Where is he?

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Laut schnappte ich nach Luft und fuhr hoch. Mein Gott! Ich lebe noch? Ich hätte schwören können dass ich sterbe. Benommen hielt ich mir den Kopf und sah mich um. Das Erste was ich sah waren die goldenen Augen eines großen Wolfes. Aber es war nicht Michael. Es war eine schneeweiße Wölfin die mich erstaunt ansah. Sie hatte offenbar neben mir Wachegehalten. Als ich mich weiter umsah, stellte ich fest dass ich im Wald auf einer Lichtung lag.

Du lebst!?’, erklang ihre sanfte Stimme in meinen Gedanken.

„Ich … ich versteh das nicht. Wie konnte …“, murmelte ich vor mich hin.

Mir kamen die unerträglichen Schmerzen in den Sinn. Unwillkürlich fuhr ich mit der Hand an meinen Rücken. Nichts. Keine Schmerzen. Als wäre nie etwas gewesen. Zu meinem Erstaunen bemerkte ich wie gut es mir wirklich ging. Aber das war unmöglich, es sei denn …

„Wo ist Tegan? Was ist passiert?“, fragte ich die Wölfin.

Sie senkte traurig den Kopf.

Er brachte dich zu uns. Aber ich konnte dir nicht helfen, weil du an ihn gebunden bist. Er gab dir sehr viel Blut von sich um dich zu heilen, aber es wirkte als hätte es absolut keine Auswirkungen auf dich. Während du scheinbar starbst wurde er durch den Blutverlust immer schwächer. Irgendwann hat er aufgegeben. Er hat einen ganzen Tag lang neben dir gelegen und dich in den Armen gehalten. Dann ist er gegangen und hat uns befohlen über dich zu wachen.’

Träge tauchten ein paar Worte am Rand meines Gedächtnisses auf. Ich … ich … ich liebe dich. Mein Herz zog sich schmerzhaft zusammen.

„Tegan“, flüsterte ich leise.

„Wohin ist er gegangen?“, fragte ich dann besorgt.

Zu Victor. Er wollte unbedingt deinen Tod rächen. Michael ist mit ihm gegangen. Ein paar andere Wölfe ebenfalls. Ich wollte selbst mitgehen, aber ich sollte auf dich aufpassen’, erklärte die Wölfin.

Sofort sprang ich auf. Zu Victor? Das war die dümmste Idee seit langem.

„Wann war das?“, forschte ich nach.

Vor ein paar Stunde. Sie wollen im Morgengrauen angreifen.’

Ich sah zum Himmel. Keine Stunde mehr bis Sonnenaufgang. Verflucht. Das würde knapp werden.

„Ich muss ihn davon abhalten. Kommst du mit?“, fragte ich die Wölfin.

Sicher war ich älter als sie und sie wusste offenbar wer ich war, aber ich hatte im Laufe der Zeit nur sehr selten meine Bedeutung für alle Übernatürlichenwesen ausgenutzt. Ich würde sie nicht zwingen mich zu begleiten.

Mit Vergnügen’, grollte ihre grimmige Stimme in meinem Kopf.

Ich rannte los. Die Wölfin blieb mir dicht auf den Fersen. Soweit es möglich war, näherten wir uns Victors Anwesen durch den Wald. Man konnte schließlich nicht einfach mit einem Wolf durch die Straßen laufen. Als wir den Wald dann doch verlassen mussten, nahmen wir unzählige Nebenstraßen und machten sogar ein paar Umwege, ehe wir endlich zum Anwesen gelangten. Unterwegs war ich in einen Laden eingebrochen und hatte mir etwas zum Anziehen besorgt. Eine enge Lederhose, die mir genug Spielraum zum kämpfen ließ und ein schwarzes T-Shirt. Tegans Mantel zog ich mir im Anschluss wieder über.

Umso näher wir dem Anwesen gekommen waren, desto mehr hatte ich Tegan in jeder Faser meins Körpers gespürt. Ich hatte schon fast vergessen, wie es sich anfühlte, an jemanden gebunden zu sein. Ich fühlte seinen Zorn und einen unglaublichen Schmerz. Er trauerte um mich. Er war so sehr von dieser Trauer ausgefüllt, dass er mich nicht bemerkte. Er konnte meine Anwesenheit nicht spüren, weil alle anderen Gefühle dieses überlagerten. Ich fluchte innerlich. Wo war er?

Die Wölfin, deren Name Adria war, wie ich herausgefunden hatte und ich schritten das Gelände am Zaun entlang ab. Wenn wir auf eine Wachte trafen rissen wir ihr den Kopf ab. Falls wir es nicht rechtzeitig schafften Tegan und die Anderen zu finden, war es gut, wenn die Zahl der Vampire die für Victor kämpften dezimiert worden war.

An der Hinterseite des Gebäudes wurden die Gefühle, welche von Tegan ausgingen stärker. Ich blieb stehen. Adria sah mich fragen an. Ich deutete in Richtung Büsche. Sie schnüffelte.

Sie sind es. Ich kann Michael riechen’, hörte ich ihre erleichterte Stimme.

Wir gingen in Richtung ihrer Deckung. Doch noch ehe wir dort ankamen, sprangen die Wölfe mit einem mal aus den Büschen, über den Zaun drüber und landeten leise auf dem Gelände.

„Michael!“, zischte ich leise.

Die Wölfe stürmten vorwärts und töteten auch bereits die ersten Wachen. Michael blieb stehen und sah sich erstaun um. Adria und ich sprangen über den Zaun und landeten neben ihm. Einem normalen Werwolf wäre das nie gelungen und einem normalen Vampir auch nicht. Aber weder die Wölfe noch ich waren normal.

Heaven!’, rief Michael erleichtert in meinen Gedanken.

„Wo ist Tegan?“, fragte ich sofort.

Er war nicht bei den Wölfen gewesen.

I want your deathWo Geschichten leben. Entdecke jetzt