Live

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Heaven

Mein ganzer Körper schmerzte, trotzdem fühlte ich alles um mich herum. Ich spürte die Wölfe, die toten Vampire, Tegan und mich selbst. Meine Kraft, meine Macht begann sich zu regenerieren und wie so oft, machte sie dabei einen Evolutionssprung. Es tat höllisch weh. Jedes mal aufs Neue, fühlte ich mich der Schwelle des Todes nahe, was ich auch war. Genau wie der Rest der übernatürlichen Kreaturen auf der ganzen Welt. In Zeiten wie diesen, waren alle schwach und verletzlich. Etwas was mich nie gestört hatte. Denn sie waren noch immer machtvoll und in der Lage sich zu verteidigen. Oder alles um sie herum zu zerstören.

Meine Sorge galt mehr mir selbst, so egoistisch es sein mochte. Das mächtigste Wesen auf Gottes schöner Erde zu sein, brachte Probleme mit sich. Zum Beispiel diese Macht zu verbergen und nicht daran zu sterben. Mein Körper war nach allem nicht endlos belastbar. Auch ich konnte sterben und mit mir würden alle meine Kinder sterben. Jedes Einzelne von ihnen. Jede Hexe, jeder Wolf, Werwolf und Vampir.

Etwas, das ich nicht zulassen konnte. Egal wie oft ich hatte sterben wollen. Sie waren immer der Grunde gewesen, weshalb ich es nicht getan hatte. Sie und meine Liebe zu jedem Einzelnen von ihnen. Mein Pflichtgefühl. Denn letzten Endes hatte ich die Existenz eines jeden Einzelnen zu verantworteten. Aber konnte ich wirklich für immer auf dieser Welt bleiben, nur damit sie überlebten? Ich war so alt, so müde. Hatte ich nicht lange genug durchgehalten? War es nicht genug?

„Heaven“, drang eine leise Stimme an meine Gedanken.

„Bitte wach auf.“

Ich wollte nicht. Ich wollte schlafen und nie mehr aufwachen. Ich konnte nicht einfach aufstehen und so weitermachen. Es ging nicht.

„Bitte. Ich liebe dich.“

Liebe? Was war schon Liebe? Meine ganze Existenz über war ich von denen verraten worden, die mich angeblich geliebt hatten. Woher sollte ich wissen, ob es dieses Mal anders sein würde? Was brachte es so mächtig, aber auch so allein zu sein?

„Bitte. Komm zurück zu mir.“

Zu wem? Wer war das, der mit mir sprach, hatte ich es nicht gerade noch gewusst? Wurde ich verrückt? War das der Preis für mein Alter? Für die Macht? Für die Toten, die die Wege meiner Kinder säumten?

„Bitte.“

Tegan? Tegan … Tegan. Er wollte, dass ich blieb. Das ich ihn nicht alleine ließ. Er liebte mich. Er würde mich beschützen. Ich konnte es durch unser Band spüren. Die Intensität seiner Gefühle. Die Liebe, die Leidenschaft, die Sorge.

Ich konnte nicht sterben. Ich musste leben. Für ihn. Für die Wölfe. Für sie alle und für mich selbst. Es war noch nicht an der Zeit für mich zu gehen. Vielleicht wäre es das nie. Vielleicht würde ich bleiben, bis die Welt untergeht, denn das würde sie eines Tages. Aber vielleicht, würde irgendwann auch einfach jeder von uns verschwinden, ohne das es jemand bemerkt. Ich wusste es nicht. Alles was ich wusste, war das ich meine Augen öffnen musste. Ich musste Leben.

Ich klammerte mich an dem Gedanken fest, zwang meinen Geist zurück in meinen Körper. Es war schwer, doch langsam öffnete ich meine Augen. Das Erste und Einzige was ich sah, war Tegan. Die Erleichterung in seinem Gesicht war deutlich zu erkennen und zeriss mir beinah das Herz.

„Gott sei Dank“, murmelte er und zog mich in seine Arme.

So fest es ging umarmten wir uns. Mit den Lippen an seinem Ohr murmelte ich:

„Ich glaube nicht, dass Gott seine Finger da mit im Spiel hatte.“

Er lachte leise.

„Wer sonst?“

„Du.“

Tegan löste sich von mir und sah mir tief in die Augen.

„Ich liebe dich.“

„Ich liebe dich auch“, flüsterte ich.

Er küsste mich sanfter als gedacht auf die Lippen. Nach einer Weile lösten wir uns voneinander. Ich richtete mich auf und blickte mich um.

Adria ging es besser. Sie war bereits auf den Beinen und stand dicht neben Michael. Der Anblick machte mich glücklich. Ich weiß nicht, was ich getan hätte, wenn sie es nicht geschafft hätte. Oder was Michael vielleicht getan hätte. Sie war ihm zu wichtig, als das es Spurlos an ihm hätte vorübergehen können. Doch zum Glück musste ich mich darum nicht mehr sorgen. Es ging ihr gut.

„Lass uns gehen“, schlug Tegan vor.

Ich schaute nach draußen. Die Sonne war am untergehen und tauchte die ganze Welt in ein leuchtendes Rot.

„Ja.“

Wir erhoben uns. Gefolgt von den Wölfen stiegen wir über Leichen und traten vor die Tür. Als wir uns alle im Freien befanden, drehte ich mich noch einmal um. Ich hob eine Hand und manifestierte vor meinem inneren Auge ein Feuer. Kurz darauf brannte das gesamte Gebäude lichterloh. Fasziniert betrachtete ich wie die Flammen alles verschlangen.

„Komm“, meinte Tegan und legte mir einen Arm um die Schulter.

Ich spürte, dass die Wölfe uns folgten. Es fühlte sich gut an. Sicher. Wie eine eigene verrückte Familie. Keine Ahnung, was noch passieren würde, Viktor war tot, doch das hieß nicht, dass ich in Sicherheit war. Es würde immer jemanden geben, der mich wollte. Tot oder lebendig. Ganz gleich.

Aber ich war nicht alleine, stellte ich fest, als Tagen mich auf die Schläfe küsste und Michael neben mir seinen Platz bezog. Was auch immer kommen würde, wir würden es gemeinsam durchstehen. Auf die Eine oder Andere Art und Weise.

The End

I want your deathWo Geschichten leben. Entdecke jetzt