Mein Therapeut und ich - Part 7

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Trotz der wunderschönen Klänge der CD in der HiFi-Anlage von Jaden stieg nach und nach das Gefühl der Einsamkeit in mir auf und verstärkte sich mit jeder Sekunde, so dass ich immer trauriger wurde. Ich konnte mir dieses Gefühl und dessen Intensität einfach nicht genau erklären.

Vielleicht lag es daran, dass Jaden nicht hier war. Oder, dass ich in einer fremden Wohnung allein war. Oder, dass mein Vater gegangen war. Ich wusste es nicht. Dennoch füllten sich meine Augen mit Tränen, die ich versuchte zu unterdrücken. Einer Träne gelang jedoch die Flucht aus meinem Auge und bahnte sich den Weg über meine Wange hinweg bis sie abperlte und einen kleinen feuchten Fleck auf meinem Shirt hinterließ. Ich wischte ihre nasse Bahn auf meinem Gesicht mit dem Handrücken fort, stand auf und musste etwas tun.

Aber was?

Ich war in dieser Wohnung fremd, all meine Sachen waren nicht bei mir und ich fühlte mich nur noch befremdlicher und einsamer. Verlorener.

Mein Blick streifte zufällig die Küchentür. Da fiel mir wieder ein, dass mein Magen bereits vor einer Weile lautstark nach Nahrung gebrüllt hatte. Ich schaute auf die Uhr und stellte fest, dass es bereis weit nach 12 Uhr war und ich vermutlich deshalb Hunger hatte. Denn in der Klinik gab es immer pünktlich 11:30 Uhr Mittagessen im Speisesaal. Aber was sollte ich essen? Jaden hatte zwar eingekauft, aber soweit ich wusste, war das nur für das Frühstück gedacht. Ob er auch etwas für das Mittagessen besorgt hatte?

Neugierig und halb verhungert durchstöberte ich Jaden's Kühlschrank und Schränke auf der Suche nach etwas Essbarem und nach Töpfen. Letztendlich fand ich einen Sack Kartoffeln, frisches Hackepeter, Zwiebeln, Porree, Käse etc. und hatte sofort mein Lieblingsgericht vor Augen. Kartoffelauflauf. Ich liebte den Kartoffelauflauf von meiner Großmutter. Der war immer so unglaublich lecker und herzhaft, dass ich manchmal sogar so gierig war und noch mal Nachschlag verlangte. Meine Großmutter hatte dies immer gefreut, und mich auch!

Kartoffelauflauf klang prima. Und lecker! Allerdings wird dieser in einer Auflaufform angerichtet und im Backofen gebacken. Den Backofen habe ich gefunden, Töpfe und Deckel auch. Aber eine Auflaufform? Wieder durchsuchte ich die Schränke, öffnete Schranktüren, schloss diese wieder, zog Schubladen heraus, schob sie wieder hinein, hüpfte von einer Schranktür zur Nächsten, schob Töpfe und Pfannen erfolglos hin und her und dachte schon, dass Jaden gar keine Auflaufform hätte. Doch dann wurde ich  letztendlich doch noch fündig. Im untersten Schrank hinter einer Reihe von Thermoskannen entdeckte ich sie. Eine gläserne Auflaufform! Ich war begeistert! Diese Auflaufform war schön groß und schwer, da passen bestimmt 3 - 4 Portionen des köstlichen Auflaufs hinein. Nur ein wenig schmutzig sah sie aus, aber das konnte ich mit ein wenig Wasser und Fit problemlos ändern. Aber wieso hatte Jaden so viele Thermoskannen? Ob er die alle mit auf Arbeit nahm?

Ich machte mich an die Arbeit. Erst heizte ich den Backofen schön ein, dann wusch ich die Glasauflaufform ab, schälte Kartoffeln, schnitt sie in schmale Scheiben, säuberte den Porree, schnitt diesen ebenfalls in Scheiben, wie auch die Zwiebeln, rührte eine Soße an und würzte diese und schichtete alles nacheinander in die Auflaufform. Als ich sie befüllt anhob, um sie in den Backofen zu setzen, merkte ich erst, wie schwer sie war! Ich eierte in der Küche herum, stolperte zum Backofen, öffnete mit dem Fuß die Ofentür und schob das schwere Ding hinein. Uff, war das schwer! Und da sage einer mal, Küchenarbeit ist leicht. Haha! Hier stemmt man ordentlich Gewichte!

Während der Auflauf im Backofen brutzelte, rieb ich den Käse mit einer Käseraspel klein, damit er schön krümlig wurde und sich besser auf dem Auflauf verteilen ließ. Nach ca. 30 Minuten schaute ich nach dem Essen, welches bereits köstlich duftete und mir das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ. Wundervoll! Ich zog die Ofentür auf, holte die Auflaufform hervor und verteilte den geriebenen Käse auf dem Auflauf ehe ich alles wieder zurückschob und die Backofentür verschloss.

Mein Therapeut und ichWo Geschichten leben. Entdecke jetzt