Weiße Flocken fallen vom Himmel, bedecken alles mit einer zarten Schicht und tauchen Dächer und Strassen in ein glitzerndes Paradies. Verträumt betrachte ich die Schneekugel in meiner Hand und schaue das Paar sehnsüchtig an, das sich vor dem Rockefeller Center küssend in den Armen liegt, während hinter ihnen der funkelnde Christbaum steht und alles in ein Meer aus Lichtern taucht.
So sollte man sich fühlen, denke ich seufzend und frage mich, wann ich mich das letzte Mal so gefühlt habe. Beschwingt und voller Glücksgefühle, die durch meine Adern geflossen und ein Feuerwerk in meinem Herzen entfacht haben.
Das ist schon so lange her, dass ich es ganz verdrängt habe. Denn genauso habe ich mich gefühlt, als ich damals durch Zufall an genau diesem Rockefellercenter mit einem Mann zusammengestoßen bin.
Es war wie im Film, wir sahen uns in die Augen und weg war der Ärger. Geblieben war nur die Faszination für den jeweils anderen. Seine Augen schimmerten wie flüssiger Bernstein und die weichen Züge um seinen lieblichen Mund, sahen mehr als einladend aus. Wir lächelten uns an, während mein Herz wie verrückt in meiner Brust schlug.
Vom Himmel fielen Schneeflocken auf uns herab und der hell erleuchtete Christbaum im Hintergrund zauberte eine romantische und mehr als weihnachtliche Atmosphäre. Ich nahm die vielen Besucher gar nicht mehr wahr, denn nur sein Gesicht zog meine Aufmerksamkeit auf sich.
Er zog eine Augenbraue nach oben, als er mir eine braune Haarsträhne aus dem Gesicht strich, die mir ärgerlicherweise immer wieder in die Stirn fiel. Seine warmen Finger zogen eine unsichtbare Spur über meine Schläfe und ließen Schmetterlinge in meinem Bauch herumflattern.
Bis dahin hatten wir kein Wort gesagt, was auch nicht sein musste, denn der Augenkontakt war mehr als genug. Im Hintergrund spielte jemand Weihnachtsmusik, die leise in meine Ohren drang. Es war einfach magisch, anders kann ich es gar nicht beschreiben. Der Mann war attraktiv und ich war neu in der Stadt, es glich einem Klassiker und doch war es das reale Leben.
Der Song handelte von heimlichen Küssen unter dem Mistelzweig und vielleicht deswegen, beugte sich der Mann zu mir runter, lächelte und küsste mich. Ich war zuerst wie gelähmt, doch dann ergriff ich die Chance und erwiderte den Kuss. Mein Herz ging vor Wärme auf, wie ein Hefeteig im Warmen und alles um mich herum verschwamm zu einem rosa Etwas, welches glitzerte und mit den Sternen um die Wette funkelte.
Als wir uns von einander lösten und in die Augen sahen, lächelte er noch immer charmant. Ich war völlig eingenommen von all den Eindrücken um mich herum, dass ich das, was danach passierte, gar nicht wahrnahm. Denn im einen Augenblick lag ich noch im Arm dieses Fremden und im anderen stand ich einsam und verlassen mitten auf dem Platz.
Ich fragte mich die ganze Zeit, ob ich mir das alles nur zusammen fantasiert hatte, oder ob es wirklich passiert war. Denn ich hatte keinen Namen, keine Adresse, nichts, was auf den Verbleib dieses Mannes verwies. Wie gesagt, war ich neu in New York und kannte bis dahin nicht viele, außer meiner Zimmernachbarin Josephine.
Sie arbeitete in einem irischen Pub, welches ein wenig heruntergekommen war, aber es tummelten sich viele die unterschiedlichsten Gäste darin. Nur wenige Stunden zuvor trank ich mein zweites Bier, während im Hintergrund Fairytale of New York lief. Ich lauschte der leicht besoffen klingenden Stimme des Sängers.
Die anderen Gäste grölten den Song ab der Mitte aus voller Kehle mit und verwandelten das Pub in ein irisches Volksfest, welches mein Herz aufreget in meiner Brust wie ein Jojo auf und ab hüpfen ließ. Josephine verabschiedete sich ziemlich schnell, nachdem sie mit einem anderen Studenten rumgeknutscht und ich mich, wie das fünfte Rad am Wagen gefühlt habe, sodass ich mich um nicht mal zwanzig Uhr auf den Weg nach Hause machte. Nur, dass ich nicht nach Hause ging, sondern um kurz vor neun am Rockefellercenter ankam, wo mich der Fremde aus hellheiterem Himmel küsste.
Das ist jetzt vier Jahre her, in der Zwischenzeit habe ich meinen Abschluss in Kommunikationswissenschaften gemacht und stehe nun vor der Frage, was ich mit dem Rest meines Lebens anstellen soll. Das ich über Weihnachten meinen Eltern in ihrer Confiserie helfen soll, kommt mir da gerade recht. Denn so kann ich mich vor der quälenden Frage und der ungewissen Zukunft ablenken, die auf mich zusteuert.
Ich bin zweiundzwanzig, habe nur ein Praktikum in einer PR-Agentur und wohne in einer Schuhschachtel. Also verkörpere ich alle Klischees, die es so gibt und lebe bis jetzt ganz gut damit. Doch ich merke immer mehr, dass mich das nicht ausfüllt.
Wie ich das ändern kann ist mir noch immer schleierhaft und wird es wohl auch noch so lange bleiben, bis ich mich dazu durchringen kann, mich dem zu stellen, was mich ängstigt. Nämlich mutig zu sein und etwas zu wagen.
Das Klingeln reißt mich aus der Vergangenheit und katapultiert mich zurück in die Gegenwart. Das wird mein Taxi sein, denke ich. Blinzelnd stelle ich die Schneekugel zurück an ihren Platz und schnappe mir meinen neongrünen Rollkoffer, der fast aus allen Nähten platzt, denn mein Hang viel zu viel mitzunehmen wurde mir praktisch in die Wiege gelegt.
Mit den Erinnerungen im Herzen und der leichten Angst, was mich in Vail Colorado erwartet, trete ich nach draußen in die Kälte. Vielleicht bin ich ja überrascht und es gefällt mir so gut, dass ich dort bleibe oder ich haue gleich nach den Feiertagen ab und verbringe Silvester irgendwo in Thailand am Strand, während ich leckere Mai-Tai schlürfe und mir die Sonne auf den Bauch scheinen lasse.
Wer weiß das schon so genau.
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Mit diesem Kapitel läute ich die Adventszeit auf diesem Account offiziell ein! Ich hoffe wirklich, dass euch die Geschichte gefällt und, dass ihr davon verzaubert werdet und euch mit jedem weiteren Kapitel noch mehr auf Weihnachten freuen könnt.
eure Adelaide
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Falling Snow
RomanceDie einundzwanzig jährige Jenna packt ihren Koffer, um über Weihnachten zu ihren Eltern nach Vail, Colorado zu fliegen, um ihnen unter die Arme zu greifen. Aber Jenna macht das nicht nur aus Nächstenliebe, sondern auch, weil sie eine Auszeit von New...
