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Café

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Der Braunhaarige seufzte erneut auf und lehnte sich stärker in seinem Stuhl zurück. Nicht zum ersten Mal verfluchte er seinen Chef, Jung Hoseok, dass dieser der Meinung war, ein 24h Café errichten zu müssen. Und ihm, Jin, die Nachtschichten zu übergeben. Zu dieser späten Stunde kam niemand mehr in das kleine unscheinbare Café mit dem Namen Magic Shop. Allerhöchstens ein paar Betrunkene, die meinten in dem Café ein Chaos veranstalten zu müssen, welches Jin dann wieder aufräumen musste. Sein Blick schoss auf die Uhr. 2:58 Uhr. In zwei Minuten würde es 3:00 Uhr schlagen. Eine wundervolle Zeit. Der Himmel bedeckt mit Sternen. Doch diese Nacht war es besonders schön. Es war nämlich Blutmond und deshalb prangte ein großer, roter Mond am Himmel. Sehr schön war auch diese Ruhe. Alles verstummte um diese Zeit. Und im dem Moment, der Jin beinahe magisch anmutete, in dem Moment, in dem die Kirchglocken schlugen, in dem Moment öffnete sich die Ladentüre und ein junger Mann trat ein. Sein Gesicht war von einem Mundschutz bedeckt und seine kirschroten Haare verdecken beinahe seine dunklen Augen. Wortlos setzte er sich hin, studierte kurz die Karte, zeigte dann auf einen Chai Latte und schaute nach draussen. Jin brachte ihm sein Getränk und der andere trank ihn stumm. Er schien zu warten. Er sass bloss auf seinem Stuhl, trank seinen Chai Latte und wartete. Nach einer Stunde war seine Tasse leer und auch den Kirschkuchen, den Jin ihm nach einer halben Stunde mit den Worten: "Geht aufs Haus." gebracht hatte, war aufgegessen worden. Der Fremde stand auf, legte das Geld auf den Tisch und verschwand im Dunklen. Er hatte nicht ein Wort gesprochen.

In dieser Nacht kam niemand mehr. Jin hätte sich normalerweise zu Tode gelangweilt, aber heute nicht. Seine Gedanken waren noch immer bei dem Fremden. Und so bemerkte er gar nicht, wie schnell die Zeit verging. Schon bald ging die Sonne auf, was Jin durch das grosse Fenster hinaus beobachtete. Auch dies fand er schön. Aber die Nacht, insbesondere 3Uhr, mochte er lieber. Es war stiller, beruhigender. Und schon kam Jungkook, Jins Mitarbeiter und eine Person, mit der er sehr viel Spass hatte. Sein einziger Freund. Der Jüngere war schon fast wie ein Sohn für ihn. Er passte auf ihn auf und half ihm, falls es dann mal nötig war. Durch Kookie, wie Jin ihn liebevoll nannte, vergass er den Fremden beinahe. Doch als Jin sich verabschiedet hatte, kamen diese Gedanken sofort wieder zurück. Und normalerweise hätte er an diesem Tag viel geschlafen, doch sein Kopf kam nicht zur Ruhe. Er konnte nicht aufhören nachzudenken. Über den Fremden. Dieser hatte es ihm irgendwie abgetan, obwohl er ihn nicht kannte. Die Art des Fremden war irgendwie interessant. Dieses Geheimnisvolle sorgte dafür, dass Jin mehr über diesen erfahren wollte. Doch nach einiger Zeit, so gegen Mittag hin, schaffte er es endlich ob diesen Gedanken einzuschlafen.

