Die Sonne brannte von einem wolkenlosen Himmel, doch im Park zwischen den Bäumen war es angenehm kühl. Lachend drehte sich das kleine Mädchen zu seiner Mutter um. "Hey, Mama! Hast du gesehen, wie toll ich schon ein Rad schlagen kann?" Die Mutter lächelte. "Natürlich, Hatsu. Das kannst du ganz großartig." Nun kam auch Hatsus Vater mit ihrem kleinen Bruder auf dem Arm hinzu. "Wer möchte ein Eis?", fragte er die Kinder. "Ich, ich!", riefen die Geschwister wie aus einem Mund. Der Vater stellte den Jungen auf den Boden und zauberte zwei kleine Eispackungen aus seiner Tasche. Sofort begannen Hatsu und ihr Bruder, sich um diese zu streiten. "Ich will Schoko!", schrie Hatsu. "Aber du hattest letztes Mal schon Schoko!", schmollte ihr Bruder. "Genug, Kinder!", ging die Mutter dazwischen, "Jeder von euch isst die Hälfte von jedem Eis, dann könnt ihr beide Schoko haben." Hatsu verzog das Gesicht, während ihr Bruder ihr die Zunge herausstreckte. "Dann darf ich aber zuerst Schoko haben.", ging sie widerwillig auf den Kompromiss ein. Der Vater reichte ihr die Eispackung, dem Bruder die Andere. "Und warum darf Hatsu zuerst?", fragte er vorwurfsvoll. "Weil deine Schwester heute ihren zehnten Geburtstag hat. An deinem nächsten Geburtstag darfst du zuerst Schoko haben.", erklärte die Mutter geduldig. Sie blickte sich verträumt im Park um. Ägypten war schon immer ein Land der Krisen gewesen, doch es gab auch eine schöne, friedliche Seite. Dieser Park war ein Beispiel dafür. Es gab viele Gerüchte über seine Entstehung, viele Menschen hielten ihn für ein Zeichen des schlechten Gewissens der Overwatchagenten, die das Land aufgrund der Sache mit der Gott-KI beinahe zerstört hätten, doch die Mutter hielt ihn einfach nur für ein Zeichen von Mitgefühl. Auch wenn die Organisation schon seit Langem nicht mehr existierte, hatte sie der Welt doch so viel Gutes getan. Lächelnd richtete sie ihren Blick wieder auf ihre Kinder, die nun friedlich im Schatten einer großen Palme ihr Eis aßen. Sie war froh, dass die beiden erst nach der 2. Omnickrise geboren worden waren. Sie hätte es nicht ertragen können, ihre Familie in Gefahr zu sehen.
Auch der Vater beobachtete die Kinder. Er hoffte für sie, dass die Zukunft ihnen nur Glück und keine Gefahren bringen würde. Er selbst hatte seine Eltern in der 2. Omnickrise verloren und war in einem Waisenheim aufgewachsen. Wie all die anderen Kinder hatte er gespannt den Geschichten über die Heldentaten der Overwatchagenten gelauscht, genau wie die anderen war er stolz gewesen, dass eine Ägypterin zu dieser legendären Eingreiftruppe gehörte. Es hatte ihn mit Stolz für sein Land und sein Volk erfüllt. Ebenso hatte ihn der Untergang von Overwatch stark getroffen, zumal kurz zuvor auch seine persönliche Heldin, Ana Amari, verstorben war.
Die Kinder ahnten nichts von den schwermütigen Gedanken ihrer Eltern. Während sie ihr Eis aßen, spielten sie im sandigen Boden Seneti, eine Variante des altägyptischen Brettspiels Senet. Das Spiel nahm sie so in Anspruch, dass sie komplett vergaßen, ihre Eispackungen zu tauschen, was sie allerdings auch nicht weiter zu stören schien. Hatsu versuchte gerade, ihrem Bruder die Regeln für das "echte" Senet beizubringen.
