Kapitel 23

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Es macht mir Angst wie sehr ich mich selbst mittlerweile an Ihn erinnere.

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Emily

Er hat mich einfach weggedrückt. Einfach so und ich fange langsam an mir Sorgen zu machen. Er ist so schnell verschwunden, wegen eines Anrufs, hat dicht gemacht, mir nichts erzählt.
Ich versuche nochmal ihn zu erreichen, doch sofort springt seine Mailbox an. Kurz muss ich schmunzeln, bei seinen trockenen, gleichgültigen Worten, denn er sagt dort, er würde zurück rufen, aber bei seiner Tonlage weiß man direkt das es gelogen ist. Leider, weil ich jetzt gerne mit ihm reden würde. Gerne würde ich wissen, was er gerade tut, durch macht oder mit macht, warum er so beschäftigt ist. Doch ich weiß, dass er nicht mit mir darüber reden wird. Nein, er wird nur wieder behaupten, es sei alles in Ordnung, aber ich glaube ihm nicht.
Ich weiß das er mich anlügt. Es muss doch irgendwas passiert sein. Nun wird mir auch klar, dass ich nicht länger hier herumsitzen kann. Vielleicht finde ich ihn ja draußen. Also nehme ich mir meine Kopfhörer und ziehe mir meinen Mantel über.
Draußen ist es total kalt, weshalb ich, nachdem ich mir Musik über die Hörer angemacht habe, meine Hände in meinen Jackentaschen vergrabe.
Wo kann er nur sein? Da fällt es mir ein. Vielleicht weiß Ash irgendwas. Da ich noch seine Nummer habe, rufe ich ihn sofort an.
,,Hi Ash", fange ich an, nachdem ich etwas länger warten musste bis er abnimmt.
,,Emily? Hey", er klingt überrascht, was mich nicht wundert, weshalb sollte ich auch anrufen? ,,Was gibts? Kann ich dir helfen?"
,,Ich habe eine Frage: Es geht um Nick", meine ich und höre ihn auf der anderen Seite der Leitung seufzen.
,,Was hat er angestellt", entfleucht es ihm stöhnend und ich runzele nur die Stirn.
,,Was? Nein, er hat gar nichts angestellt. Er war nur eben bei mir und ist dann so plötzlich verschwunden. Jetzt geht er nicht an sein Handy. Ich dachte nur, das du vielleicht weißt wo er ist", aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass er genauso wenig Ahnung hat, wie ich.
,,Hm, wundert mich nicht so.", brummelt er ,, Vielleicht wollte er dir so schnell wie möglich entkommen, deswegen nimmt er auch deine Anrufe nicht an. Er hat einfach kein Bock auf dich"
Ich merke das er lacht und ich werde sauer:,,Schön das dich das so amüsiert, Ash. Ich lache mich tot."
,,Entschuldige, Prinzessin.", brabbelt er ironisch in sein Handy.
,,Du hilfst mir nicht gerade..", stöhne ich und massiere mir meine Schläfe ,, Ich mache mir ernsthafte Sorgen. Bitte ruf mich an, wenn er sich bei dir meldet.."
,,Jaja", ich spüre bis hier, wie er seine Augen verdreht ,,Du übertreibst, du führst dich auf, als wärst du seine eifersüchtige Freundin."
,,Oh wow, wirklich, Ash?!", ich schnaufe ,,Ich dachte du wärst auf meiner Seite?"
,,Nimm das nicht so ernst, Prinzessin"
,,Das gebe ich mir nicht weiter. Wir hören uns, bis dann", damit lege ich auf und habe nur noch irgendein übertrieben genervtes Geräusch seinerseits wahrgenommen.
Ich hätte nicht gedacht das Ash so sein kann, ich habe etwas mehr Hilfe von ihm erwartet. Er hat immer so verständnisvoll gewirkt, aber naja.
Ich wickele meine Kopfhörer um mein Handy und stecke es ein. Wo kann er nur sein. Nur hier herum zu gehen bringt es doch nicht, so finde ich ihn niemals.
Hat Ash eventuell doch recht? Ich führe mich wie seine Freundin auf, dabei sind wir nicht mal richtige Freunde oder? Ich sollte nach Hause gehen.
Ständig stößt er mich vor den Kopf und ich habe keine Ahnung wieso ich ihm gerade wie ein anhänglicher Welpe nach laufe. Ich sollte zu Hause in meinem Zimmer sein, lernen oder so, nicht über ihn und seine Probleme nachdenken. Ich sollte nicht über ihn nachdenken, wenn er dabei ist mich aus seinem Leben zu streichen.
Klingt übertrieben, fühlt sich aber so an. In den besten Situation mutiert er gerade zu zum Arsch, als wolle er, das ich mich von ihm fern halte.
Ich fühle mich schlecht, schon wieder. Und wieder wegen ihm. Wieder wegen einem Kerl. Ständig nur wegen Typen. Ray oder Nick, und gerade merke ich zwischen ihnen keinen Unterschied.
Dann soll er mich halt ignorieren, dann soll er mich aber auch nicht mehr nerven. Gott, nein, er hat mich nie genervt, ich habe seine Anwesenheit so sehr genossen und genau das ist das Problem. Ich werde ihm nicht verfallen, wenn er mich jetzt schon ablehnt. Eigentlich habe ich gedacht, zu ihm durchgedrungen zu sein, dem ist wohl nicht so. Aber ich habe nun mal gerade nicht die Kraft dafür, um um seine Aufmerksamkeit zu kämpfen, dafür das er mir sein Herz öffnet. Nein, ich habe wirklich besseres zu tun. Ich muss das mit Ray klären, weiter im Kiosk arbeiten, für die Schule lernen und eventuell dann, wenn Ray endlich aus meinem Leben verschwunden ist, ich meine komplett aus meinem Leben verschwunden ist, neue Freundschaften schließen, damit ich nicht alleine bin. Das ist ein guter Plan, der beste, den ich seit langem hatte.

