Mein Therapeut und ich - Part 10

739 49 22

Ich übernachtete hier bei Jaden und verbrachte den gestrigen Tag mit ihm, frühstückte und kochte mit ihm, sinnierte mit ihm auf der Couch oder in der Küche etc. hatte aber gleichzeitig keine Ahnung, auf welcher Basis all dies geschah. Sind wir noch immer Therapeut und Patientin oder mittlerweile Freunde oder mehr?

Irgendwie traute ich mich nicht Jaden beim Frühstück anzusprechen und zu fragen, ob er noch mein Therapeut ist oder nicht.

Jaden schien heute so gedanklich abwesend zu sein, denn er nahm weder sein Frühstück noch mich heute richtig wahr. Ich hätte seine Gedanken gern gelesen, um seinen nachdenklichen Gesichtsausdruck besser verstehen zu können. Aber Gedanken lesen ist leider nicht meine Stärke. Geschweige denn Mimik und Gestik richtig einordnen zu können. Manchmal hatte ich so eine Ahnung bei Jaden, aber ich war mir nie ganz sicher, ob ich damit richtig lag. Jetzt hingegen hatte ich gar keine Idee, was ihn beschäftigen könnte. War es sein Job? Seine Schwester? Ich? Ich hatte absolut keine Ahnung und beobachtete ihn vorsichtig aus den Augenwinkeln bis er das Frühstück mehr oder weniger aufgab und duschen ging.

Da saß ich nun.

Allein und irgendwie auch verlassen am Frühstückstisch und hatte keine Ahnung, wie es weitergehen sollte.

Im Hintergrund hörte ich das leise Rauschen der Dusche und das männliche Summen eines Liedes. Ich hörte genau hin, was Jaden da unter der Dusche summte, doch ich erkannte den Song nicht. Dennoch fand ich es toll, ihn zu hören.

Das Rauschen der Dusche verstummte nach einer Weile, Schritte tapsten durch das Bad, eine Tür wurde geöffnet und Jaden stand vor mir. Er war nur in ein hellblaues Badetuch, welches er um seine Hüften geschwungen hatte, bekleidet. Darunter war er nackt. So nackt wie seine Füße, die auf dem Boden dezente feuchte Spuren hinterließen. Seine Haare rubbelte er sich mit einem kleineren Handtuch im Gehen trocken.

Er sah heiß aus! Zu mehr denken war mein Hirn bei diesem atemberaubenden Anblick einfach nicht mehr fähig. Stattdessen klebten meine Blicke auf seinem Körper und betrachteten Zentimeter für Zentimeter seiner nackten frei liegenden Haut. Jaden sah gut durchtrainiert aus, leicht muskulös, aber nicht zu übertrieben wie manch ein Bodybuilder. Kleine dunkle Härchen bildeten eine dezente Bahn vom Handtuchsaum hinauf zu seinem Bauchnabel. Ebenso verteilte sich eine leichte dunkle Behaarung auf seiner Brust, aber so dezent, dass es sich bestimmt wundervoll anfühlte, ihn dort zu berühren. Und dann erst die Bewegung seiner Brustmuskeln. Himmel! Wo ist dieser Mann nur gebacken worden?!

Mir wurde heiß. Sehr heiß.

Ich spürte bereits wie mir die Röte ins Gesicht klettern wollte.

Dennoch konnte und wollte mein Hirn nicht aufhören, mir Bilder in meinen Kopf zu zaubern.

Ich sah mich, wie ich auf Jaden zuschritt, ihm das Badetuch von seinen Hüften riss, seinen knackig wohlgeformten Po mit meinen Händen berühre und ihn leidenschaftlich küsse, er meinen Kuss ebenso hingebungsvoll erwidert und …

Ein Klingeln riss mich aus meinen heißen Gedanken und ich sah verwirrt hoch.

Jaden stand noch immer da. Was ihm wohl gerade durch den Kopf ging?

Er schüttelte sein Haupt, legte sich das kleine Handtuch um seinen Nacken und öffnete die Tür.

“Guten Mor... Junge! Zieh dir bitte etwas über, sonst sterbe ich noch an einem Herzinfarkt!”

Eine kleine Dame älteren Alters stand vor Jadens Tür und starrte ihn genauso genüsslich an, wie ich nur wenige Sekunden zuvor.

“Oh... Guten Morgen, Eveline. Wie kann ich dir helfen?”

Mein Therapeut und ichWo Geschichten leben. Entdecke jetzt