreche ich dir. Ich weiß, was zu tun ist und für dich ist es mir nicht zu schade, vor diesem Idioten auf den Knien herumzurutschen. Du wirst sehen, alles wird am Ende gut."
Mit diesen Gedanken lief Joey seinen Weg weiter voran und entfernte sich immer weiter vom Haus seines besten Freundes.

VereintStories to obsess over. Discover now