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Niclas

Nach einer Weile bin ich wirklich sehr angetrunken, was mir dieses Mal irgendwie nicht hilft, meinen Problemen zu entkommen. Sonst klappt das bei mir immer. Aber es ist alles da, nichts hat geholfen.
Ich bin so in Gedanken, dass ich nicht merke wie Jason einen Anruf bekommt. Er klopft mir auf die Schulter.
,,Jo, Bruder, ich werde abhauen. Übertreib nicht", damit verschwindet er aus dem Pub und ich bleibe alleine zurück.
Mit einer Handbewegung bestelle ich mir einen Gin Tonic um vor diesen Gedanken zu fliehen.
Emily, Alec, das College, einfach alles. Das alles soll aus meinem Kopf raus, nur für einen Abend.
Dann muss ich nicht darüber nachdenken, wie wunderschön Emily ist, aber wie scheiße ich zu ihr war, wie ich sie zurück gelassen habe. Nur wegen meinem Kumpel Alec, weil er so bescheuert ist Drogen zu nehmen. Und nun hocke ich hier und rege mich über etwas auf, was nicht mal mein Problem ist. Was juckt mich es, ob Alec Drogen genommen hat?
Einen Scheiß! Wirklich einen Scheiß. Ich habe ganz andere Probleme. Verdammt, ich muss mir einen job besorgen um mein College zu bezahlen und ich muss für Emily da sein. Das klappt ja bis jetzt alles super, nicht. Ich verwandel mich wieder in das Arschloch, was ich vor Emily schon war, benehme mich so, als würde sie mich nicht interessieren. Ich behandele sie wirklich wie alle anderen und das fuckt mich wahnsinnig ab. Das muss ich ändern, also schalte ich mein Handy wieder ein. Doch gerade als ich nach ihrem melodischen Namen in meinen Kontakten suche, fällt mir ein wie angetrunken ich doch bin. Sie jetzt anzurufen wäre das Dümmste, was ich tun könnte.
Dann wird ihr Anblick von mir noch mehr zerstört und ich will das alles nicht verhauen. Ich will sie nicht verlieren, nur weil ich zu unfähig bin alles in meinem Leben in den Griff zu bekommen oder mit ihr über meine Probleme zu reden. Ich kann ihr doch vertrauen.
Ich verabschiede mich von Willy und lege ihm einen 50er auf den Tresen um für Jason und mich zu bezahlen, damit verschwinde ich aus dem rauchigen und düsteren Pub.
Draußen vor der Tür strahlt mir die Sonne ins Gesicht, die Regenwolken sind wohl schon vorbei gezogen und ich erinnere mich an heute morgen. Scheiße, ich muss sie doch jetzt anrufen, sofort. Es ist mir egal, ob ich angetrunken bin, ich will jetzt ihre Stimme hören, mich entschuldigen und diesen Mist aus der Welt schaffen.
Ich warte, höre das gleichmäßige Tuten in der Leitung, zwischendurch ein Kratzen, bei dem ich jedes Mal denke, dass sie dran geht. Doch das tut sie nicht. Sie nimmt nicht ab.
Ich schätze das habe ich verdient, doch ich will nicht aufgeben. Wieder ignoriert sie meinen Anruf und das macht mich fertig, so muss sie sich gefühlt haben und auf Anhieb tut es mir alles noch viel mehr leid.

Was ist, wenn ich es deswegen verbockt habe?


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