9. Kapitel ~ Harry

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Harrys Pov

Ich befand mich gerade in der Küche, nahm einen Schluck von meinem Kaffee und dachte über die letzten Stunden nach. Ich hoffte wirklich, dass der junge Wolf bald fähig war mit mir über seine Vergangenheit zu sprechen, doch seine Wunden gingen vor. Er sollte sich zu aller erst komplett erholen, bevor ich ihn ausfragen würde. Meine Gedanken wurden von lauten, hektischen Schritten unterbrochen. Fragend drehte ich mich zur Tür und erblicke einen überforderten Liam, was mich ziemlich irritierte, denn Liam war niemals überfordert. Wirklich niemals.

  "Liam, was ist denn lo-"

  "Er ist ein Omega, Harry! Um Gottes Willen! Er hat sich gerade zurückverwandelt und ab da konnte ich es erst riechen! Wie konntest du das nicht spüren?! Verdammt, er ist ein Omega! Und-"

  "Ich weiß!", unterbrach ich meinen Arzt etwas schroff, doch zu sagen, ich hätte es nicht bemerkt, dass sich ein junger Omega in unserem Haus befand, mochte ich so gar nicht hören. Sonst würde man mich als Fehler, als nutzlos, als abnormal halten. Anscheinend hatte meine Stimme gewirkt, denn Liam sah zu Boden und wimmerte leise. Es war ein Zeichen für eine Entschuldigung, die ich annahm. Leise seufzte ich. "Ist schon okay, Liam, aber bitte behaupte niemals wieder, ich könne so etwas nicht bemerken. Sobald er hier war, habe ich es bemerkt. Deshalb habe ich nun etwas Abstand gehalten", sprach ich weiter und trank dabei meinen Kaffee zu Ende. Ich konnte keinen Tag ohne dieser schwarzen Brühe aushalten, denn für mich ist sie ein Lebenselixier.

  "Aber Harry, du weißt, was das bedeutet? Du bist ein Alpha, er ein Omega und-", erklärte Liam prompt, doch ich unterbrach ihn ein weiteres Mal. Jedoch erst mit einem Handzeichen, danach nahm ich auf einen Stuhl platz.

  "Ich weiß, Liam, aber wie stellst du dir das vor? Er ist verletzt, er hat Angst und kennt uns noch nicht so gut. Und da soll ich, der Alpha, einfach zu ihm gehen, ihm klar machen, dass er mein ist und ihn anschließend markieren, während ich Sex mit ihm habe?" Gegen Ende wurde meine raue Stimme lauter, denn es machte mich leicht wütend, dass Liam so darüber dachte. Natürlich muss ich den weißen Omega zu meinem machen, aber nicht so. Ich möchte ihn kennenlernen und genauso soll er mich kennenlernen. Ich wollte kein Alpha sein, der machte, was er wollte. Der seinen Partner mit Zwang zum Partner machte und der sein Rudel nicht respektierte. Ich möchte meinen Partner lieben und er sollte es auch.

Ich möchte nicht, wie mein Vater sein, denn das hatte ich mir geschworen, als er starb und ich seinen Platz einnahm. Er hatte zu viel kaputt gemacht. Meine Kindheit, meine Freunde, mein Rudel und meine Mutter. Bei dem Gedanken an meine Mutter seufzte ich laut auf. Ich vermisste sie. Doch lange konnte ich nicht an sie denken, denn Liams Worte gingen mir erneut durch den Kopf.

  "Moment! Er hat sich zurückverwandelt? Ich muss sofort zu ihm! Ist jemand bei ihm? Wie kannst du ihn alleine lassen?", brabbelte ich voller Eifer und sprang vom Stuhl auf. Ich würde mich zusammenreißen müssen, denn in seiner menschlichen Gestalt war sein Duft stärker. Erst jetzt nahm ich ihn auch richtig auf. Ouh, er roch verdammt gut.

  "Harry? Liam? Habt ihr Eva gesehen? Ich kann sie nicht finden!" Hysterisch und Ängstlich kam Perrie in die Küche gestürmt. Ihre Augen waren weit geöffnet und ihre Haare waren ein wirres Durcheinander. Doch ich konnte sie verstehen. Ihr Kind war nicht hier und eine Wolfsmutter ist wohl die beste Mutter auf Erden.

  "Zoé ist bei Zayn, aber ich finde Eva nicht. Ich habe es ihm noch nicht gesagt, sonst bricht eine große Panik aus. Du weißt doch, wie er ist und oh mein Gott, ich habe mein Kind verloren. Was ist, wenn sie alleine raus gegangen ist? Wenn sie sich verletzt hat? Oder sie jemand entführt hat? Ich würde mir das niemals verzeihen können." Hektisch fuhr sich die Blondine durch die Haare, was mich zum Schmunzeln brachte. In solchen Momenten vergaß sie, dass sie ein Wolf war, doch es ist normal. Sobald junge Mütter ihre Kinder nicht in der Nähe hatten oder sie nicht sahen, brach sofort Panik aus.

  "Ganz ruhig, Perrie. Du musst dich beruhigen und dann merkst du, dass ihr Geruch ganz stark ist, was heißt, dass sie in der Nähe ist. Und ich glaube, ich weiß wo sie sich befindet. Lasst uns doch in die Garage gehen."


Sweet Creature [Larry]Where stories live. Discover now