Kapitel 1

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F A B I A N P.O.V


Ich lief schnell die Straße entlang, da der Regen immer stärker wurde und ich auch nicht zu spät zu Julias Party kommen wollte. Ich musste nur noch über die Brücke und dann rechts.

Oh Gott, wie sehr ich diese Brücke hasste. Warum? Weil ich nicht mit Höhen klar kam und diese Brücke auch noch um die hundertdreißig Meter in der Luft war. Darunter war ein großer Fluss. Und immer, wenn ich darüber ging hatte ich Angst, dass gleich alles einstürzen würde.

Man, ich sollte mal anfangen zu leben. Risiken einzugehen, meine Meinung sagen. Verdammt, ich war so schwach, denn wieder fiel ich direkt in mein altes Muster zurück:

Ich vermied es am Rand zu laufen und hinunter zu sehen. Wie immer. Kurz vor der Brücke wurde ich etwas langsamer und holte tief Luft. Okay Fabian, du kannst das, dachte ich nervös. Ich lief so oft über diese Brücke, aber hatte jedes Mal wieder Angst.

Ich senkte den Kopf und sah auf den Betonboden, so wie immer. Der Wind wurde stärker und auch der Regen wurde etwas mehr. Und ich war so froh, dass ich an diesem Tag kurz aufgeschaut hatte.

Denn hinter dem Geländer, direkt vor dem Abgrund stand ein dünner Junge. Er war blond und sah klatschnass aus. Ich lief langsam auf ihn zu. Er wollte doch nicht wirklich springen, oder? Ich meine, es gab ja auch viele von diesen gestörten Jugendlichen, die einfach so zum Spaß auf Brücken klettern. Aber die lebten wenigstens... 

Dieser Junge sah jedoch so aus, als würde er es nicht mehr lange tun.

Doch als ich näher kam merkte ich, dass der Junge zitterte. Ob vor Angst oder vor Kälte konnte ich nicht sagen. Ich nahm an, dass beides eine Rolle spielte. Der Junge schluchzte leise, er hatte mich noch nicht einmal bemerkt. Er war ungefähr so groß wie ich und schien auch nicht viel älter zu sein. Ich bekam Panik, wollte nicht, dass er sich jetzt das Leben nahm. Ich fühlte mich verantwortlich, doch ich hatte auch Angst vor dem Abgrund.

Der Junge hatte nur eine dünne Jacke an und ich hatte Angst, dass er krank wurde. Aber ich denke, es war wichtiger ihn jetzt erst mal von dem Geländer wegzubekommen. Ich schluckte meine Angst und Panik vor der Tiefe so gut es ging hinunter und ging langsam auf das Geländer zu.

"Hey, was machst du da?", fragte ich schließlich. Ich hätte mir selbst eine klatschen können. Ach, ich genieße die Aussicht! Was wird er wohl tun?? Der Junge sah mich nicht an, sondern lachte nur leicht. Von der Seite sah ich, wie er leicht lächelte. Doch es war ein verzweifeltes Lächeln und seine Augen waren voller Tränen.

"Wonach sieht's denn aus?", fragte der Junge dann mit heiserer Stimme.

"Als ob du dein Leben wegschmeißen willst", antwortete ich ruhig, obwohl mein Herz wie verrückt gegen meine Brust hämmerte. Ich versuchte krampfhaft ruhig zu bleiben und nicht nach unten zu sehen.

"Mein Leben ist schon längst im Müll."

"Nein, nein, das ist es nicht. Und selbst wenn, dann kann man es wieder recyceln." Wieder lachte der Junge verzweifelt und schüttelte leicht den Kopf.

"Wie heißt du?", fragte ich dann.

"Newt", erwiderte er und sah mich nun zum ersten Mal an.

"Hallo Newt. Ich bin Fabian." Ich lächelte ihn leicht an.

"Hallo Fabian. War schön dich kennengelernt zu haben." Der Junge vor mir ließ das Geländer mit einer Hand los und ich bekam einen kleinen Schock. Ich wollte schon seine Hand packen, doch er kramte nur mit seiner nun freien Hand nach etwas in seiner Tasche. Schließlich holte er einen zusammengefalteten und ziemlich zerknitterten Brief heraus.

Bis zum EndeHistorias para obsesionarse. Descúbrelo ahora