46. Von hinten aus dem Vakuum

289 29 2
                                    

Schon als Denowjai die Hangartür erreicht hatte wusste er, dass etwas dort drinnen nicht stimmte. Die Schüsse der Laserkanonen und Schreie der verwundeten von jenseits der Tür waren ein ziemlich deutlicher Hinweis. Ein kräftiger Tritt mit Denowjais eisenbeschlagenen Stiefeln und die Hangartür flog auf. Ein Schuss zischte an seinem Kopf vorbei, und der neben ihm laufende Leutnant stolperte mit einem Schrei zurück.

Denowjai packte ihn am Kragen und zerrte ihn in eine Nische. Nur eine Armwunde, und der Kerl war schon bewusstlos. Erbärmlich.

Soldaten flüchteten aus dem Hangar in den Gang, manche humpelnd, manche rennend. Auch Niromet hatte es in die relative Sicherheit des Korridors geschafft.

„Da sehen Sie, was passiert, wenn Sie nicht auf mich warten", knurrte Denowjai und hielt Niromet seine Ersatzwaffe hin. „Nehmen Sie meine zweite Pistole und feuern Sie was das Zeug hält! Du!" Er winkte einen relativ unbeschädigten Soldaten herbei. „Finde heraus, wo sich unsere feine Frau Doktor hin verkrochen hat und sag ihr, wenn wir je die Verteidigungsanlagen dieser Station gebraucht haben, dann jetzt!"


(<>..<>)


„Und Sie glauben, das funktioniert?" Professor Narrtig wanderte mit zweifelndem Gesichtsausdruck um die U3-Maschine herum.

„Ich habe keine Ahnung", erwiderte Halsur. „Ich weiß nur, dass Nurazim es behauptet hat."

„Ah! Nehmen Sie diesen Namen nicht in den Mund. Ich weiß noch, wie er am Rednerpult stand und sagte ‚Ich hätte das nie von ihnen gedacht, Professor Narrrtig' - mit einer Stimme triefend vor Abscheu, und so ernst als spräche er auf einer Beerdigung! Was hätte ich denn anderes tun sollen als Geld für meine Privatprojekte zu unterschlagen? Die Projekte, die der Kongress beschlossen hatte zu unterstützen waren völlig unsinnig, und reine Geldverschwendung!"

„Trösten Sie sich mit dem Gedanken, dass er wie all die anderen großen Genies von Kopf bis fuß bandagiert im Krankenhaus liegt."

„Mmmhhhh..." Narrtig seufzte genießerisch. „Könnten Sie das noch einmal sagen? Das zergeht einem ja richtig auf der Zunge."

„Später. Hier sind Professor Nuraz- ich meine Sie-wissen-schon-wessen Berechnungen."


„Hm Hm..." Mit gerunzelter Stirn blätterte Narrtig die Notizen durch. „Ach nein, was für ein Blödsinn! Nur ein Trottel wie er könnte sich so etwas ausdenken! α=Ω? Was für ein Schwachsinn! Es ist doch sonnenklar, dass das heißen muss: Ω=α+37,5."

„Ich lasse Sie dann mal allein", meinte Halsur. „Sagen Sie mir, wenn Sie soweit sind, dass wir die Maschine starten. Nur... wir haben wahrscheinlich nicht unendlich Zeit, bitte versuchen Sie daran zu denken."


(<>..<>)


Niromet fand Doktor Chu in der Jäger-Kommandozentrale.

„Was suchen Sie hier, Doktor Chu? Sie sollten doch die Abwehranlagen des Raumschiffs aktivieren!"

„Das habe ich auch, Herr Niromet." Kühl wie ein Eisberg steckte sich die hagere Frau eine dünne, schwarze Zigarette an. Mit ihrer rechten Hand betätigte sie ein paar Tasten, und ein rotes Licht leuchtete auf dem Bildschirm vor ihr auf. Sie schüttelte den Kopf. „Aber die Eindringlinge benutzen unsere eigenen Raumschiffe. Unser Verteidigungssystem ist darauf programmiert, unsere eigenen Schiffe nicht zu treffen."

„Dann programmieren Sie es gefälligst um!"

„Das würde einige Wochen dauern, und es hätte einige unangenehme Nebeneffekte. Wie zum Beispiel, dass sich alle Türen der Station ohne ID-Karte öffnen ließen, und dass keine unserer Feuerwaffen mehr funktionieren würde. Die gesamte Station wäre innerhalb weniger Stunden in den Händen der Eindringlinge."

„Aber das eine Raumschiff dort, die Turtelnde Taube, das gehört nicht zu unserer Flotte. Ich befehle Ihnen, es zu zerstören."

„Und ich weigere mich. Ich mag so aussehen, aber ich bin nicht vollkommen wahnsinnig. Nach einer Röntgen- und Sonaruntersuchung bin ich fast hundertprozentig sicher, dass sich die U3- Maschine tatsächlich an Bord dieses Raumschiffs befindet. Wen wir sie treffen, sind wir alle so gut wie tot."

„Na gut", knurrte Denowjai. „Wenn der schlauen Frau Doktor nichts einfällt, müssen wir uns eben auf altbewährte Militärmethoden verlassen."

Er packte einen der Soldaten am Arm die ihn und Niromet zur Kommandozentrale eskortiert hatten.

„Hey, du da!"

„Ja, Sir?"

„Geh beim Raumhangar B vorbei und richte Kapitän Rsnaz aus, er soll alle seine Schiffe startklar machen! Ich komme in 5 Minuten nach."

„Jawoll, Sir!"

„Und sag den Soldaten die noch im Hangar sind sie sollen sich zurückziehen. Ich brauche sie woanders."

„Ja, Sir!"


(<>..<>)


„Spinnen meine Augen, oder ziehen die sich zurück?"

Vorsichtig spähte Zackopfab um die Ecke des Raumschiffs hinter dem er Deckung gesucht hatte.

„Nein, du hast vollkommen recht", meinte Eeea. „Sie haben das Feuer eingestellt. Ich frage mich, was sie vorhaben. Könnten sie uns irgendwie eine Falle stellen?"

„Klar." Der Kopfgeldjäger betrachtete durch zusammengekniffene Augen den Laserpointer seiner Pistole, hauchte, und putzte ihn mit dem Hemdsärmel. „Sie könnten da vorne im Gang eine Grube graben oder eine Schlinge auslegen. Aber wir müssten ja schon gewaltig bescheuert sein, da rein zu laufen."

„So habe ich das nicht ganz gemeint. Gibt es noch irgendeinen anderen Eingang in den Hangar?"

„Nur den durch den wir hereingekommen sind. Die Außentür zum Weltraum."

„Die Außentür zum Weltr- Oh verdammte! Sie wollen uns in den Rücken fallen!"

Eeea stecke ihre Laserpistole weg und rannte ins Cockpit.

„Sofort das Raumschiff wenden, Nhol. Die Geschütze auf den Hangarausgang richten, und den Befehl an alle anderen Schiffe weitergeben!"

„Wer gibt hier eigentlich die Befehle?" brummte der Pilot. „Immerhin ist das mein Schiff."

„DREH GEFÄLLIGST UM!"

„Ja, ja. Reg dich ab, ich bin ja schon dabei."

———————————————————————————————————————————

Ich hoffe das Kapitel hat euch gefallen. Sorry dass es letzte Woche keines gegeben hat, das große Familientreffen an Ostern kam dazwischen ;)

LG

Robert

U3 - Unternehmen umgedrehtes UniversumWo Geschichten leben. Entdecke jetzt