16

4 0 0
                                    

Um Punkt acht Uhr betraten sie das Zoogeschäft. Das Zwitschern von Vögel erfüllte die Luft. In einer Ecke konnte man einen Leguan hören und eine Klapperschlange klapperte. Klapperklapperklapper. Denver schlug seine Jackenaufschläge gegeneinander und klapperte zurück. Klapperklapperklapper.
Die Glocke schlug an, als die Tür hinter ihnen zufiel. "Kommeeee!" rief jemand aus dem Hinterzimmer. Eine dünne rothaarige Frau mit Green-Peace-Shirt kam hinter der Theke hervor.
"Hi", sagte Denver. "Wir suchen ein Terrarium für unseren Soh..."
Noel rammte ihm den Ellbogen in die Rippen. "Ähm, eine Spinne", beendete Denver den Satz etwas lahm.
Das Gesicht der Rothaarigen leuchtete auf. "Fabelhaft! Da haben wir ganz viele! Folgt mir, folgt mir!"
Sie wurden die Treppe hoch und in den hinteren Teil des Ladens geführt.
"Hier, seht sie euch an, und wenn ihr etwas braucht, dann klingelt mich einfach her!"
Noel betrachtete die silbernen Klingeln, die im Meterabstand überall im Laden standen. "Okay", sagte er.
Denver betrachtete die sechs deckenhohen Regale, randvoll mit Terrarien in allen Größen und Variationen und da war fast so etwas wie ein Lächeln in seinem Gesicht. Während Denver noch über die große Auswahl staunte, hielt Noel ihm bereits eines hin. "Wie wär es damit?"
Denver holte die Schachtel aus der Tasche und öffnete sie, dass Frank das Terrarium sehen konnte. "Was hältst du davon?"
Noel hörte nichts, aber Denver nickte verständnisvoll. "Ja, du hast recht, Frank. Es ist irgendwie ein bisschen... unwirtlich."
Denver hielt die Schachtel hoch, und schwenkte sie herum, damit Frank die Regale sehen konnte.
Audrey, die sich ein wenig umgesehen hatte, kam zurück. "Ich hab da mal eine Frage: Welchen Nachnamen hat Frank eigentlich? Denvers oder deinen?"
Noel zuckte bloß die Schultern. "Woher soll ich das wissen? Ich bin ja schließlich nicht seine Mutter."
Denver ignorierte ihn geflissentlich und drehte sich zu Audrey. "Er heißt Frank Lero. Der einzige wahre."
"Das ist aber keiner von euren Nachnamen..."
Denver ignorierte jetzt auch Audrey und wandte sich wieder der Schachtel zu und damit realisierte er die Tragödie. Mit Erschrecken stellte er fest, dass Frank nicht mehr in der Zigarettenschachtel war.
"Frank...", sagte er mit der Stimme eines Mannes, der nicht wahrhaben wollte, was um ihn herum passierte. "FRANK?!"
"Den, alles okay?"
"Denever! Mein Kind ist weg!"
"Wir waren uns doch einig, das wir diesen Ausdruck nicht mehr benutzen!", warf Audrey ein.
"Ich sage, was ich will! Mein Sohn ist verschwunden! Ihr müsst mir helfen, ihn zu suchen." Denver fiel auf die Knie und blickte wild um sich, wie ein Huhn, das nach Korn suchte. "Frank? Frank?"
Audrey hingegen tat das einzig Vernünftige: Sie rang die Glocke.
In 0.01 Sekunden stand die Rothaarige wie aus dem Boden geschossen vor ihnen. "Fantastisch! Was kann ich für euch tun?"
Es kam so plötzlich, dass sogar Audrey sich erschreckte. "Ähm...", sagte sie, etwas aus der Fassung. Wer wirklich aus der Fassung war, war Denver.
"Mein Sohn, mein wunderbarer Sohn, ist verschwunden", schrie er herzzerreißend. "Frankie!"
Die Rothaarige hob eine Augenbraue. "Ihr... Sohn?"
"Wir haben unsere Spinne verloren", klärte Noel nüchtern auf.
"Das ist dein Kind, du herzloser Bastard!" kreischte Denver.
Audrey stieß ihm den Baseballschläger in die Rippen. "Ja, Noel, sei nicht so herzlos."
Die Verkäuferin sagte: "Super! Wie heißt denn dein Sohn?"
"Unser Sohn", rief Denver, den Tränen nah. "Sein Name ist Frank. Frank Lero", stieß er mit tränenerstickter Stimme hervor.
Jetzt tat er Noel doch ein bisschen leid. "Denver, komm schon. Beruhig dich, Bro. Alles wird gut. Wir finden ihn. Unseren... Sohn."
Er klopfte Denver auf die Schulter. Der sah zu ihm auf. "Meinst du wirklich?"
"Äh, klar. Total."
Währenddessen wandte sich die Verkäuferin zu dem Mikrofon an ihrem Shirt. "Eine Durchsage. Der kleine Frank Lero wird von seinen Eltern vermisst. Bitte kommen Sie zur Rezeption im ersten Stock."
Kurz darauf kam die Spinne angekrabbelt. Er wirkte ein bisschen verstört, aber es ging ihm gut.
"Frank? Frankie, oh mein Baby. Es ist alles gut. Alles okay." Denver nahm Frank unter Tränen auf seine Hand. "Ich habe mir solche Sorgen um dich gemacht. Tu das deinem alten Dad nie wieder an, okay,  Schätzchen?"
"Ähm", sagte Noel. "Ich bin auch froh, dass du wieder da bist."
Delighted spider noises.
Audrey nahm einfach ein Terrarium aus der Wand, das passend wirkte und reichte es der Verkäuferin. "Wir nehmen das hier."  

NoelWo Geschichten leben. Entdecke jetzt