Teil 1 (Chanyeol)

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Die Sommerferien waren vorbei und der Horror namens Schule begann von neuem. Lustlos wälzte ich mich aus dem Bett, als ich von diesem dämlichen Wecker so unsanft aus dem Schlaf gerissen wurde und schlurfte zum Badezimmer. Verpennt sah ichin den Spiegel und gähnte einmal herzhaft. Meine dunkelbraunen Haare standen wild in alle Richtungen ab und auch der Kamm konnte da nichts mehr retten, egal wie sehr ich ihn beschimpfte.

Mit viel Mühe, Wasser und Geschick hatte ich es nach kurzer Zeit geschafft, dass mein Zustand beim Verlassen des Hauses nicht mehr ganz so peinlich werden würde, dochzufrieden war ich mit dem Ergebnis nicht. Nachdem ich mich gewaschen und angezogen hatte, betrachtete ich mich erneut im Spiegel.

Da ich mit meinen Eltern erst vor einem halben Jahr nach Seoul gezogen war und hier prompt auf eine der führenden Eliteschulen gesteckt worden war, obwohl wir es uns meiner Meinung nach nicht wirklich leisten konnten, hatten wir eine Schuluniform kaufen müssen (die nebenbei gesagt sündhaft teuer gewesen war).

Sie bestand aus einem weißen Hemd,samt schwarz-weiß gestreifter Krawatte und einer schwarzen Stoffhose. Das dazu passende Jackett trug das rote Emblem der Schuleauf der linken Brust und an den Ärmeln waren goldene Knöpfe zur Verzierung angebracht (sie waren aus meiner Sicht also völlig unnötig).

„Chan! Beeil dich, sonst kommst dunoch zu spät!", war die Stimme meiner Mutter zu vernehmen und ich riss mich seufzend von meinem Spiegelbild los. Dass eine riesige Nerdbrille auf meiner Nase thronte und die Uniform aufgrund meiner Größe ziemlich knapp ausfiel, wagte ich gar nicht erst zu erwähnen.

Zwar war der Fehlkauf schnell aufgefallen, doch ich wollte nicht, dass meine Eltern so viel Geld ausgeben mussten, um mir eine neue zu kaufen, die mir wahrscheinlich genauso wenig stehen würde wie diese. Es war nicht so, dass wir kein Geld hatten, doch wir hatten auch nicht so viel, dass man es für so etwas aus dem Fenster schmeißen musste.

Ich rechnete es meinen Eltern schon hoch an, dass sie mich auf diese Schule schickten. Sie sagten zwar, dass ihnen für mich und eine gute Zukunft nichts zu teuer war, doch ich wäre mit einer stinknormalen staatlichen Schule ebenso zufrieden gewesen. Besonders im Nachhinein.

„Was möchtest du essen, Schatz?", fragte meinte Mutter, als ich in der Küche angekommen war und mich lustlos auf einen Stuhl fallen ließ. „Hab keinen Hunger.", murmelte ich bloß und erntete einen besorgten Blick. „Was ist los?", wurde ich gefragt, doch ich winkte ab. „Es ist alles in Ordnung. Ich bin nur Müde."

Schon bei dem bloßen Gedanken an dieSchule wurde mir schlecht und mein Magen zog mich schmerzhaft zusammen. Ich würde keinen Bissen herunter bekommen. Es war erst daszweite Halbjahr an dieser Schnöselschule, doch schon nach wenigenTagen hatte ich mir gewünscht auf meiner alten Schule geblieben zu sein.

Allerdings war es gut für meine Zukunft, würde ich einen Abschluss an der SME School schaffen. Nur noch eineinhalb Jahre würde ich durchstehen müssen. Das sagte ich mir immer wieder und doch wusste ich nicht, ob ich es noch so lange aushalten würde, denn allein 10 Minuten in dieser Hölle kamen mir vor wie 10 Stunden.

„Dann nimm wenigstens das hier mit.", bat meine Mutter und hielt mir ein Lunchpaket unter die Nase. Dankbar griff ich danach sie gab mir einen leichten Kuss auf die Stirn. Ich hatte ihr verschwiegen wie die anderen Schüler mich behandelten und wie es mir seit langem ging (und ich hatte auch nicht vor dies zu ändern). Sie sollte sich nicht auch noch Sorgen um mich machen müssen.

Zwar musste sie bemerkt haben, dass sich mein Verhalten geändert hatte, doch wahrscheinlich schob sie es auf eine gewisse Phase meines Lebens. Ich wusste nur nicht, was ich ihr sagen sollte, falls sie mich doch einmal darauf ansprechen sollte oder wissen wollte wie mein Schulalltag aussah. Belügen wollte ich sie nicht, das hatte sie nicht verdient.

Red Haired PrinceWhere stories live. Discover now