Die Familie war so beschäftigt, dass sie nicht bemerkte, wie sich ein dunkler Schatten über den Park legte. Erst als einige der anderen Parkbesucher anfingen, sich laut über dieses Ereignis zu wundern, bemerkten zuerst die Eltern den seltsamen Schatten. Die Kinder wurden erst darauf aufmerksam, als der Schatten sich vor die Sonne schob und es schlagartig dunkler und kälter wurde. "Mama? Was ist das?", fragte Hatsu ängstlich. "Ich weiß es nicht, mein Schatz.", antwortete die Mutter, die sich größte Mühe gab, damit ihre Kinder nicht ihre eigene Angst und Verwirrung bemerkten. Der Vater nahm Hatsus kleinen Bruder in den Arm, der verängstigt zu ihm gekrochen war. Hatsu selbst drückte sich mit dem Rücken an die Palme, unter der sie saß. Sie hatte ihr Eis fallen gelassen und starrte nun mit wachsendem Entsetzen in den Himmel. Der Schatten kam immer näher auf den Boden zu, die ersten Leute verließen fluchtartig den Park. Langsam begriffen die Ersten, um was es sich handelte. "Alle weg hier, das ist eine Omnicarmee!", brüllte ein Parkaufseher. Die Verwirrung der Leute verwandelte sich in blanke Panik. "Raus, weg, sucht Schutz!", riefen nun alle Anwesenden durcheinander. Sie rannten ziellos durch den Park, auf der Suche nach Schutz. Auch Hatsus Eltern sprangen auf und versuchten, mit ihren Kindern aus dem Park zu flüchten. Doch sie kamen nicht sehr weit, an allen Ausgängen hatten sich dicke Knäule von Parkbesuchern gebildet, die diesen alle auf einmal schlagartig verlassen wollten. Trotzdem drängten sich auch Hatsus Eltern mit ihren Kindern in die Menge, in der Hoffnung, sie könnten den Park doch noch rechtzeitig verlassen.
Im Gewimmel wurde Hatsu von ihrer Familie getrennt. Sie versuchte nach ihrer Mutter zu rufen, nach ihrem Vater, ja, selbst ihren kleinen Bruder rief sie, aber sie bekam keine Antwort. Die Leute um sie herum waren viel zu beschäftigt damit, sich selbst in Sicherheit zu bringen, als das sie das kleine Mädchen bemerkt hätten. Hatsu wurde immer weiter nach vorne gedrängt, durch Lücken, die für Erwachsene viel zu klein gewesen wären, wurde das Mädchen aus dem Park geschoben. Die Leute taten dies unbewusst, aber Hatsu stand trotzdem nach einer Weile vor dem Park. Sie streckte sich, versuchte in der Menge ihre Familie zu erblicken, aber sie konnte sie nicht finden. Als sie versuchte, wieder in den Park zu kommen, wurde sich von den vielen Leuten einfach wieder nach vorne geschoben. Plötzlich hörte man aus dem Park die ersten Schüsse. Die ohnehin schon gewaltige Panik der Leute steigerte sich ins Unermessliche, im Weg stehende Leute wurden einfach überrannt, um den Park schnellstmöglich verlassen zu können. Auch die kleine Hatsu hätte wohl dieses Schicksal getroffen, wäre sie nicht von einer jungen Frau davongezerrt worden. Das Mädchen stand unter Schock. Die junge Frau setzte es vorsichtig in einem leeren Hauseingang ab, dann rannte sie zurück zum Parkeingang. "Alle raus aus diesem Park!", hörte Hatsu sie noch rufen, dann war ihre Retterin schon wieder in der Menge verschwunden. Leise begann Hatsu zu weinen. Sie wollte zurück zu ihrer Mutter und ihrem Vater, sie wollte nicht allein in diesem Hauseingang sitzen! Wenn doch wenigstens die Frau geblieben wäre... Hatsu kamen wieder die Geschichten in den Sinn, die ihre Eltern ihr über Overwatch erzählt hatten. Mutig seien die Agenten gewesen, sie hätten immer wieder die Welt gerettet. "Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, um die Welt zu retten", murmelte Hatsu in sich hinein. In der Schule hatte sie zwar gelernt, dass Overwatch schlussendlich böse geworden wäre, aber das wollte sie nicht glauben. Für sie waren die Overwatchagenten Helden, und sie wollte so sein wie sie. Sie wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. Wenn sie eine Heldin sein wollte, dann durfte sie nicht weinen. Sie musste stark sein. Für ihre Familie. Und für die Overwatchagenten. Denn eines wusste Hatsu sicher: Die Welt konnte nie genug Helden haben, und sie wollte dazu gehören!
KAMU SEDANG MEMBACA
The Ghost Watches - Eine Overwatch FanFiction
Fiksi PenggemarOverwatch wurde zerschlagen, die ehemaligen Agenten sind auf sich allein gestellt. Das Zusammenleben von Mensch und Maschine ist schwieriger denn je. Durch das Untergrundnetzwerk Talon ist eine alte Gefahr zu neuer Stärke gelangt. Aber es gibt Hoffn...