Auch heute hatte er wieder Nachtschicht. Er übernahm sowieso immer diese Schichten, da das Gegenteil wohl seinen nicht richtig vorhandenen Schlafrhythmus ganz zerstört hätte. Auch wenn er wusste, wie dumm das war, hoffte er tief in seinem Inneren den Fremden mit den roten Haaren und dem schwarzen, unscheinbaren Mundschutz wiederzusehen. Denn dieser ging ihm nicht aus seinem Kopf. Sogar in seine Träume flocht sein Unterbewusstsein diesen ein. In einen seiner Träume waren sie wieder im Café. Es passierte, wie auch in der Realität, nichts. Jin beobachtete den Anderen nur die ganze Zeit. Und dieser ass seinen Kirschkuchen, trank seinen Chai Latte und wartete. Worauf wusste Jin nicht. Auch eine Sache, die er unbedingt erfahren wollte. Total in Gedanken an seinen Traum versunken lief er beinahe an dem kleinen Café vorbei, drehte sich aber gerade noch rechtzeitig um. Drinnen angekommen verabschiedete er sich von Kookie, der heute ganz schnell gehen musste, da er ein Date mit einem gewissen Taehyung hatte. Jin merkte, dass sein Kookie wohl total verliebt war. Süss war es ja schon, wie er immer von Taetae, wie er ihn nannte, schwärmte. Aber noch süßer war es, dass er danach immer knallrot anlief. Da noch relativ viele Kunden im unscheinbaren Café waren, kümmerte Jin sich schnell um diese. Nach ein, zwei Stunden wurde es dann ruhig im Café. Jin setzte sich wieder auf den Stuhl und wartete. Auf RM, wie Jin den Fremden insgeheim nannte. Das R für red, einerseits wegen seiner Haarfarbe, andererseits war in dieser Nacht der Mond rot gewesen, denn M stand für Moon. Dass Jin sogar schon einen Namen für ihn hatte, zeigt ihm einmal mehr, dass er schon viel zu lange über diesen nachgedacht hatte. Um sich abzulenken fing er an, das Café aufzuräumen. Aber er merkte schon bald, dass er lächerlicherweise immer nervöser wurde. Und dann, um punkt 3 Uhr, öffnete dich die Tür und er trat ein. Der Fremde. RM. Jin war wie gebannt von seinen anmutigen Bewegungen, als dieser auf den Tisch zuging, an dem er bereits letzte Nacht gesessen hatte. Dann zeigte er wieder auf den Chai Latte, welchen Jin sofort zubereitete und dem noch immer Fremden brachte. Nach einer halben Stunde stellte er auch einen Teller mit Kirschkuchen auf den Tisch, welcher der Andere dann, noch immer stillschweigend, ass. Und als die Glocken den Beginn einer weiteren Stunde läuteten, stand er auf, legte das Geld auf den Tisch und ging. Auch dieses Mal hatte er kein Wort gesagt. Wieder verbrachte Jin seine ganze restliche Schicht damit nachzudenken. Gegen Morgen kam dann ein freudenstrahlender Kookie ins Café und erzählte Jin so glücklich wie schon lange nicht mehr, von seinen Date. Tae habe ihn geküsst und jetzt seien sie sogar zusammen, sagte er grinsend. Er strahlte. Und in diesem Moment wusste Jin, der davor immer ein bisschen skeptisch gewesen war, da er Angst gehabt hatte, dass sein Kookie verletzt werden würde, in diesem Moment, in dem er Kookie so glücklich sah, da wusste er, dass dieser Tae seinen Kookie gut tat. Er lachte und sagte dann zu dem Frischverliebten, er müsse diesen Tae unbedingt einmal kennenlernen, er müsse doch wissen, wer seinen Sohn so zum Strahlen bringen könne. Dann verabschiedeten sie sich. Jin ging nach Hause, während Kookie anfing zu arbeiten. Jins Gedanken waren, wie sollte es anders sein, bei RM. Zuhause angekommen setzte er sich auf sein rotes Samtsofa und schaute sich die Tagesschau an. Eigentlich machte er dies ja jeden Tag, er wollte wissen, was in der Welt so los war, doch gestern war er einfach zu durcheinander gewesen. Er schaute der Moderatorin der Sendung zu, wie sie die Nachrichten erzählte. Ein Autounfall, Sachen aus der Politik, die Seokjin nicht alle verstand, und dann noch eine angeblich sehr gute Nachricht: Schon seit Wochen wurde niemand mehr durch die Hand des berühmtesten Auftragsmörder Südkoreas umgebracht. Das war eine besonders lange Pause für diesen. Danach kam noch das Wetter und dann war die Tagesschau auch schon zu Ende, weshalb Jin den Fernseher ausmachte und ins Bett ging. Durch den Schlafverlust gestern schlief er auch ganz schön schnell ein. Erneut träumte er von RM. Und erneut geschah nichts. Sie beobachteten. Jin RM, RM die Nacht. Er ass und trank. Dann ging er. Und Jin wachte auf, machte sich fertig fürs Café und ging hin. Sein Leben bestand nur aus diesen Dingen. Aber mehr brauchte er auch gar nicht. Denn er war zufrieden. Und er hatte ja auch noch Kookie, seinen besten Freund, oder schon fast Sohn. Und er hatte den Fremden, RM. Im Café waren noch genau zwei Personen. Jungkook und ein weiterer Mann mit gefärbten Haaren, der sich mit "Kim Taehyung" vorstellte. Er war Jin sofort sympathisch und er sah auch, wie glücklich der Blauhaarige Kookie machte. Nach kurzer Zeit und einem neuen Freund für Jin gingen die Beiden nach Hause und bis 3 Uhr blieb das Café leer. Dann kam RM. Und wie die Nächte davor bestellte er einen Chai Latte, ass Kirschkuchen und wartete. Noch immer wusste Jin nicht, ob dieser tatsächlich wartete oder ob er es sich bloss einbildete. Um 4 Uhr ging der Fremde wieder und Jin wartete bis am Morgen, hörte Kookie dann bei seinen Schwärmereien über Tae zu und ging nach Hause. Dort schaute er die Tageschau, wo darüber diskutiert wurde, wieso niemand mehr von diesem Mörder ermordet wurde, und ging dann schlafen.

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